Geldanlagen

So gehen die Fondsanbieter jetzt mit Russland um

Der Krieg in der Ukraine führte zu harten internationalen Sanktionen gegen Russland. Die darauffolgenden Kurseinbrüche hatten eine Schliessung der Börse in Russland zur Folge. Russische Aktien sind nun nicht mehr handelbar. Wie reagieren die Fondsanbieter?

Manuel Rütsche

Leiter Asset Management

Die aktuelle Lage in der Ukraine geht auch an den Finanzmärkten nicht spurlos vorbei. So führten die Sanktionen gegenüber Russland weltweit zu Kursrückgängen. Im besonders stark betroffenen russischen Aktienmarkt kam es in der letzten Februarwoche zu Kursrückgängen von über 45 Prozent. Die Moskauer Börse entschied daraufhin, den Handel auszusetzen. Auch andere Börsenplätze stoppten den Handel mit russischen Aktien. Die andauernde Handelsaussetzung führte dazu, dass die grossen Indexanbieter entschieden, sämtliche russischen Titel aus ihren breiten Börsenbarometern zu entfernen. Die Umsetzung erfolgt diese Woche und hat auch Auswirkungen auf ETF und Indexfonds.

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Der Einfluss auf die Depots der meisten Anlegerinnen und Anleger von passiven Anlagefonds sollte jedoch sehr gering ausfallen. In der Regel sind nur sehr selten Produkte auf den russischen Index MSCI Russia zu finden. Eher wird auf den breiteren Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets gesetzt. Dieser hielt vor der Schliessung des russischen Marktes rund 2,7 Prozent an russischen Wertpapieren (siehe Grafik).

Zudem nimmt der MSCI Emerging Markets in vielen Depots im Vergleich zu globalen oder Schweizer Aktien nur eine geringe Gewichtung ein. So beträgt beispielsweise der Einfluss russischer Titel in einem Depot mit 3 Prozent Schwellenländeranteil (MSCI Emerging Markets) weniger als 0,1 Prozent. Da passive Fonds, wie ETF und Indexfonds, die Wertentwicklung von Indizes abbilden, ist bei diesen Produkten der Russlandanteil ähnlich gering.

Kein Handel von Fonds mit hohem Russlandanteil

Um einen Handel weiter gewährleisten zu können, wird von den Fondsanbietern der Anteil russischer Titel mit einem Abschlag berechnet oder mit 0 Schweizer Franken bewertet. So können sie für Anleger einen Preis stellen und die Anpassungen der Indexanbieter übernehmen. Fonds mit einem sehr hohen Russlandanteil, wie beispielsweise ETF auf den MSCI Russia, bleiben an den Börsen vom Handel ausgesetzt. Die betroffenen russischen Titel bleiben jedoch im jeweiligen Fonds enthalten. Die Fondsgesellschaften können dann nach und nach versuchen, die Titel zu verkaufen. Der Erlös kommt den Anlegerinnen und Anlegern zugute.

Somit lässt sich feststellen, dass russische Aktien bei den meisten Anlegern nur einem sehr geringen Depotanteil entsprechen. Fonds, die nicht mehrheitlich aus russischen Titeln bestehen, lassen sich weiter handeln. Um von solchen Ereignissen verschont zu bleiben, bietet es sich an, die globalen Märkte unterschiedlicher Anlageklassen möglichst breit abzudecken. Hierfür eignen sich ETF und Indexfonds sehr gut, die eine Investition in eine Vielzahl unterschiedlicher Anlageklassen und -regionen anbieten.

Weitere Informationen zur Funktionsweise und zu den Eigenschaften von passiven Fonds finden Sie in der VZ-Studie Eine Untersuchung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten von ETF und Indexfonds. Oder sprechen Sie mit einer Expertin, einem Experten im VZ in Ihrer Nähe.