Geldanlagen

Schweizer Wirtschaft vor raueren Zeiten

Was diese Woche die Börsen bewegt – Ausgabe vom 1. Dezember 2021

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Noch florieren die konjunkturellen Wachstumszahlen in der Schweiz. Im Herbstquartal wuchs hierzulande die Wirtschaftsleistung um starke 1,5 Prozent. Im Sommer hatte das Wachstum gegenüber dem Vorjahr gar 1,6 Prozent betragen. Beide Werte liegen deutlich über dem langfristigen Trend:

Zu den positiven Treibern zählte unter anderem, dass weitere Corona-Massnahmen gelockert wurden. Dadurch legte vor allem die Wertschöpfung im Dienstleistungsbereich zu – dank eines Anstiegs des privaten Konsums und der Importe. Ebenfalls eine starke Zunahme gelang dem verarbeitenden Gewerbe. Hier war die chemisch-pharmazeutische Industrie das Zugpferd. Der restliche Industriesektor wurde von den globalen Lieferengpässen gebremst. Nach dem goldigen Sommer und Herbst kommen nun auch in der Wirtschaft wieder rauere und kältere Zeiten – nicht nur jahreszeitbedingt. Die neue Corona-Variante (siehe unten) und der anhaltend starke Schweizer Franken belasten die Wirtschaft. Ein erneuter Einbruch wie 2020 ist jedoch nicht zu erwarten. Die vorauslaufenden Indikatoren bleiben im Expansionsbereich. Das Wachstum wird sich jedoch in Richtung seines langfristigen Trends zurückbilden.

Neue Virusvariante sorgt für Unruhe: Seit einigen Tagen beunruhigt Omikron die globale Wirtschaft. Die Virusvariante von Covid-19 hat sich innerhalb kurzer Zeit von Südafrika in zahlreiche Länder verbreitet. Als Folge davon wurde vielerorts mit Reiserestriktionen reagiert. Ökonomen erwarten, dass der Rückfall in der Virusbekämpfung die Lieferengpässe weiter akzentuiert. Das dürfte das Wirtschaftswachstum zumindest kurzfristig etwas bremsen. 

Hohe Teuerung in den USA bleibt: US-Notenbankchef Jerome Powell rechnet auch im kommenden Jahr mit hohen Inflationsraten. Gemäss Powell, der erst gerade von Präsident Joe Biden für eine zweite Amtsdauer vorgeschlagen wurde, dürfte sich die Teuerung jedoch verlangsamen. Bei einer Anhörung im Senat am Dienstag sagte er, preistreibende Faktoren wie Probleme mit globalen Lieferketten würden auf längere Zeit bestehen bleiben. Zugleich hat sich auch die Lage am Arbeitsmarkt verbessert. Als Folge davon steigen Löhne mit erheblicher Geschwindigkeit. Das wiederum könnte eine Lohn-Preis-Spirale befeuern. 

China im Hoch, Europa im Tief: Chinas Industrie konnte im November entgegen den Erwartungen wieder zulegen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) ist erstmals seit drei Monaten wieder leicht über die 50-Punkte-Marke gestiegen. Diese trennt Wachstum von Kontraktion. Zwar blieb die Nachfrage nach Gütern aus dem verarbeitenden Gewerbe weiterhin schwach. Dienlich waren aber sinkende Rohstoffpreise und die Lockerung der Stromrationierung, die den Druck auf diverse Branchen minderte. Im Gegensatz dazu hat sich im Euroraum die Stimmung eingetrübt. Das entsprechende Barometer gab leicht nach. Experten hatten mit einer Verbesserung gerechnet. Die grössten negativen Zugkräfte gingen von Spanien, den Niederlanden und Deutschland aus. Gegen den Trend entwickelten sich Frankreich und Italien.