Geldanlagen

Schweizer Wirtschaft trotzt der Krisenlage

Die Teuerung steigt in der Eurozone stärker als erwartet. Das könnte dazu führen, dass die EZB noch dieses Jahr die Zinsen erhöht. 

Markus Lackner

Leiter Research

Der Schweizer Wirtschaft geht es trotz der Ukraine-Krise verhältnismässig gut. Darauf deutet das Konjunkturbarometer der Forschungsstelle KOF hin. Ende März lag das Barometer bei 99,7 Zählern und damit nur knapp unter dem langfristigen Durchschnitt von 100. Obschon sich das Barometer vom letztjährigen Spitzenwert bei über 140 Zählern deutlich abgeschwächt hat, besteht derzeit kein Grund zur Beunruhigung. Für die nahe Zukunft erwarten die KOF-Ökonomen eine moderate Entwicklung der Schweizer Wirtschaft

Das KOF-Barometer geniesst Beachtung, weil es ein Frühindikator für die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft ist. Das Barometer besteht aus einer Vielzahl von Indikatoren, die zusammengesetzt ein Gesamtbild der Schweizer Wirtschaft formen. Hauptverantwortlich für den tieferen Stand sind die rückläufigen Indikatoren beim verarbeitenden Gewerbe und beim Privatkonsum, die anderen Indikatoren haben sich hingegen kaum verändert.

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Als Stütze wirkt der weiterhin robuste Arbeitsmarkt. Vor allem bei der Arbeitslosenquote gab es eine leichte Verbesserung. Diese sank nochmals leicht und steht aktuell bei 2,2 Prozent. Damit liegt die Arbeitslosigkeit weiter unter dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Auch dem Teuerungsschub kann sich die Schweiz weiterhin weitestgehend fernhalten. Zwar ist auch hierzulande die Inflationsrate angestiegen – zuletzt von 2,2 auf 2,4 Prozent.

Doch damit liegt die Schweiz um Faktoren hinter den Werten, die in Wirtschaftsregionen wie den USA oder der Eurozone gemessen werden. In den USA hat die Teuerung zuletzt 8,5 Prozent erreicht. Das ist zugleich der höchste Stand seit 40 Jahren. In der Eurozone wurde zuletzt ein Preisanstieg von 7,5 Prozent gemessen – ein Rekordwert seit der Einführung der Gemeinschaftswährung.

Haupttreiber der Inflation sind überall die in die Höhe geschossenen Energiepreise sowie die teurer gewordenen Nahrungsmittel – auch in der Schweiz. Allerdings kommt uns die starke Währung zugute, denn diese vergünstigt die Importe. Mit diesen Vorzeichen steht auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht unter Druck, wie andernorts die Zinsen bald und deutlich anheben zu müssen.

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Chinas Wirtschaft überrascht positiv

Die chinesische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2022 stärker als erwartet gewachsen. Die Wirtschaftsleistung hat auf das Gesamtjahr hochgerechnet 4,8 Prozent zugelegt. Dennoch kam es im März zu einer spürbaren Abkühlung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Grund dafür ist die strikte Null-Covid-Strategie, die immer wieder zu grossen Lockdowns im Land führt. In den kommenden Monaten dürften diese Wirtschaftseinschränkungen stärker sichtbar werden.

Europa verzichtet auf Zinserhöhung

Im Gegensatz zu den USA und Grossbritannien belässt Europa die Zinsen bei null. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer letzten Sitzung keine Veränderung der Geldpolitik beschlossen. Präsidentin Christine Lagarde liess sich nicht in die Karten blicken und blieb vage. Es ist zu erwarten, dass der Erwerb zusätzlicher Anleihen von Staaten und Unternehmen im Rahmen des Kaufprogramms APP im dritten Quartal enden wird. Derzeit geht der Markt davon aus, dass die EZB bis Ende Jahr die Zinsen um 0,65 Prozent erhöht.

Guter Start in die US-Berichtssaison

Trotz geopolitisch schwieriger Lage sind die im S&P 500 gelisteten Unternehmen gut in die Berichtsaison zum ersten Quartal 2022 gestartet. Von den ersten 38 rapportierenden Unternehmen haben 79% die Erwartungen übertroffen. Für den gesamten Index sind die Gewinnerwartungen für 2022 und 2023 nochmals leicht angehoben worden.