Geldanlagen

Schweizer Exporte im Plus – Inflationssorgen nehmen zu

Ein positives Zeichen gab es vor Kurzem von der Schweizer Exportwirtschaft. Die hiesigen Firmen konnten im Mai leicht mehr ins Ausland verkaufen als im Vormonat.

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Um Preisveränderungen bereinigt betrug das Plus 2,4 Prozent. Gefragt waren vor allem Produkte der Maschinen- und Elektroindustrie. Trotzdem herrscht alles andere als eitel Sonnenschein. So korrigierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) jüngst seine Prognosen zum Schweizer Wirtschaftswachstum nach unten. Zwar rechnet das Seco mit einer weiteren Erholung der Wirtschaft. Aber: Aufgrund der Unsicherheiten rund um den Krieg in der Ukraine passte das Seco seine Wachstumsprognosen etwas nach unten an. Neu wird mit 2,6 Prozent für 2022 und mit 1,9 Prozent für 2023 gerechnet (Grafik).

Sollte sich die Lage in der Ukraine empfindlich verschlechtern und das zu einem drastischen Abschwung bei den Handelspartnern führen, könnte es zu einem Negativ-Szenario kommen. Dann würde die Schweizer Wirtschaft laut Seco dieses Jahr nur 2,4 Prozent wachsen. Nächstes Jahr wären es sogar nur 0,0 Prozent. Das heisst: Im negativen Szenario rechnet das Seco für 2023 mit einem Nullwachstum – vor einer Rezession warnt das Staatssekretariat derzeit aber nicht. Noch stärker angepasst hat das Seco aber seine Prognosen zur Inflation. Für 2022 prognostiziert es neu 2,5 Prozent und für nächstes Jahr 1,4 Prozent. Im Negativszenario sind es 2,8 Prozent für 2022 und 2,3 Prozent für 2023.

Das ist klar über dem Zielwert der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Letzten Donnerstag reagierte die SNB auf die Teuerung und erhöhte den Leitzins – zum ersten Mal seit 2007. Der Leitzins liegt neu bei -0,25 Prozent. Weitere Zinserhöhungen dürften in den kommenden Monaten folgen, um die Inflation ins langfristige Zielband zwischen 0 und 2 Prozent zu steuern.

Fazit: Die SNB hat die Wende der Schweizer Geldpolitik eingeleitet. Die Notenbank zeigt sich entschlossen, eine übermässige Teuerung frühzeitig zu bekämpfen, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Neu beurteilt sie den Franken nicht mehr als hoch bewertet. Die SNB zeigt sich bereit, auch die Währung für die Bekämpfung der Inflation einzusetzen

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US-Industrie produziert weniger

Die Industrieproduktion in den USA ist im Mai überraschend gesunken. Im Vergleich zum Vormonat nahm sie um 0,1 Prozent ab, wie die US-Notenbank Fed mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Wachstum von im Schnitt 0,3 Prozent gerechnet. Im April hatte die Produktion noch um 0,8 Prozent zugelegt. Die neuen Zahlen wurden am Markt als Zeichen dafür gewertet, dass sich die US-Wirtschaft etwas abkühlt. Die US-Notenbank geht derzeit mit Leitzinserhöhungen gegen die hohe Inflation im Land vor. Das könnte sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Kroatien darf den Euro einführen

Kroatien hat von den anderen EU-Staaten grünes Licht für die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung erhalten. Das teilte der EU-Finanzministerrat in Brüssel mit. Kroatien darf also wie geplant seine Währung Kuna durch den Euro ersetzen. Der Schritt soll per 1. Januar 2023 erfolgen. Insbesondere die kroatische Tourismusbranche dürfte von der Einführung des Euros profitieren. Für Feriengäste wird es leichter, Geld im Land auszugeben. Und Hotels, Restaurants und andere Betriebe müssen nicht mehr mühselig zwischen Euro und Kuna wechseln. Im Land gibt es aber auch kritische Stimmen, die befürchten, dass durch die Umstellung auf den Euro die Lebenshaltungskosten stark steigen könnten.