Unternehmensnachfolge

Praxisbeispiel: Familieninterne Nachfolge

Die Nachfolgespezialisten des VZ beraten Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Nachfolgeregelung. Erfahren Sie in diesem Beispiel aus der VZ-Praxis, welche Herausforderungen ein klassischer Schweizer Familienbetrieb bei der Stabsübergabe an einen Nachkommen zu meistern hatte.

Kevin Seiler

Experte Unternehmensnachfolge

Die Ausgangslage

Der Gründer und Inhaber eines Ingenieurbüros ist 60 Jahre alt. Das Unternehmen ist ein klassischer Familienbetrieb. Die Ehefrau und der Sohn arbeiten ebenfalls im Betrieb. Insgesamt beschäftigt der Betrieb 12 Mitarbeitende.

Der Inhaber hat gesundheitliche Probleme und möchte kürzertreten. Das ganze Vermögen des Ehepaars steckt im Unternehmen. Die grossen Liquiditätsbestände in der Firma dienen dem Ehepaar als Altersvorsorge.

Die Weitergabe des Unternehmens bereitet ihnen Sorgen. Persönlich verstehen sich Vater und Sohn zwar gut, geschäftlich ist das aber nicht immer der Fall. Der Sohn möchte die Firma gerne übernehmen und strategisch anders ausrichten; die Tochter hat kein Interesse am Unternehmen. Die Eltern können und möchten die Firma nicht einfach verschenken.

Die Zielsetzung

Die Eltern wollen den Betrieb so rasch wie möglich ihrem Sohn weitergeben. Die Tochter soll bei dieser Transaktion allerdings nicht zu kurz kommen. Der Inhaber beauftragt deshalb die Experten des VZ VermögensZentrums, eine Nachfolgelösung zu erarbeiten, die für alle Beteiligten «fair» ist – später soll es zu keinem Erbstreit kommen. Auch sollen die Experten des VZ ein Finanzkonzept erstellen, damit die Eltern sorgenfrei in den Ruhestand gehen können.

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Nachfolge: Tipps für die Übergabe der Firma an die Familie

Das Merkblatt gibt Tipps, wie Inhaber die Firmenübergabe in der Familie erfolgreich planen können.

Emotionen und Zeitdruck

Die Eltern arbeiten seit jeher viel. Wegen der gesundheitlichen Probleme möchte der Inhaber seine Verantwortung möglichst schnell übertragen. Das nicht immer einfache Verhältnis zum Sohn bekümmert den Inhaber ebenfalls.

Der Sohn will den Betrieb auf Effizienz trimmen und die Margen erhöhen. Mit diesen strategischen Anpassungen ist der Inhaber nicht restlos einverstanden. Trotzdem muss er darauf vertrauen, dass der Sohn sein Lebenswerk mit Erfolg führen und für Kontinuität sorgen wird – die Firmengeschichte, die Belegschaft und die Kunden liegen dem Inhaber sehr am Herzen.

Pensionierung planen

Zuerst konzentrieren sich die Experten des VZ auf die private Situation der Eltern. Bei einer familieninternen Nachfolge geht es im ersten Schritt meistens darum, die finanzielle Tragbarkeit der Pensionierung sicherzustellen. Die Experten erstellen darum einen Finanzplan für den Ruhestand. Diese langfristige Einkommens- und Vermögensplanung zeigt, dass die Inhaber finanziell besser dastehen als gedacht. Das sind gute Voraussetzungen für eine reibungslose Nachfolge.

Knackpunkt ist aber, dass das Gros des Vermögens, das für die Sicherstellung ihres Einkommens im Alter dient, im Geschäft steckt. Sehr viele dieser nicht betriebsnotwendigen Mittel sind in Form von Liquidität verfügbar. Sie machen die Firma «schwer» für die Weitergabe. Gleichzeitig lasten latente Steuern darauf – die Überführung ins Privatvermögen kann enorm ins Geld gehen.

Im KMU-Special lesen Sie, wie Sie Ihre Pensionskasse, Versicherungen und Nachfolge optimieren können:

Firmenwert eruieren

Der Sohn soll die Firma nicht geschenkt erhalten. Darauf legen die Eltern sehr viel Wert. «Was keinen Preis hat, ist wertlos», sagen sie. Zu diesem Zeitpunkt ist noch offen, welchen Wert die Firma hat. Eine Bewertung durch die Nachfolgespezialisten soll Klarheit schaffen.

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Eine Firma richtig bewerten

Das Merkblatt beschreibt die Bewertungsmethoden, die in der Praxis am häufigsten angewandt werden und zeigt deren Vorteile und Nachteile auf.

Bei der Bewertung kommen mehrere Methoden zum Zug. Das Resultat: Die Firma hat einen operativen Wert von rund 1,2 Millionen Franken – die nicht betriebsnotwendige Liquidität nicht eingerechnet. Das ist ein fairer Wert, wenn man die guten Ergebnisse der letzten Jahre und die vollen Auftragsbücher betrachtet.

Für den Sohn dürfte der objektive Wert des Betriebs trotzdem zu hoch sein – insbesondere, weil ihm die Eigenmittel fehlen, da er erst kürzlich ein Eigenheim gekauft hat. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Inhaber einen Preisnachlass gewähren muss. Mit einem solchen Abschlag müsste dann auch die Tochter einverstanden sein. 

Steuern reduzieren

Der Inhaber muss die überschüssige Liquidität vorzeitig beziehen – aus zwei Gründen: Er benötigt das Geld, um den Ruhestand zu finanzieren, und er macht die Firma «leichter» für die Weitergabe. Die Experten des VZ entwickeln darum einen Plan, wie die nicht betriebsnotwendigen liquiden Mittel steueroptimiert bezogen werden können.

Dazu müssen sie folgende Punkte berücksichtigen: das Einkommen bis zur definitiven Erwerbsaufgabe, die Mieterträge der Liegenschaft, den Eigenmietwert, die ordentlichen und ausserordentlichen Dividenden sowie die Kosten für den Unterhalt der Immobilie. Dabei überprüfen sie auch die Ausgestaltung der aktuellen Pensionskassenlösung und wie gross das Einkaufspotenzial ist.

Entscheidend sind auch der Grenzsteuersatz auf der Einkommenssteuer sowie die Kapitalauszahlungssteuern und die Fristen für den Bezug der Vorsorgegelder aus der zweiten und der dritten Säule.

Dank dieser Planung können PK-Einkäufe und die Bezüge der Vorsorgegelder zeitlich so abgestimmt werden, dass der Inhaber mehrere Zehntausend Franken an Steuern spart – dieses Geld steht ihm und seiner Frau zusätzlich zum Leben nach der Pensionierung zur Verfügung.

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Die eigene Firma weitergeben – Tipps und Beispiele aus der Praxis

Ratschläge, Tipps und Beispiele für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung.

Finanzierung klären

Jetzt, wo die private finanzielle Ausgangslage geklärt ist, müssen Inhaber und Sohn die Finanzierung an die Hand nehmen. Gemeinsam mit den Experten des VZ erstellen sie das passende Nachfolgekonzept.

Es bestätigt sich: Der Verkaufpreis von 1,2 Millionen Franken, der mit der objektiven Bewertung ermittelt wurde, ist nicht finanzierbar. Der Sohn hat nicht genügend Mittel, um diesen Kaufpreis zu stemmen.

Gestützt auf seinen Finanzplan muss der Inhaber also abwägen, ob er einen Preisnachlass, ein Darlehen sowie vorteilhafte Zahlungskonditionen gewähren kann. Deshalb analysieren sie gemeinsam mit den Experten das Potenzial der Firma, um so die künftige Ertragslage zu beurteilen. Erst auf dieser Basis lässt sich ein Finanzierungsplan herleiten.

Weil der Inhaber nicht auf einen möglichst hohen Verkaufspreis angewiesen ist, einigt er sich mit dem Sohn auf einen Vorzugspreis von 900’000 Franken (ein Viertel Abschlag). Der Sohn muss 700’000 Franken bezahlen. Dieses Geld erhält er als Verkäuferdarlehen von seinem Vater.

Das Darlehen muss er innerhalb der nächsten fünf Jahre mit den künftigen Gewinnen aus der Firma zurückzahlen. Die restlichen 200’000 Franken bekommt er als Erbvorbezug geschenkt. Dank dieser Lösung entfällt eine Prüfung der Finanzierung durch eine kreditgebende Bank – die Nachfolge bleibt auch finanziell eine familieninterne Angelegenheit.

Nachlass – faire Bedingungen schaffen

Es sind sehr viele Gespräche nötig, um das definierte Nachfolgekonzept umzusetzen – nicht nur zwischen dem Inhaber und dem Sohn, sondern zwischen allen Familienmitgliedern. Und jetzt, wo alles konkret wird, ist der Sohn plötzlich von der Grössenordnung der Nachfolgeregelung überrascht.

Bis anhin hatte er kaum den Überblick über die wichtigsten Finanzkennzahlen der Firma. Zudem zeigen sich erste Ängste. Er fragt sich, ob er die Firma ganz ohne seinen Vater leiten und es schaffen kann, das Darlehen zurückzuzahlen. Unsicher ist er plötzlich auch, ob die Kunden und die Mitarbeitenden die Nachfolge akzeptieren werden.

Auf der anderen Seite ist in dieser Phase die Meinung der Schwester zentral. Sie ist zwar einverstanden, dass ihr Bruder die Firma zu einem Vorzugspreis bekommt. Allerdings sieht sie nicht ein, weshalb sie nicht auch schon in der Gegenwart etwas bekommen soll. Ihre Argumente: Im «schlimmsten» Fall müsse sie sehr viele Jahre warten, bis beide Eltern verstorben sind und sie Geld erben könne. Ihr Bruder aber profitiere schon in den kommenden Jahren vom florierenden Betrieb. Zudem könne sie aktuell Geld gebrauchen, um sich den Traum des Eigenheims zu erfüllen.

Die Experten des VZ vermitteln zwischen den Familienangehörigen. Es sind einige Sitzungen nötig, um alle Parteien getrennt zu ihren Wunschvorstellungen, Sorgen und Ängsten zu befragen – und die Kompromissbereitschaft jedes Einzelnen zu klären. Notwendig sind auch mehrere Sitzungen, an denen die ganze Familie an einem Tisch versammelt wird.

Die Lösung

Die Familie kommt zu einer einvernehmlichen Lösung. Die Tochter erhält neu ebenfalls eine Summe von 200’000 Franken als Erbvorbezug. Zudem muss der Sohn das Verkäuferdarlehen seines Vaters nicht über fünf, sondern über zehn Jahre amortisieren. Das gibt ihm Sicherheit und «mehr Luft».

Um künftige Streitigkeiten zu vermeiden, wird auch der Kaufpreis im Nachlass bzw. im Erbvertrag festgehalten und von beiden Kindern für die Ausgleichspflicht akzeptiert. Sohn und Tochter sind zudem einverstanden, dass sie erst dann weitere Vermögenswerte erben, wenn beide Eltern verstorben sind. Denn die beiden Ehepartner möchten sich gegenseitig so gut wie möglich absichern. Stirbt ein Ehepartner, soll es zu keinem Geldabfluss kommen, um die Erbansprüche der Kinder zu begleichen. Im Ehe- und im Erbvertrag vereinbart die Familie deshalb, dass das Vermögen erst an die Kinder fliesst, nachdem beide Elternteile gestorben sind.

Das sagt der Experte

Für Kevin Seiler, Experte für Unternehmensnachfolge beim VZ, zeigt dieser Fall exemplarisch, wie anspruchsvoll eine familieninterne Weitergabe aus güter- und erbrechtlicher Sicht sein kann. «Die Nachfolge in der Familie benötigt viel mehr Zeit und Vorbereitung, als man denkt. In diesem Fall dauerte es fast drei Jahre, bis der Sohn die Firma von seinem gesundheitlich angeschlagenen Vater übernehmen konnte», so Seiler. Ein transparenter Dialog sei besonders wichtig, wenn man eine Lösung anstrebe, die für die ganze Familie fair sei.

Kevin Seiler’s Tipp: "Loslassen ist schwierig – trotzdem sollten Sie nicht zögern und alle Optionen frühzeitig mit Fachleuten prüfen."