Vorsorge

Nationalrat will Umwandlungssatz auf 6 Prozent senken

Viele Pensionskassen haben ihre Renten in den vergangenen Jahren bereits stark reduziert. Wer Einkommenslücken nach der Pensionierung verhindern will, muss frühzeitig handeln.

Karl Flubacher

Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz

Die Reform der zweiten Säule ist ein heisses Eisen. Jüngst hat sich der Nationalrat daran gewagt und die Reform gutgeheissen. Als Nächstes ist der Ständerat an der Reihe. Ein Kernelement der Reform: Der Umwandlungssatz soll von heute 6,8 auf künftig 6 Prozent sinken. Das bedeutet, dass pro 100’000 Franken Alterskapital jährlich 6000 statt 6800 Franken Rente ausbezahlt werden.

Fakt ist, dass schon heute viele Pensionskassen einen tieferen Umwandlungssatz anwenden. Das ist möglich, weil die Kassen den gesetzlichen Umwandlungssatz von aktuell 6,8 Prozent nur im Obligatorium anwenden müssen.

Merkblatt

So können Sie Ihre Rente retten

Viele Pensionskassen sind gezwungen, ihre Rentenversprechen zu kürzen. Das Merkblatt zeigt auf, wie Sie Ihr Einkommen im Alter sichern können.

Die meisten Versicherten haben aber auch ein überobligatorisches Altersguthaben, weil ihre Pensionskasse höhere als nur die obligatorischen Leistungen erbringt. Auch freiwillige Einkäufe zählen meist zum überobligatorischen Guthaben. Im Überobligatorium können die Pensionskassen den Umwandlungssatz selber festlegen.

Oft ist er deutlich niedriger als der Satz für das Obligatorium. Die Folge ist ein "umhüllender" Umwandlungssatz, der dann für das ganze Altersguthaben gilt. Bei einigen Pensionskassen ist dieser schon auf unter 5 Prozent gefallen.

Der Trend zeigt nach unten

Viele Pensionskassen haben ihre überobligatorischen respektive umhüllenden Umwandlungssätze in den letzten Jahren deutlich gesenkt. 2010 lag der durchschnittliche Umwandlungssatz für 65-jährige Männer bei 6,74 Prozent. 2021 beträgt der Wert gerade noch 5,52 Prozent. Gemäss einer Prognose dürfte der durchschnittliche Umwandlungssatz bis 2025 auf 5,30 Prozent fallen:

Die AHV-Rente, die seit 2002 generell um rund 16 Prozent gestiegen ist, kann die sinkende Pensionskassenrente in den allermeisten Fällen nicht kompensieren. Die Lücke zwischen Lohn und Rente im Alter wächst, wie eine Analyse vom VZ zeigt: Bei einem Mann, der brutto 100’000 Franken verdient, machen die Renten aus AHV und Pensionskasse nicht einmal 54 Prozent des Lohnes aus, den er vor der Pensionierung bekam – 2002 waren es noch 62 Prozent. Die Renten aus AHV und Pensionskasse sollten zusammen eigentlich 60 Prozent des letzten Salärs ersetzen. Das Vorsorgesystem erreicht dieses Ziel jedoch häufig nicht mehr.

Lücken füllen

Es bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst mehr Geld auf die Seite zu legen. Je früher man damit beginnt, desto besser. Ein Beispiel: Sinkt der Umwandlungssatz von 6 auf 5,25 Prozent, fehlen einem 50-Jährigen 71’430 Franken, wenn er bei der Pensionierung eine Pensionskassenrente von 2500 Franken im Monat erhalten will. Bis zur Pensionierung muss er deshalb jedes Jahr 4130 Franken zusätzlich sparen, um diese Einbusse zu kompensieren:

Wer ohne finanzielle Sorgen in Pension gehen möchte, muss jetzt prüfen, welche Massnahmen nötig sind. Das sind die wichtigsten Massnahmen:

  • Zahlen Sie regelmässig in die Säule 3a ein. So verbessern Sie Ihre Vorsorge und sparen viel Steuern. Wichtig: Prüfen Sie eine Säule 3a mit Wertschriften. Das rentiert meistens deutlich besser als ein kaum verzinstes 3a-Konto.
  • Kaufen Sie sich nach Möglichkeit in Ihre Pensionskasse ein. Vor allem in den Jahren vor der Pensionierung lohnt sich das meist sehr. Aufgepasst: Wenn Sie Ihr PK-Guthaben oder einen Teil davon bei der Pensionierung auszahlen lassen möchten, müssen Sie sich spätestens drei Jahre vorher einkaufen. Bei manchen Pensionskassen ist ein Einkauf generell nur bis drei Jahre vor der Pensionierung möglich – auch wenn man das ganze Guthaben als Rente bezieht.
  • Sparen Sie Steuern: Füllen Sie mehrere Vorsorgetöpfe, welche Sie später nach und nach beziehen. Und prüfen Sie einige Jahre vor der Pensionierung, ob Sie Ihre Pensionskasse als Rente, Kapital oder im Mix beziehen wollen.
  • Machen Sie ein Budget für die Zeit nach der Pensionierung. Ein solides Budget mit einem langfristigen Finanzplan zeigt, wie viel Ihnen fehlt. So bleibt noch Zeit, um die Lücke zu schliessen.

Sie möchten sicherstellen, dass Sie Ihren Lebensstandard nach der Pensionierung trotz sinkender Renten halten können? Bestellen Sie das kostenlose Merkblatt oder sprechen Sie mit einer Fachperson im VZ in Ihrer Nähe.