Nachlass

Mehr Selbstbestimmung beim Nachlass

Unser Erbrecht ist über hundert Jahre alt. Ziel der laufenden Revision ist es, den Erblassern mehr Spielraum zu lassen. Gleichzeitig wird es für Unternehmerinnen und Unternehmer einfacher, ihre Firma zu vererben.

Karin Brunner

Expertin Nachlassplanung

Die Art, wie wir zusammenleben, hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dem will das revidierte Erbrecht Rechnung tragen. Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Pflichtteile – also die Anteile am Erbe, auf die Kinder, Ehepartner, eingetragene Partner und Eltern Anspruch haben. Der Pflichtteil der Kinder wird gesenkt und jener der Eltern gestrichen. Damit steigt die frei verfügbare Quote.

Paare, die weder verheiratet sind noch in einer eingetragenen Partnerschaft leben, werden auch nach der Revision keinen gegenseitigen Erbanspruch haben. Ehepaare und eingetragene Paare haben weiterhin Anspruch auf die Hälfte des Erbes.

Vorteil für Unternehmer und Unternehmerinnen

Die tieferen Pflichtteile erleichtern die familieninterne Unternehmensnachfolge. Dank der höheren freien Quote können Unternehmerinnen und Unternehmer jene Nachkommen stärker begünstigen, die den Betrieb übernehmen. Das ist eine wichtige Verbesserung. Denn viele Nachkommen, die das Unternehmen ihrer Eltern übernehmen möchten, können die Übernahme nicht finanzieren. In solchen Fällen bleibt oft keine andere Lösung, als den Betrieb aufzuteilen, um die Geschwister auszuzahlen. Erblasser müssen in einem Erbvertrag ausdrücklich festhalten, wem sie die freie Quote zuteilen.

Prüfen Sie Ihre Nachlassplanung

Das revidierte Erbrecht tritt am 1. Januar 2023 in Kraft. Testamente und Erbverträge bleiben auch nach der Revision gültig. Im Einzelfall kann das dazu führen, dass Ihr Erbe nicht so verteilt wird, wie Sie es geplant hatten. Darum lohnt es sich, die laufende Revision zu nutzen, um Ihre Nachlassplanung zu überdenken und bei Bedarf anzupassen. Das empfiehlt sich auch für unverheiratete Paare, die in einer Lebensgemeinschaft leben und ihre Erbfolge trotz Gesetzesänderung weiterhin aktiv regeln müssen.