Geldanlagen

Geldanlage: Hier legen Banken ihre Interessenkonflikte offen

Banken sichern sich im Kleingedruckten ab, um Provisionen für Finanzprodukte nicht an Kunden weitergeben zu müssen. Das widerspricht dem Urteil des Bundesgerichts.

Philipp Heer

Geschäftsleiter Region Bern, Zentral- und Südschweiz

Eigentlich ist der Fall klar: Bei der Vermögensverwaltung müssen Banken die Entschädigungen, die sie für den Vertrieb von Finanzprodukten bekommen, an ihre Kunden weiter­geben – ohne Wenn und Aber. Doch noch immer finden sie Wege, um solche Provisionen oder Retrozessionen nicht auszuzahlen.

Merkblatt

Depotauszug: Was Sie wissen sollten

Wie sieht ein übersichtlicher Depotauszug aus, und welche Informationen sollte er enthalten? Das Merkblatt fasst zusammen, worauf Sie achten sollten.

Auszüge aus den Geschäftsbedingungen von zwei Banken zeigen exemplarisch, wie sie sich gegenüber den Kunden absichern:

Geschäftsbedingungen Beispiel Bank 1: "Der Kunde erklärt sich einverstanden, dass die Bank […] die von Dritten erhaltenen monetären Leistungen einbehält, und verzichtet hiermit ausdrücklich auf die Weitergabe dieser monetären Leistungen an ihn."

Geschäftsbedingungen Beispiel Bank 2: "Der Kunde ist sich bewusst, dass Entschädigungen zu potenziellen Interessenkonflikten führen können, indem sie Anreize zu setzen vermögen, Produkte auszuwählen oder zu empfehlen, bei denen die Bank Entschädigungen erhält."

Solche Klauseln sind ein Freipass, um Kundendepots mit teuren Finanzprodukten zu füllen. Vielfach handelt es sich dabei um Produkte, die tendenziell die grössten Provisionen für die Bank abwerfen. Dazu kommt: Die aktiven Fonds vieler Banken schneiden höchstens mittelmässig ab, und einige liegen weit hinter den besten ihrer Kategorie zurück.

Interessenkonflikt hat sich verschärft

Eine aktuelle Studie des VZ zeigt: Je mehr aktive Fonds im Depot liegen, desto magerer fällt die Rendite aus. Ein Beispiel: Wenn aktiv gemanagte Fonds mehr als die Hälfte ausmachen, verpassen die Anleger im Schnitt 2 bis 2,4 Prozent Rendite pro Jahr.

Die Studie zeigt auch: In den untersuchten Wertschriftendepots ist der Anteil bank­eigener Produkte in den letzten Jahren weiter gestiegen. Das verschärft den Interessenkonflikt zusätzlich. Denn für Banken ist es lukrativer, ihre eigenen Produkte einzusetzen.

Aktion

Depot-Check

Lassen Sie die Rendite, Risiken, Gebühren und Nachhaltigkeit Ihrer Wertschriften vom VZ überprüfen. Der Check lohnt sich für alle, die eine unabhängige Zweitmeinung wünschen.

Tipp: Anfang Jahr bekommen Sie Ihren Depotauszug von der Bank. Studieren Sie dieses Dokument genau. Ihre Bank sollte darin klar und deutlich ausweisen, welche Entschädi­gungen Ihnen zustehen. Daran erkennen Sie, wie transparent Ihre Bank Ihnen gegenüber ist. Viele Depot­auszüge zeigen nicht, wie gut die Anlage tatsächlich rentiert, wenn man alle Gebühren abzieht. Die Nettorendite sollte aber klar hervorgehen.

Ist das bei Ihnen nicht der Fall oder haben Sie Zweifel? Dann lassen Sie Ihren Depot­auszug von den unabhängigen Expertinnen und Experten des VZ prüfen.

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