Pensionierung

Frühpensionierung – wie kann man sich das noch leisten?

Frühpensionierungen scheitern oft am fehlenden Geld. Denn so ein Schritt ist nicht gerade billig. Setzt man sich aber frühzeitig damit auseinander, kann der vorzeitige Ausstieg gelingen. Auch der Arbeitgeber kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Karl Flubacher

Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz

Fast jede zweite Schweizerin und jeder zweite Schweizer möchte früher in Pension gehen. Doch nur die wenigsten haben dafür auch finanziell vorgesorgt. Für sie wird das darum immer unrealistischer. Grund ist, dass ganze Einkommen eines oder mehrere Jahre wegfällt. Gleichzeitig verschlechtern sich die Leistungen aus der Pensionskasse, weil man weniger Beiträge einzahlt. Dazu kommt, dass die Pensionskassenrenten seit Jahren sinken und sinken.

Ein Beispiel zeigt: Bei einem Mann, der 90'000 Franken verdient und mit 62 aufhört, summieren sich die Kosten der Frühpensionierung auf mehr als 280'000 Franken (siehe Tabelle unten). Was kann man also tun? Wer früher in Pension geht, muss die finanzielle Lücke zwischen der vorzeitigen und der ordentlichen Pensionierung überbrücken können. Und dabei gilt es einiges zu beachten:

Erspartes: Einkommenslücken lassen sich teilweise ausgleichen, wenn man Ersprarnisse und geerbtes Geld, die Säule 3a und sein Wertschriftendepot nutzt. Die Säule 3a kann man zum Beispiel bereits fünf Jahre vor 64 bzw. 65 beziehen.

Merkblatt

Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen

Eine freiwillige Frühpensionierung scheitert oft am fehlenden Geld. Erfahren Sie im kostenlosen Merkblatt, worauf Sie achten müssen.

Vorbezug: In Frage kommt auch ein Vorbezug der Renten. Bei der Pensionskasse ist das ab 58 oder 60 möglich. Die AHV-Rente kann man ein oder zwei Jahre vorher beziehen. Achtung: Der Vorbezug führt dazu, dass die Renten ein Leben lang tiefer ausfallen: Wer mit 63 aufhört, verzichtet Jahr für Jahr auf 13,6 Prozent der AHV-Rente und schnell einmal auf mehr als 10 Prozent der PK-Rente.

Hypothek: Je nachdem kann man auch die Hypothek aufstocken und dieses Geld zur Überbrückung der Einkommenslücke verwenden. Vorsicht: Wegen der fehlenden Tragbarkeit verweigern viele Banken älteren Kreditnehmern die Aufstockung der Hypothek.

Teilpensionierung als Alternative

Ist die Frühpensionierung zu teuer, bietet sich die Teilpensionierung als Alternative an. Schrittweise aufzuhören kostet viel weniger und hat auch noch andere Vorteile. Man vermeidet zum Beispiel AHV-Lücken, zahlt weiterhin in die Pensionskasse ein und bleibt gegen die Risiken Tod und Invalidität versichert.

Ein Beispiel: Ein Mann mit einem Jahreslohn von 120'000 Franken muss mit Rentenkürzungen von rund 160'000 Franken rechnen, wenn er mit 63 aufhört. Reduziert er sein Pensum aber auf 50 Prozent, ist die Kürzung nur etwa ein Viertel so hoch (siehe Tabelle unten).

Tipp: Idealerweise setzt man sich bereits mit Alter 50 mit der Frühpensionierung auseinander. Zu diesem Zeitpunkt hat man schon gewisse Vorstellungen über das Ende des Berufslebens – und es bleibt noch genügend Zeit, um Massnahmen zu treffen:

Das können Angestellte tun

  • Erstellen Sie ein Budget und auf dieser Basis einen umfassenden Finanzplan. Er zeigt, wie sich Ihre Ausgaben, Einnahmen und Ihr Vermögen bis zur Pensionierung und darüber hinaus entwickeln. So wissen Sie, wie viel Sie zusätzlich sparen müssen, um finanzielle Lücken zu schliessen.
  • Klären Sie, ob Sie Ihre AHV-Rente vorbeziehen wollen, und ob Sie Ihr Guthaben in der Pensionskasse besser als Rente, Kapital oder als Mix beziehen.
  • Nutzen Sie Möglichkeiten zum Steuern sparen – zum Beispiel, indem Sie Vorsorgegelder über mehrere Jahre gestaffelt beziehen.
  • Definieren Sie die Ziele für Ihr Vermögen neu: Ab wann müssen Sie es kontrolliert verzehren, um Ihr Einkommen zu sichern, und wie viel können Sie für Ihre Erben erhalten?
  • Bauen Sie gezielt Kapital auf: in der Säule 3a, mit einem ETF-Sparplan oder mit freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse.

Das kann Ihr Arbeitgeber tun

Auch Arbeitgeber können dazu beitragen, ihren Mitarbeitenden den frühen Ausstieg zu erleichtern:

  • Pensionskassen können Sonderkonten bereitstellen, auf Sie freiwillig zusätzliche Einzahlungen leisten. Das Gesetz sieht vor, dass Sie die Leistungslücke, die bei einem vorzeitigen Ausstieg entsteht, vollständig auffüllen und die Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen abziehen können.
  • Pensionskassen können eine Überbrückungsrente anbieten, um einen Vorbezug der AHV-Rente zu umgehen. Achtung: In der Praxis gibt es eine Vielzahl von Rentenmodellen. Je nach Modell kann sich der Bezug der Überbrückungsrente mehr oder weniger lohnen.
  • Pensionskassen können die Teilpensionierung unterstützen, indem sie die Möglichkeit vorsehen, dass Sie Leistungen vorzeitig beziehen – im Umfang der Pensumsreduktion.
  • Personalabteilungen und Pensionskassen können Sie bei der Planung unterstützen. Besonders bewährt haben sich Orientierungsanlässe, ein Pensionierungs- Informationspaket oder eine individuelle Beratung.