Geldanlagen

Ein Hoffnungsschimmer aus den USA

Die Teuerungsrate für den Privatkonsum ist seit drei Monaten rückläufig. Das könnte die US-Notenbank dazu bringen, die Geldpolitik weniger aggressiv als erwartet zu straffen. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Neue Inflationsdaten aus den USA sorgen wieder verstärkt für Hoffnung an den Finanzmärkten, dass die Teuerung womöglich den Höhepunkt erreicht hat. Darauf deutet die Entwicklung der Inflationsraten beim Privatkonsum (PCE, Personal Consumption Expenditures) hin.

Dieses Teuerungsmass ist im Mai erneut gesunken – zum dritten Mal in Folge. Gemäss Angaben des US-Wirtschaftsministeriums ging die PCE-Kerninflationsrate von 4,9 Prozent im April auf 4,7 Prozent im Mai zurück.

Die Kerninflation wird von der US-Notenbank im Hinblick auf die Geldpolitiksteuerung bevorzugt, weil es sich wegen ihrer geringeren Schwankungsanfälligkeit besser für eine Prognose eignet. Bei diesem Mass handelt es sich um die Entwicklung der persönlichen Konsumausgaben der US-Amerikaner auf Jahressicht, ohne die Ausgaben für Nahrungsmittel und Energie.

Aber auch die Inflationsrate inklusive dieser zwei Bereiche hat zuletzt stagniert. Diese jüngste Entwicklung dürfte für etwas Entspannung bei den Inflationsängsten sorgen. Diese hatten zuletzt zugenommen, nachdem zuvor die Verbraucherpreise (Consumer Price Index CPI) im Mai mit 8,6 Prozent auf einen Wert stiegen, der seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde.

Derzeit preisen die Finanzmärkte eine Zinserhöhung von 0,5 Prozentpunkten an der nächsten Fed-Sitzung ein. Diese findet am 26. und 27. Juli statt.

Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass aufgrund der besser als erwarteten Entwicklung bei den Privatkonsumausgaben die amerikanische Geldpolitik etwas weniger aggressive gestrafft wird als bisher erwartet.

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Teuerung in der Schweiz im Vormarsch

Auch in der Schweiz ist die Teuerung im Juni weiter gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat lag das Plus bei 3,4 Prozent. Damit wurden nicht nur die Erwartungen der meisten Ökonomen übertroffen. Zugleich war es auch der stärkste Anstieg seit dem Jahr 1993. Wie in den meisten Ländern bleiben die Haupttreiber der Entwicklung die Kosten für Benzin, Diesel und Heizöl, die deutlich nach oben geklettert sind. Deutlich zugenommen haben aber auch die Preise für Flüge und Pauschalreisen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) war vor einem Monat davon ausgegangen, dass im dritten Quartal 2022 der Höhepunkt der Inflation mit durchschnittlich 3,2 Prozent erreicht werde. Danach werde sich die Teuerung wieder etwas abschwächen. Mit Blick auf diese Entwicklung hatte sie damals den Leitzins in der Schweiz von -0,75 Prozent auf -0,25 Prozent erhöht.

US-Industrie im Hoch

Gute Nachrichten kommen aus dem amerikanischen Industriesektor. Dieser konnte im Mai entgegen den Prognosen viele Aufträge an Land ziehen und damit stärker als erwartet zulegen. Die Bestellungen für langlebige Güter nahmen um 1,6 Prozent zu – erwartet wurde lediglich ein Plus von 0,5 Prozent. Zuvor hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Wachstumsprognosen für die amerikanische Wirtschaft gekürzt. Für 2022 erwartet das Institut noch ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent, für 2023 wurden die Wachstumsprognosen von 2,3 auf 1,7 Prozent gekürzt.

Rohstoffpreise sind auf Tauchkurs

Die Furcht vor einer globalen Rezession drückt derzeit auf die Rohstoffpreise. So haben sich die Notierungen für Kupfer auf gut 7500 Dollar pro Tonne verbilligt. Das ist der tiefste Stand seit eineinhalb Jahren. Auch der Ölpreis ist von seinen jüngsten Höchstständen deutlich zurückgekommen. Ein Fass der Sorte Brent liegt nur noch knapp über der 100-Dollar-Marke. Noch vor einem Monat hatten Anleger rund 125 Dollar dafür bezahlt. Weniger gefragt ist auch Gold. Der Preis für eine Feinunze Gold liegt wieder unter 1800 Dollar. Der schwächelnde Preis ist vor allem auf den starken Dollar und die steigenden Zinsen zurückzuführen. Diese Effekte lassen die Rolle von Gold als Inflationsschutz und Krisenwährung in den Hintergrund rücken.