Hypotheken

Doch kein erleichterter Pensionskassen-Vorbezug für Wohneigentum

Wer zu wenig Eigenkapital hat, kann beim Kauf einer selbstbewohnten Liegenschaft auf seine Pensionskasse zurückgreifen. Allerdings gibt es eine Einschränkung – die nun der Ständerat bestätigt hat.

Karl Flubacher

Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, muss mindestens 10 Prozent des Kaufpreises mit "hartem Eigenkapital" bezahlen können, also zum Beispiel mit Ersparnissen. Aus der beruflichen Vorsorge dürfen maximal 10 Prozent stammen. Diese Regel bleibt so weiter bestehen: Am Montag, 13. Juni  hat der Ständerat eine Motion aus dem Nationalrat abgelehnt. Die Motion wollte, dass in Zukunft die gesamten 20 Prozent Eigenkapital aus der Pensionskasse stammen dürfen. Im März hatte der Nationalrat für diese Änderung gestimmt. Nun, mit dem Entscheid des Ständerates, ist die Motion aber vom Tisch.

Seit 2012 gilt die Regel, dass Hypothekarnehmer mindestens die Hälfte der erforderlichen 20 Prozent Eigenmittel selbst einbringen müssen. Die andere Hälfte kann man aus der beruflichen Vorsorge beziehen. Ein einfaches Beispiel: Ein Ehepaar will sich ein Haus kaufen, das 1 Million Franken kostet. Die Bank verlangt, dass das Paar mindestens 200'000 Franken Eigenmittel einbringt. Davon dürfen maximal 100'000 Franken aus der Pensionskasse bezogen sein. Mindestens 100'000 Franken muss das Paar also anderweitig aufbringen, etwa in der Form von Ersparnissen oder einer Schenkung der Eltern.

Weitere Bestimmungen beim PK-Vorbezug

Bei Pensionskassen sind Vorbezüge für Wohneigentum in der Regel bis drei Jahre vor der Pensionierung möglich. Bis 50 darf man das gesamte Pensionskassenguthaben vorbeziehen. Ältere erhalten den Betrag, den sie mit 50 hätten vorbeziehen können, oder die Hälfte des aktuellen Guthabens – je nachdem, welche Summe höher ist bzw. was das Pensionskassenreglement vorsieht. Ein Vorbezug muss mindestens 20’000 Franken betragen, und zwischen zwei Bezügen müssen mindestens fünf Jahre liegen.

Aufgepasst: Wer Gelder aus der Pensionskasse vorbezieht, riskiert, dass so Vorsorgelücken entstehen. Möglicherweise hat man dann nach der Pensionierung weniger Geld zur Verfügung. Bei vielen Pensionskassen sinken bei einem Vorbezug auch die Leistungen bei Invalidität oder Tod. Den Wohneigentumsvorbezug kann man aber der Pensionskasse wieder zurückzahlen. Damit erwirbt man sich bessere Leistungen.

Vorsorge-Guthaben muss man beim Bezug als Einkommen versteuern, allerdings separat vom übrigen Einkommen und zu einem reduzierten Steuersatz. Der Steuerbetrag fällt je nach Wohnort und Betrag unterschiedlich aus. Ein Beispiel: Beim Bezug einer halben Million Franken bezahlt ein verheirateter Mann in Chur rund 24’400 Franken Steuern. In Fribourg wären es mehr als das Doppelte. Wer einen Wohneigentumsvorbezug zurückzahlt, kann diese Steuern dann aber wieder zurückverlangen.

Verpfändung erwägen

Statt das Pensionskassenguthaben auszahlen zu lassen, kann man es der Bank verpfänden. Das Guthaben dient der Bank dann als Sicherheit. Im Gegenzug gewährt sie ein zusätzliches Hypothekardarlehen von maximal 90 Prozent der verpfändeten Summe. Diese Zusatz-Hypothek muss wie eine zweite Hypothek innert 15 Jahren vollständig amortisiert werden.
 

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Auf den ersten Blick kostet eine Verpfändung deutlich mehr als der Vorbezug des Pensionskassenguthabens. Die höhere Hypothek hat höhere Zinskosten und Amortisationsraten zur Folge. Wenn man aber die Auswirkungen auf Steuern und Vorsorge berücksichtigt, kostet eine Verpfändung sogar oft weniger als ein Vorbezug.

Wer das Pensionskassenguthaben nur verpfändet statt bezieht, kann mehr Schuldzinsen steuerlich geltend machen, und an den versicherten Leistungen ändert sich nichts. Wenn man sich für einen Vorbezug entscheidet, sollte man unbedingt die Leistungseinbussen kompensieren. Erstens sollte man dann jedes Jahr einen Betrag auf die Seite legen, um die Kürzung der Altersrente aufzufangen. Zweitens fallen Versicherungsprämien an, um die geringeren Leistungen bei Invalidität und Tod auszugleichen.

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