Geldanlagen

Die Zinserwartungen gehen weiter nach oben

Plötzlich rechnen die Finanzmärkte mit deutlich schnelleren Zinsschritten in den USA. Es stellt sich die Frage, ob allmählich Zeichen einer Überreaktion zu sehen sind. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Ein zentrales Thema an den Finanzmärkten sind die Zinserwartungen. Das zeigte sich in den vergangenen Tagen, als Aktien unter Druck kamen. Der Grund dafür sind die erneut nach oben gestiegenen Zinserwartungen der Marktteilnehmer. Angesichts der geopolitisch anspruchsvollen Lage mit dem Ukraine-Krieg und der damit weiter angeheizten Inflation geht der Markt davon aus, dass die Zinsen schneller und höher als bislang erwartet steigen.

Diese erneute Verschiebung nach oben ist allerdings etwas erstaunlich. In den USA liegen die Zinserwartungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) für die Zeit nach 2025 tiefer als jene des Marktes bis Ende dieses Jahres. Hier stellt sich die Frage, ob die Marktreaktion zur Übertreibung neigt.

Angestachelt wurde der Markt von den jüngsten Äusserungen von Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank Fed. Er sagte, dass das Fed bereits an der Mai-Sitzung über einen doppelten Zinsschritt von insgesamt 50 Basispunkten (0,5 Prozent) diskutieren könnte. Nun rechnet der Markt nicht nur mit einem solchen Doppelschritt, sondern gleich mit mehreren.

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Auch in der Eurozone sind die Zinserwartungen zuletzt deutlich nach oben geschnellt. Nun wird davon ausgegangen, dass die Null-Prozent-Linie bereits im Verlauf des dritten Quartals überschritten werden könnte. Bislang war bloss erwartet worden, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Herbst zumindest einen Zinsschritt verkünden würde. Bei der EZB entspricht ein Zinsschritt zu Beginn eines Zyklus üblicherweise 10 Basispunkte (0,1 Prozent).

Unter diesen Umständen hätte es also fünf Zinsschritte benötigt, um überhaupt wieder bei Nullzinsen zu liegen.

In der Schweiz sind solche Schritte noch nicht absehbar. Ökonomen rechnen im laufenden Jahr mit keiner Leitzinsveränderung der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Damit bleiben die Negativzinsen von -0,75 Prozent vorerst bestehen.

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