Vorsorge

Die vier häufigsten Irrtümer über die Ehe und die Finanzen

Bald können auch gleichgeschlechtliche Paare den Bund der Ehe eingehen. Beim Thema Finanzen sollten sie darauf achten, dass ihnen nicht die gleichen Fehler passieren wie Heteros.

Porträt Nicole Baumgartner

Nicole Baumgartner

Finanzexpertin

Ab dem 1. Juli 2022 ist es soweit: Gleichgeschlechtliche Paare können heiraten oder ihre eingetragene Partnerschaft in eine Ehe umwandeln. Aufgepasst: Rund um die Ehe kursieren einige Missverständnisse. Gleichgeschlechtliche Paare können einiges von bei heterosexuellen Ehepaaren verbreiteten Irrtümer lernen. In Beratungsgesprächen zeigt sich, dass diese Irrtümer bei Verheirateten häufig vorkommen:

Irrtum 1: Im Alter gibt es von der AHV eine Ehepaarrente

Das stimmt nicht. Von der AHV bekommen beide Partner je eine Rente. Aber: Verheiratete erhalten nicht zweimal eine volle Rente.

Merkblatt

"Ehe für alle": Das müssen LGBT für ihre Finanzen wissen

Dieses Merkblatt zeigt Paaren, was sie beachten sollten, wenn sie den Bund der Ehe schliessen.

Denn bei Verheirateten sind die Renten plafoniert. Ehepaare bekommen zusammen höchstens 150 Prozent der Maximalrente eines Alleinstehenden, die aktuell 2390 Franken pro Monat beträgt (Tabelle unten). Es sind also maximal 3585 Franken im Monat, die ein Ehepaar von der AHV beziehen kann. Unverheiratete Paare dagegen können zusammen bis zu 4780 Franken erhalten, wenn beide Lebenspartner die Voraussetzungen für eine Maximalrente erfüllen.

Irrtum 2: Wir machen ein gemeinsames Testament

Nein, ein gemeinsames Testament ist ungültig. Denn das Schweizer Erbrecht sieht keine gemeinsamen Testamente vor.

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Ehe und Geld: Was Verheiratete häufig unterschätzen

Dieses Merkblatt zeigt Ihnen auf, welche Irrtümer bei Verheirateten besonders verbreitet sind und warum das einschneidende Folgen haben kann.

Beide Ehepartner müssen eigenhändig je ein separates Testament aufsetzen. Jedes Testament muss von Anfang bis Ende von Hand geschrieben und mit Datum und Unterschrift versehen sein. Am besten lässt man sich dabei von einer Fachperson helfen. Denn verletzt ein Testament Formvorschriften oder gesetzliche Rahmenbedingungen, kann es ungültig sein oder vor Gericht angefochten werden.

Tipp: Ihr Testament bewahren Sie sicherheitshalber nicht zu Hause auf, sondern hinterlegen es bei der zuständigen Amtsstelle des Kantons. So könnt Sie sicherstellen, dass es im Todesfall gefunden und berücksichtigt wird.

Irrtum 3: Wenn ich sterbe, bekommt mein Partner alles

Nein, das ist nicht zwingend richtig. Meist braucht es dafür ein Testament oder einen Erbvertrag. Und auch dort ist man nicht völlig frei, wem man sein Geld vererben will. Es gibt sogenannte Pflichtteile, also die Anteile am Erbe, auf die Kinder, Ehepartner, eingetragene Partner und Eltern im Minimum Anspruch haben.

Mit der Erbrechtsrevision, die am 1. Januar 2023 in Kraft tritt, hat man in Zukunft aber mehr Freiheiten. Denn mit dem neuen Erbrecht wird der Pflichtteil der Kinder gesenkt und jener der Eltern ganz gestrichen. So kann man seinem Ehepartner mehr vererben. Mehr zur Erbrechtsrevision und ihren Auswirkungen erfahren Sie im kostenlosen Merkblatt.

Unter Umständen reicht das aber immer noch nicht, damit im Todesfall der überlebende Partner den bisherigen Lebensstandard weiter finanzieren kann. Ehepaare sollten deshalb gemeinsam mit einer Fachperson prüfen, wie sie sich bestmöglich gegenseitig begünstigen.

Irrtum 4: Falls mir etwas passiert, entscheidet mein Partner

Das ist nicht in jedem Fall so. Kann jemand zum Beispiel wegen eines Unfalls oder einer schweren Krankheit nicht mehr selbst entscheiden, kommt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) ins Spiel. Wer nicht möchte, dass im Notfall die Behörde entscheidet, sollte einen Vorsorgeauftrag verfassen, solange er urteils- und handlungsfähig ist. Dort kann man festlegen, wer einem in einem solchen Fall vertreten soll, also etwa der Ehepartner.

Haben Sie Fragen? Bestellen Sie das kostenlose Merkblatt zur Ehe für alle. Oder sprechen Sie mit einer Fachperson im VZ in Ihrer Nähe.