Geldanlagen

Die US-Wirtschaft überrascht wieder positiv

Was diese Woche die Börsen bewegt – Ausgabe vom 24. November

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Die positiven Anzeichen der amerikanischen Wirtschaft mehren sich. Seit ein paar Wochen zeigt der von der Citigroup erhobene amerikanische Economic Surprise Index einen starken Anstieg im positiven Territorium an. Dieser Index misst, wie stark die tatsächlichen makroökonomischen Daten sich mit den Erwartungen der Finanzanalysten vergleichen. Ist der Index positiv, ist der reale Wert über den Erwartungen ausgefallen – und ist somit eine positive Überraschung.

Das kann als gutes Signal für die Wirtschaft und damit auch für die Finanzmärkte gewertet werden. Denn die Daten zeigen, dass die Verfassung der US-Volkswirtschaft sehr solide und sehr breit abgestützt ist. Zuvor hatten aufkommende Schwierigkeiten wie die steigende Inflation oder die Lieferengpässe zwischen Frühling und Sommer zu einem deutlichen Einbruch des Index geführt. Nun zeigt sich, dass sich vor allem das Problem der Lieferengpässe sich allmählich abschwächen könnte. Hervorheben lässt sich der US-Einzelhandel, der im Oktober eine äusserst starke Entwicklung zeigte. Die Kauflaune bei den amerikanischen Konsumenten bleibt trotz Inflation stark. Möglicherweise wurden Weihnachtseinkäufe aus Angst vor weiter steigenden Preisen früher getätigt als in den Vorjahren. Auch die Industrieproduktion zeigte Stärke. Der Output stieg im Oktober um 1,63 Prozent an. Damit wurden die Erwartungen um fast das Doppelte übertroffen. Noch bleibt allerdings abzuwarten, ob sich die allgemeine positive Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzt.

Positive Zeichen aus China: Die jüngsten Wirtschaftszahlen aus China deuten auf eine Normalisierung hin. So lag das Wachstum der Industrieproduktion im Oktober mit 3,5 Prozent deutlich über den Erwartungen. Auch bei den Einzelhandelsumsätzen wurde mit einem Plus von 4,9 Prozent die Marktvorgaben übertroffen. Damit ist Chinas Wirtschaft nach dem scharfen Einbruch im vergangenen Jahr und der schnellen Erholung in den vergangenen Monaten wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt. Risikofaktoren bleiben der fragile Immobilienmarkt, wo die Probleme von Evergrande noch nicht gelöst sind, steigende Energiepreise sowie Corona-Ausbrüche, gegen die mit drastischen Massnahmen vorgegangen wird. Es wird deshalb wahrscheinlicher, dass die chinesische Regierung oder die Notenbank Massnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft ergreifen wird.

Mehrere Länder zapfen Ölreserven an: In einer noch nie zuvor gesehenen konzertierten Aktion werden die USA gemeinsam mit China, Japan, Indien, Südkorea und Grossbritannien Rohöl aus strategischen Reserven in den Markt abgeben. Alleine aus den US-Reserven fliessen dem Markt 50 Millionen Fass zu. Allerdings brachte diese Ankündigung vom Dienstag die Ölpreise nur kurz unter Druck. Die Notierung für ein Fass Öl (159 Liter) der Sorte Brent liegt weiterhin über 80 US-Dollar.          

Powell soll Chef der US-Notenbank bleiben: Der amerikanische Präsident Joe Biden nominiert den amtierenden Notenbankchef Jerome Powell für eine zweite Amtszeit. Der Senat – und natürlich auch Powell selbst – müssen der Nominierung noch zustimmen. Das dürfte aber eine reine Formalität sein. Diese Nachricht der Kontinuität an der Fed-Spitze trieb jedoch die Renditen der US-Staatsanleihen nach oben. Marktteilnehmer befürchten, dass unter Powell die Zinsanhebung etwas früher umgesetzt werden könnte. Mit dem ersten Zinsschritt wird schon für Juli kommenden Jahres gerechnet.