Geldanlagen

Die EZB will ihren Leitzins erhöhen – Die SNB handelt schon jetzt

Erstmals seit elf Jahren will die Europäische Zentralbank die Zinsen nach oben anpassen. Im Juli wird die erste Erhöhung von 25 Basispunkten umgesetzt, weitere sollen folgen.

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Der Grund für den Kurswechsel der EZB: die hohe Inflation in der Eurozone. Jüngst hat die Notenbank ihre Prognosen deutlich angepasst. Für das laufende Jahr rechnet sie nun mit einer Teuerung von 6,8 Prozent (Grafik).

Ein signifikanter Rückgang auf 3,5 Prozent dürfte zwar bereits nächstes Jahr folgen, liegt aber auch dann noch über dem EZB-Ziel von 2 Prozent.

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Schweizerische Nationalbank hebt den Leitzins deutlich an

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Am Donnerstagmorgen (16. Juni) kündigte die Schweizerische Nationalbank (SNB) an, den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent zu erhöhen. Es sei nicht auszuschliessen, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden, hiess es zudem von der SNB. Die SNB will so gegen die Inflation vorgehen. Der Schweizer Aktienmarkt reagierte mit einem Taucher auf die SNB-Ankündigung. Der Franken erstarkte deutlich.

Hohe Inflation in den USA – Fed reagiert mit Zinsschritt

Die von immer höheren Preisen gebeutelten Amerikaner bekommen keine Verschnaufpause. Im Gegenteil: Die Teuerungsrate stieg im Mai auf 8,6 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Das ist der höchste Stand seit Dezember 1981. Im April lag die Teuerungsrate noch bei 8,3 Prozent. Ökonomen hatten aber mit einer leichten Entschärfung der Lage gerechnet. Die höheren Energiekosten und die Materialengpässe treiben die Preise jedoch weiter an. Der erneute Anstieg der Inflation schürte Spekulationen auf ein anhaltend hohes Zinserhöhungstempo der Fed. Die Kurse an den Anleihen- und Aktienmärkten reagierten entsprechend negativ. Denn die jüngsten Daten geben zusätzlichen Druck auf die US-Notenbank, beherzt gegen die Inflation vorzugehen. Sie hatte im März erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie die Leitzinsen angehoben. In ihrer Sitzung am Mittwoch, 15. Juni entschied die Fed dann, den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte zu erhöhen. Damit liegt der Leitzins nun in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent.

Bitcoin im Sturzflug

Die Hoffnung, Kryptowährungen könnten einen Schutz gegen höhere Inflation bieten, zerschlägt sich immer mehr. In den letzten Wochen ist etwa der Preis der bekanntesten Digitalwährung Bitcoin stark eingebrochen. Jüngst ging es noch weiter nach unten. Mit etwas mehr als 20'000 US-Dollar notierte der Bitcoin derzeit so niedrig wie seit rund eineinhalb Jahren nicht mehr. Zur Erinnerung: Vergangenen November kostete ein Bitcoin noch knapp 69'000 US-Dollar. Auch andere Kryptowährungen wie Ether notieren mittlerweile deutlich tiefer. Die hohe Teuerung und Ängste über die Zinswende in den USA reissen die Kryptowährungen derzeit in den Abgrund. Dazu kommen verunsichernde Berichte, dass der Krypto-Kreditgeber Celsius Network Abhebungen und Transaktionen zwischen Konten pausiert habe. Offenbar haben die Kunden derzeit keinen Zugang zu ihren Bitcoins, berichten US-Medien.

OECD korrigiert Wachstumsprognosen deutlich nach unten

Eigentlich hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung damit gerechnet, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr um 4,5 Prozent wächst. Das prognostizierte sie im vergangenen Dezember. Nun musste die Organisation ihre Prognosen aber nach unten anpassen. Die OECD blickt wegen des Ukraine-Kriegs und dessen Folgen deutlich skeptischer auf die globale Konjunktur. Neu prognostiziert sie ein Wachstum von drei Prozent. Für 2023 wird ein Wachstum von 2,8 Prozent statt – wie bislang prognostiziert – von 3,2 Prozent erwartet. Die Inflationserwartungen wurden dagegen deutlich angehoben. In den OECD-Ländern dürfte die Teuerung dieses Jahr auf 8,5 Prozent klettern und im Folgejahr bei 6,0 Prozent abebben, heisst es von der OECD.