Geldanlagen

Die Börsen haben zu grosse Angst vor höheren Zinsen

Die bevorstehenden Zinserhöhungen in den USA haben die Börsen verunsichert. Zu Unrecht, denn gerade in solchen Phasen haben Aktienmärkte oft gute Renditen geliefert. 

Markus Lackner

Leiter Research

Seit die US-Notenbank Fed angekündigt hat, in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2018 den Leitzins zu erhöhen, reagieren die Finanzmärkte mit Verunsicherung. Befeuert wird dies durch die Befürchtung der Anleger, dass sich eine grössere Kurskorrektur an den Aktienmärkten ereignen könnte, wenn die Geldschwemme der letzten Jahre von den Notenbanken zu schnell und zu aggressiv dem Markt entzogen wird.

Allerdings sind solche Sorgen aus historischer Sicht nicht nachvollziehbar. Das zeigt eine VZ-Analyse der letzten neun Zinserhöhungszyklen. In sieben Fällen war die Performance des Weltaktienindex positiv, nur einmal musste der Aktienmarkt deutliche Verluste hinnehmen.

Allerdings handelt es sich dabei um einen Sonderfall. Im Zeitraum von 1972 bis 1974 wurden nicht nur die Zinsen erhöht, sondern es herrschte zugleich die erste Erdölkrise, begleitet von einer starken Inflation von über 12 Prozent und einer zweijährigen Rezession. Ein solches Umfeld lässt sich mit heute in keiner Weise vergleichen.

Im Gegensatz dazu legten die Aktienmärkte in den Zeiträumen von 1986 bis 1989 und 2004 bis 2007 – die Zeit vor der globalen Finanzkrise – rund 15 beziehungsweise fast 13 Prozent zu. Im langfristigen Vergleich sind dies deutlich überdurchschnittliche Renditen.

Die Angst, dass wir eine grosse und längere Aktienmarktkorrektur sehen werden, scheint also unbegründet zu sein. Denn die Konjunkturlage in den USA ist sehr solide, und die robusten Unternehmensbilanzen stellen eine stabile Ausgangslage dar, damit die Fed die geldpolitische Normalisierung einleiten kann.

Dazu kommt, dass die Notenbank heute viel transparenter und damit berechenbarer kommuniziert. Damit sind die Finanzmärkte viel besser auf die kommenden Schritte vorbereitet. Auch das macht einem substanziellen und anhaltenden Einbruch der Aktienkurse unwahrscheinlich.

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