Geldanlagen

Der Finanzmarkt erwartet eine Entspannung an der Zinsfront

Seit Monaten gehen die Zinsen in die Höhe – seit kurzem auch in der Schweiz. Doch nun mehren sich die Zeichen, dass zumindest in den USA der Höchststand bei den Zinsen bald erreicht werden könnte. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) zeigt sich sehr entschlossen, die hohen Teuerungsraten zu bekämpfen. Vergangene Woche hat sie die Zinsen unüblich stark um 0,75 Prozentpunkte erhöht – bereits zum zweiten Mal in Folge. Da ein üblicher Zinsschritt 0,25 Prozentpunkte beträgt, spricht man hierbei von einem dreifachen Schritt. Nun liegt das Zielband für die Leitzinsen bei 2,25 bis 2,50 Prozent. Damit erreicht das Zinsniveau den Höchststand des letzten Zinserhöhungszyklus von 2018.

Trotz des hohen Tempos der Fed, die Zinsen in die Höhe zu treiben, erwartet der Markt schon bald eine deutlich Entspannung. Wie Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg zeigen, geht der Markt davon aus, dass die Zinsen Ende Jahr bei 3,25 Prozent den Höchststand erreichen. Danach senkt die Fed – so wie Erwartungen – die Zinsen allmählich wieder.

Allerdings weichen diese Prognosen noch deutlich von jenen der US-Notenbank ab. Die Fed stellt nach dem Jahreswechsel 2022/23 weitere Zinserhöhungen auf 3,75 Prozent in Aussicht. Grund für den anziehenden Optimismus unter den Anlegern sind Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell, der vergangene Woche anlässlich der Zinssitzung die Möglichkeit erwähnt hatte, dass sich das Zinserhöhungstempo verlangsamen könnte.

Als direkte Reaktion fielen die längerfristigen Zinssätze leicht zurück. Das zeigt sich am Beispiel der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen: Diese sind innerhalb Monatsfrist von 3,1 auf rund 2,7 Prozent zurückgekommen. Im Nachgang der Aussagen von Powell wird nun davon ausgegangen, dass die Fed bei ihren nächsten zwei Zinssitzungen im August und September je einen Schritt von 0,50 und 0,25 Prozentpunkten machen will.

Allerdings werden künftige Zinsentscheide von den Daten abhängig sein – also primär von der Entwicklung der Teuerungsraten sowie der Wirtschaftsentwicklung. Aus diesem Grund verzichtet die Fed auf die sogenannte Forward Guidance – das verbale Lenken der künftigen geldpolitischen Absichten.

Deshalb wird sich erst im September zeigen, ob der Optimismus des Marktes erfüllt wird. Denn dann wird die US-Notenbank ihre neuen Prognosen publizieren und damit Hinweise für den weiteren Leitzinspfad geben.

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Teuerungsrate in der Schweiz bleibt stabil

Die Inflation in der Schweiz ist im Juli nicht weiter angestiegen. Die Jahresteuerung von 3,4 Prozent verharrt aber auf dem Wert des Vormonats. Das liegt im Rahmen der Erwartungen. Diese hatten mit einer Zunahme der Inflation zwischen 3,0 und 3,7 Prozent gerechnet. Zu den höheren Preisen haben vor allem Importgüter beigetragen, die sich um 8,4 Prozent verteuert haben. Im Vergleich zum Ausland liegt die Teuerung in der Schweiz immer noch auf relativ tiefem Niveau. In der Eurozone lag die Inflation zuletzt bei 8,9 Prozent, in den USA bei 9,1 Prozent.

Immobilienpreise steigen weiter

Trotz der unerwarteten Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Juni sind die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen im Juli weiter gestiegen. Während Einfamilienhäuser sich 0,2 Prozent verteuerten, betrug der Anstieg bei den ausgeschriebenen Eigentumswohnungen 0,7 Prozent.

US-Börse mit bestem Juli seit über 80 Jahren

Nach einem schwachen ersten Halbjahr haben die Börsenkurse im Juli zu einer Erholungsrally angesetzt. Der marktbreite S&P-500-Index hat innert Monatsfrist 9,1 Prozent an Wert gewonnen. Dies ist gemäss Datenanbieter Dow Jones der kräftigste Juli-Anstieg seit 1939. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index ist gar um 12,1 Prozent gestiegen. Der Grund für die Aufhellung an den Finanzmärkten sind die besser als erwartet ausgefallenen Halbjahreszahlen vieler Unternehmen. Der Markt akzeptiert aber auch das beherzte Vorgehen der US-Notenbank. Mit den zuletzt starken Zinserhöhungen gibt es nun Raum zu weniger ausgeprägten Zinsschritte in den kommenden Monaten.