Geldanlagen

Das muss man zur Geldpolitik der Notenbanken wissen

Die grossen Notenbanken haben angefangen, die Zinsen schrittweise zu erhöhen. Doch sie verfügen über weitere Instrumente, um die Geldpolitik zu steuern. Ein Erklärstück. 

Nino Zebiri

Anlageexperte
Publiziert am
27. Juli 2022

Die Zentralbanken legen auch im Sommer keine Pause ein: Im Juni hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent erhöht. Auch die bislang sehr zurückhaltende Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte in der vergangenen Woche erstmals seit elf Jahren wieder die Leitzinsen. Und am Mittwoch hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einen weiteren Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten bekanntgegeben.

Der Grund dafür ist, dass mit den aktuell erhöhten Inflationsraten die Notenbanken ihre expansive, wirtschaftsunterstützende Geldpolitik nicht mehr fortführen können. Denn dies würde die bereits stark angestiegene Inflation weiter nach oben treiben. Daher erfolgte bei den Notenbanken in den vergangenen Monaten ein Umdenken.

Doch was heisst das genau? Nachfolgend erklären wir ein paar Begriffe, die im Zusammenhang mit Notenbanken immer wieder fallen.

Leitzinsen

Leitzinserhöhungen und -senkungen sind ein klassisches Instrument der Notenbanken, um die Geldpolitik zu steuern. Steigen die Zinsen, wird es für die Geschäftsbanken teurer, neues Geld bei ihrer Notenbank auszuleihen. Diese geben die höheren Kosten an die Kunden weiter. Entsprechend sinken die Anreize in der Privatwirtschaft, Kredite zu beziehen. Gleichzeitig werden Anlagen, die wie Obligationen eine Verzinsung beinhalten, interessanter. Gesamtwirtschaftlich haben Zinserhöhungen das Ziel, die Konjunktur abzukühlen und die Teuerungsrate zu senken. In einem solchen Umfeld steigt die Sparrate, während die Neigung zum Investieren eher sinkt.

Mindestreservesätze

Ein weiteres Instrument sind die Mindestreservesätze, die Geschäftsbanken als Sicherheit hinterlegen müssen. Dieses Geld steht den Banken dann nicht zur Kreditvergabe zur Verfügung. Erhöht die Notenbank den Mindestreservesatz, wird die Geldmenge im Umlauf reduziert. Dies kann beispielsweise zur Senkung einer Inflation beitragen.

Offenmarktgeschäfte

Seit der Finanzkrise 2007/2008 sind die Notenbanken zunehmend in Offenmarktgeschäften aktiv. Darunter versteht man den Kauf von Wertpapieren unmittelbar bei den Geschäftsbanken oder über die Börse. Dabei haben die Notenbanken insbesondere Staatsanleihen von insolvenzbedrohten Staaten gekauft, um diese zu unterstützen. Für die betroffenen Staaten wäre es sonst schwierig geworden, am freien Markt Kredite mit einem moderaten Zins zu erhalten.

Somit wurde Wirtschaft dieser Staaten gestützt, aber auch die Geldmenge ausgeweitet. Je nach Währungsraum haben die Notenbanken andere Ziele. Ein Ziel ist die Sicherstellung einer Preisstabilität mit tiefer Inflationsrate. Hinzu kommt die Unterstützung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes, sofern dies nicht dem Inflationsziel entgegensteht.

Für Vorsorgesparer ändert sich trotz der Entscheidungen erstmal nichts, solange die Inflationsraten über den Zinsniveaus bleiben. Denn dadurch bleiben die Realrenditen (Zinsen minus Inflation) negativ und das eingesetzte Kapital verliert an Kaufkraft. Daher ist ein breit gestreutes Anlageportfolio mit Aktien, Obligationen und Immobilien sinnvoll. Sämtliche Anlageklassen lassen sich mittels passiver Anlagefonds, wie beispielsweise ETF, günstig und transparent umsetzen.

Wie Sie den richtigen ETF und Indexfonds finden, können Sie dem kostenlosen Merkblatt „Die Auswahl des richtigen ETF“ entnehmen.

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