Geldanlagen

Chinas Wirtschaft präsentiert sich in olympischer Form

Noch liegt das chinesische Wirtschaftswachstum über der Vorgabe der Regierung. Doch bereits dieses Jahr droht ein Rücksetzer – trotz den Olympischen Winterspielen. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Gut zwei Wochen vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Beijing wartet das chinesische Statistikamt mit positiven Nachrichten auf. Das Wirtschaftswachstum des Reichs der Mitte belief sich im abgelaufenen Jahr auf 8,1 Prozent.

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Das liegt deutlich über den staatlichen Zielsetzungen. Diese gehen von einer jährlichen Veränderung der nationalen Wirtschaftsleistung von 6 Prozent aus. Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte China ein deutlich höheres Wachstum des Bruttoinlandprodukts angestrebt. In den Jahren vor und nach der Finanzkrise hatte die Wachstumsrate noch im zweistelligen Bereich gelegen.

Damals hatte sich die Regierung auf den Standpunkt gestellt, dank hohem Wachstum einen stabilen Arbeitsmarkt zu gewährleisten und das erhebliche Wohlstandsgefälle zwischen Stadt- und Landbevölkerung zu verringern.

Inzwischen hat die Regierung jedoch ihre Ambitionen reduziert. Der im Frühling 2021 gestartete Fünfjahresplan sieht nunmehr ein Wachstumsziel von über 6 Prozent vor. Mit der Abkehr vom kurzfristigen Wachstum soll der Fokus verstärkt auf langfristige und strukturelle Veränderungen wie die technologische Innovation und einem verstärkten ökologischen Wachstum gelegt werden. Obschon 2021 deutlich über den Vorgaben abgeschnitten hat, dürfte sich die wirtschaftliche Situation bereits dieses Jahr eintrüben.

Die OECD prognostiziert für 2022 und 2023 ein Wirtschaftswachstum von 5,1 Prozent, was deutlich unter der Zielsetzung liegt. Ein zusätzliches Hindernis ist die Omikron-Variante, die erst jetzt in China angekommen ist. Sollte die Regierung die Null-Covid-Strategie durchziehen, dürften in den kommenden Wochen weiterhin lokale Lockdowns die Wirtschaft hemmen.

Es gibt jedoch bereits erste Anzeichen, dass die Regierung ihre Zurückhaltung bezüglich wirtschaftlicher Stimuli aufgibt, um das Wachstum zu stützen. So hat die chinesische Notenbank mit der stärksten Zinssenkung seit fast zwei Jahren reagiert, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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Gewinnerwartungen erneut erhöht

Der Gewinnausblick für die US-Unternehmen ist seit November erneut höht worden. Für das abgelaufene Geschäftsjahr, über das die Firmen in den kommenden Wochen berichten, liegt das erwartete Gewinnwachstum nun bei 47 Prozent. Auch für die Jahre 2022 und 2023 werden substanziell höhere Unternehmensgewinne prognostiziert. Derzeit liegt die Gewinnerwartung für 2023 gut 10 Prozent über jener für 2022. Das hiesse, dass die Gewinne um mehr als 50 Prozent über den Vor-Pandemie-Werten liegen.  

OECD sieht Höhepunkt überschritten

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet in mehreren grossen Volkswirtschaften eine Abflachung der Wirtschaftserholung. Von einer schwächeren Dynamik seien vor allem Kanada, Deutschland, Italien und UK betroffen. In den USA, Japan und dem Euroraum signalisiere der Index ein stabiles Wachstum, obwohl der Höhepunkt der Indikatoren ebenfalls überschritten sei.

Ölpreis-Rally hält an

Anfang dieser Woche sind die Preise für ein Barrel Rohöl (159 Liter) auf den höchsten Stand seit über sieben Jahren gestiegen. Der Grund dafür liegt in einem weiterhin begrenzten Angebot bei gleichzeitig anziehender Nachfrage. Zusätzlich den positiven Preistrend verstärkt haben jüngst Versorgungsunterbrechungen wie etwa in Libyen und Kasachstan.