Geldanlagen

Finanzmärkte schauen über die Teuerung hinweg

Was diese Woche die Börsen bewegt – Ausgabe vom 17. November

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Das Gespenst der Inflation geht um – vor allem in den Vereinigten Staaten und Europa. In den USA hat sich im Oktober die Teuerung weiter aufgeheizt. Der Gesamtindex der US-Konsumentenpreise ist zum Vormonat nochmals deutlich angestiegen und hat die Erwartungen deutlich übertroffen. Auf Jahresbasis liegt die Teuerungsrate bei 6,2 Prozent, dem höchsten Wert seit dreissig Jahren. Auch die Kerninflation, welche die schwankungsanfällige Nahrungsmittel- und Energiekomponente ausschliesst, liegt mit aktuell 4,6 Prozent deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank Fed von 2 Prozent.

Diese Entwicklung klingt jedoch dramatischer, als sie tatsächlich ist. Der Teuerungsanstieg wird von einem anhaltend starken Wirtschaftswachstum begleitet. Dieses kann die Spitzen der Teuerung bis dato gut abfedern. Das gilt auch für den laufenden Monat, der nochmals für einen Anstieg der Teuerung sorgen dürfte. Als Folge davon gibt sich das Fed inzwischen vorsichtiger. Inzwischen geht die Notenbank davon aus, dass sich die Inflation erst nächstes Jahr im Sommer oder Herbst zurückbilden wird. Die Finanzmärkte haben sich bislang von diesen Entwicklungen nicht beirren lassen und zeigten nur wenige Reaktionen auf diese Zahlen. Denn solange das dynamische Wirtschaftswachstum anhält, sind temporär höhere Inflationsraten gut verkraftbar.   

Positive Zeichen aus China

Die jüngsten Wirtschaftszahlen aus China deuten auf eine Normalisierung hin. So lag das Wachstum der Industrieproduktion im Oktober mit 3,5 Prozent deutlich über den Erwartungen. Auch bei den Einzelhandelsumsätzen wurde mit einem Plus von 4,9 Prozent die Marktvorgaben übertroffen. Damit ist Chinas Wirtschaft nach dem scharfen Einbruch im vergangenen Jahr und der schnellen Erholung in den vergangenen Monaten wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt. Risikofaktoren bleiben der fragile Immobilienmarkt, wo die Probleme von Evergrande noch nicht gelöst sind, steigende Energiepreise sowie Corona-Ausbrüche, gegen die mit drastischen Massnahmen vorgegangen wird. Es wird deshalb wahrscheinlicher, dass die chinesische Regierung oder die Notenbank Massnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft ergreifen wird. 

EU erhöht Wachstumsprognose

Die EU-Kommission geht für das laufende Jahr von einer schnelleren Wirtschaftserholung aus als zuvor erwartet. Für 2021 werden die Wachstumsprognosen leicht erhöht. Im Gegenzug dürfte im kommenden Jahr die Zunahme geringer ausfallen – dies als Folge der anhaltenden Lieferengpässe und allfälligen neuen Corona-Wellen. Höher als erwartet dürfte auch die Teuerung ausfallen, allerdings wird sich diese gemäss der Prognose der EU-Kommission im Laufe von 2022 zurückbilden. Für 2023 wird ein weiterer Wachstumsrückgang prognostiziert. Allerdings liegt dieses noch immer über dem Vorkrisenniveau von 2018 und 2019.     

US-Finanzministerin warnt vor Zahlungsausfall

Janet Yellen, die amerikanische Finanzministerin, hat einmal mehr vor dem drohenden Zahlungsausfall der Vereinigten Staaten gewarnt. Dieser könnte ab dem 15. Dezember eintreten, falls die Politik nicht rechtzeitig die benötigten finanziellen Mittel spricht. Andernfalls könnte der Betrieb der US-Regierung nicht mehr finanziert werden.