Bankgeschäfte

"Bankgebühren: Mehr Fairness ist gefragt"

Stefan Meierhans wacht darüber, dass Konsumenten und Konsumentinnen keine missbräuchlichen Preise zahlen müssen. Im Gespräch erklärt er, warum ihm bestimmte Bankgebühren ein Dorn im Auge sind.

Herr Meierhans, immer mehr Bankdienstleistungen, die früher gratis waren, werden mit einem Preisschild versehen. Ist das für Sie als Preisüberwacher eine bedenkliche Entwicklung?

Natürlich freut es niemanden, wenn bestehende Gebühren erhöht werden und neue wie Pilze aus dem Boden schiessen. Die Negativzinsen machen es den Banken schwerer, Geld zu verdienen. Immerhin geben sie die Negativzinsen bis jetzt nicht auf breiter Front an Privatkunden weiter.

Merkblatt

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In diesem Merkblatt erfahren Sie, worauf Sie bei der nachhaltigen Geldanlage besonders achten sollten.

Wann sind Gebühren gerechtfertigt?

Wenn sie angemessen und verhältnismässig sind. Nicht für alle Gebühren sind jedoch plausible Gründe zu erkennen. Hier ist mehr Fairness gefragt!

An welche denken Sie?

Warum soll ich etwas zahlen, wenn ich mein Konto schliesse? Wenn ich meine Mietwohnung kündige, zahle ich ja auch keine Kündigungsgebühr. Richtig teuer kann es werden, wenn man ein Wertschriftendepot zügelt. Heute läuft das praktisch voll elektronisch ab – es braucht nicht einmal eine Briefmarke. Darum verstehe ich, dass Konsumentinnen und Konsumenten denken, dass solche Gebühren vor allem verhindern sollen, dass sie die Bank wechseln. Manchmal ist auch fragwürdig, wie neue Gebühren eingeführt werden.

Können Sie ein Beispiel machen?

Eine Bank verlangt eine Gebühr von 2500 Franken für die Saldierung eines Depots. Darüber hinaus erhebt sie für den Transfer der Wertschriften eine zusätzliche Gebühr für jede Position. Ein anderes Beispiel sind die Gebühren für Schliessfächer, in denen man Wertsachen aufbewahren kann. Einige Bankkunden haben mich über exorbitante Erhöhungen dieser Gebühren informiert.

Was empfehlen Sie?

In einem Konkurrenzmarkt ist es die Aufgabe der Konsumentinnen und Konsumenten, die Kosten konsequent zu vergleichen und das Angebot mit dem besten Verhältnis von Preis und Leistung zu wählen.

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Sind Bankkunden in einer schwachen Position?

Offensichtlich. Wer liest schon alles Kleingedruckte, oder wer kann sich wehren, wenn Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ins Haus flattern? Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat sich der Sache angenommen. Eine gute Adresse bei Problemen mit Banken ist der Schweizerische Bankenombudsmann. Diese neutrale und kostenlose Informationsund Vermittlungsstelle befasst sich mit konkreten Beschwerden gegen Banken mit Sitz in der Schweiz. Auf seiner Website findet sich unter anderem eine gut dokumentierte Sammlung von Fällen. Konsumentinnen und Konsumenten sollten diese Plattformen nutzen.

Zur Person:

Stefan Meierhans wurde in Altstätten SG geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Meierhans studierte Rechtswissenschaften in Basel, Oslo und Uppsala. Nach verschiedenen Tätigkeiten für den Bund und in der Privatwirtschaft wurde er 2008 vom Bundesrat zum Preisüberwacher ernannt.