Tiefe Zinsen: So schützen Sie Ihr Einkommen

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 1.3.2021

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwest- und Westschweiz
beim VZ VermögensZentrum in Basel

Um das Einkommen für den dritten Lebensabschnitt zu sichern, gibt es je nach Alter verschiedene Massnahmen.

Die Zinsen bleiben wegen der Corona-Folgen voraussichtlich noch lange sehr tief. Damit nimmt der Druck auf die Umwandlungssätze der Pensionskassen weiter zu. Bei einigen Kassen liegt dieser Umwandlungssatz, der angibt, wie viel vom angesparten PK-Geld pro Jahr als Rente ausbezahlt wird, in der Realität bei unter 5 Prozent – und damit weit entfernt von den gesetzlich vorgeschriebenen 6,8 Prozent. Und es ist davon auszugehen, dass die Umwandlungssätze weiter sinken werden. Es drohen im dritten Lebensabschnitt also noch grössere Einkommenseinbussen. Je nach Alter gibt es aber eine Reihe von Massnahmen, um besser vorzusorgen und das Einkommen zu sichern.

Massnahmen für 45- bis 65-Jährige

Erwerbstätigen bleibt angesichts der tiefen Zinsen nichts anderes übrig, als mehr in ihre Vorsorge einzuzahlen. Je früher sie beginnen, desto weniger müssen sie jedes Jahr zur Seite legen, um später genug Geld zu haben. Ein Beispiel: Sinkt der Umwandlungssatz von 6 auf 4,75 Prozent, fehlen einem 50-Jährigen 131'580 Franken, wenn er eine Pensionskassenrente von 2500 Franken erhalten will, so wie sie ein 65-Jähriger heute bekommt. Er muss jedes Jahr 7610 Franken zusätzlich sparen – und dabei eine jährliche Rendite von 2 Prozent erzielen – um diese Einbusse zu kompensieren. Viele Pensionskassen sehen zwar Übergangsfristen für Kürzungen vor. Wenn man 55 oder 60 Jahre alt ist, reicht das häufig aber kaum. Anders als den Jüngeren bleibt dieser Altersgruppe wenig Zeit, um Lücken zu schliessen.

Tipp: Beim Sparen sollten Sie mehr Risiken eingehen und einen Teil Ihres Geldes zum Beispiel in günstige Indexanlagen wie ETF investieren. Wer etwa über die letzten 15 Jahre jeden Monat 300 Franken in den Schweizer Leitindex SMI investierte, hat heute rund 95'000 Franken angespart. Auch die Säule 3a sollten Sie mit Wertschriften aufbauen, weil 3a-Konten kaum Zinsen abwerfen. Und nutzen Sie Möglichkeiten, um freiwillig in die Pensionskasse einzuzahlen: etwa aus Erbschaften oder mit Geld, auf das Sie länger nicht angewiesen sind.

Massnahmen bei der Pensionierung

Für die meisten Schweizer gilt, dass der grösste Teil ihres Vermögens in der Pensionskasse steckt. Bei der Pensionierung müssen sie wählen, wie sie dieses Geld beziehen: als Rente oder als Kapital? Dieser Entscheid ist endgültig, und er kann die Lebensqualität im Alter stark beeinflussen. Darum lohnt es sich, gut abzuwägen. Renten sind bis ans Lebensende garantiert. Die Höhe hängt aber vom Umwandlungssatz ab – und der sinkt und sinkt. Mit 6 Prozent wird aus 200'000 Franken Guthaben eine jährliche Rente von 12'000 Franken. Sinkt der Satz auf 5 Prozent, schrumpft die Jahresrente um 2000 Franken. Die Renten sind ausserdem wie der bisherige Lohn vollumfänglich einkommenssteuerpflichtig. 

Wer das Kapital aus der Pensionskasse bezieht, bleibt finanziell flexibler. In den ersten Jahren kann man zum Beispiel etwas Geld abzweigen, um das Haus zu renovieren oder den Kindern einen Erbvorbezug zu geben. Der grösste Teil wird aber angelegt und allmählich verzehrt. Man nutzt das Kapital also, um bis ans Lebensende eine sichere Rente zu erwirtschaften. Was bis zum Tod nicht aufgebraucht ist, gehört der Familie. Oft verbessert das die finanzielle Situation des überlebenden Partners deutlich, sofern man seinen Partner mit einem Testament oder Ehevertrag so weit wie möglich begünstigt hat. Meistens ist der Kapitalbezug steuerlich attraktiver.

Tipp: Immer mehr angehende Pensionierte wählen eine Kombination: Sie beziehen einen Teil als Rente und den Rest als Kapital. Das kann eine gute Entscheidung sein, wenn man die Umwandlungssätze und die Leistungen für den überlebenden Partner sorgfältig vergleicht. Es kann sich lohnen, dass derjenige die Rente bezieht, dessen Pensionskasse den höheren Umwandlungssatz anwendet. Entscheidend ist auch die Lebenserwartung – vor allem, wenn beide Pensionskassen identische Renten und Leistungen für die Hinterlassenen vorsehen. Weil Frauen statistisch länger leben, beziehen sie die Rente meistens länger als gleichaltrige Männer. Sind beide etwa gleich alt, sollte darum eher die Frau die Rente beziehen. Anders ist es, wenn ihre Lebenserwartung aus gesundheitlichen Gründen stark verkürzt ist.

Massnahmen nach 64/65 Jahren

Die Renten aus AHV und Pensionskasse reichen meistens nicht, um im Alter den gewohnten Lebensstil fortzuführen. Die wenigsten haben so viel Vermögen aufgebaut, dass sie die Differenz zum Renteneinkommen allein mit den Erträgen ausgleichen können, die ihr Vermögen abwirft. Darum muss man sein Vermögen im Normalfall so anlegen, dass man es nach und nach verbrauchen kann.

Tipp: Machen Sie einen Finanzplan, um diesen Vermögensverzehr gut zu organisieren. Ein solcher Plan zeigt, wie sich Ihre Ausgaben, Ihr Einkommen und Ihr Vermögen nach 64/65 entwickeln. Auch gibt er Aufschluss darüber, wie viel Geld Sie für die Sicherung Ihres Einkommens bereitstellen müssen und welche Teile Sie längere Zeit nicht dafür benötigen. Diese Gelder können Sie dann längerfristig anlegen, um so eine höhere Rendite zu erzielen.

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