Soll ich eine gemischte Lebensversicherung abschliessen?

Luzerner Zeitung, 8.7.2021

Von Michael Gäumann, Versicherungsspezialist beim VZ VermögensZentrum Zürich

Ich (43, verh., 2 Kinder) will mich und meine Familie absichern und gleichzeitig für meine Pensionierung sparen. Mein Versicherungsberater empfiehlt mir dafür, eine gemischte Lebensversicherung abzuschliessen. Ist das eine gute Idee?

Von solchen Lebensversicherungen ist in der Regel abzuraten. Sie vermischen zwei Dinge: Sparprozess und Risikoabsicherung. Oft ist nicht klar, wie viel tatsächlich für später im Leben angespart wird, wieviel die Absicherung kostet und was als Provision an den Vermittler abfliesst. Das macht es schwierig, verschiedene Offerten miteinander zu vergleichen und das beste Angebot auszuwählen. 

Beliebt sind die gemischten Lebensversicherungen hingegen bei den Versicherern selbst. Aus einem einfachen Grund: Sie können daran sehr gut verdienen. Vom einbezahlten Geld werden meist hohe Provisionen, Risiko- und Verwaltungskosten abgezogen. Diese Kosten fressen einen grossen Teil der Rendite auf. Oftmals erreichen solche Versicherungen deshalb nicht das Sparziel, wie wenn man eine effiziente Geldanlage mit einer separaten Risikoabsicherung kombiniert.

Prämien nicht offen gelegt

Das zeigt auch der folgendeVergleich aus der Praxis unter Annahme einer identischenRendite: Eine Frau entscheidet sich für eine gemischte Lebensversicherung bei einem der grossen Anbieter in der Schweiz. Fortan zahlt sie jedes Jahr 6000 Franken ein. Wieviel davon in die Risikoabsicherung und wie viel in den Spartopf wandert, legt ihr die Versicherung nicht offen.

Nach 20 Jahren bekommt sie 132'196 Franken. Deutlich besser steht sie da.wenn sie Sparen und Risikoschutz trennt. Sie investiert den gleichen jährlichen Betragin einen ETF-Sparplan und in eine separate Risikoversicherung. Pro Jahr fliessen 308 Franken in die Risikoabsicherung und 5692 Franken in den Sparplan. Nach 20 Jahren hat sie 157'535 Franken angespart; über 25'000 Franken mehr als bei der Versicherungslösung. Wie kommt es zu dieser Differenz? Beide Variantengehen von 3 Prozent Rendite aus. Die wichtigsten Gründe für den grossen Unterschied sind die hohen Provisionen sowie Risiko- und Verwaltungskosten der gemischten Lebensversicherung. Das sind genau die Faktoren, welche man in den Versicherungspolicen meistens vergeblich sucht.

Versicherungsschutz und Sparen strikt trennen

Deshalb sollte man Versicherungsschutz und Sparen strikt trennen. Das geht so: Erstens schliesst man eine reine Risikoversicherung ab, mit der man sich und seine Familie für alle Fälle absichert. Zweitens organisiert man das Vorsorgesparen über die Bank. Dort kann man sich zwar auch für ein 3a-Konto entscheiden. Diese Konten werfen aber kaum noch etwas ab. Besser fährt man längerfristig mit ETF-Sparplänen. Mit so einer 3a-Wertschriftenlösung nimmt man kurzfristig zwar mehr Risiko in Kauf, weil der Wert des Guthabens schwanken kann. Dafür erzielt man langfristig meistens aber mehr Rendite als mit dem 3a-Zinskonto bei der Bank.

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