Ein Ferienhaus? Ja, aber ...

Display, 1.4.2021

Vom LGBT-Team vom VZ VermögensZentrum

Die schönste Zeit des Jahres in der eigenen Ferienresidenz verbringen – das wünschen sich viele. Der Kauf eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung will aber gut überlegt sein.

Gerade in der Frühlingszeit spielen viele mit dem Gedanken, sich ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung zu kaufen. Und die Reisebeschränkungen haben gezeigt, dass es durchaus Vorteile haben kann, wenn man einen festen Zweitwohnsitz in den Schweizer Bergen hat, in den man sich zurückziehen kann, falls man eine Auszeit braucht oder einfach mal im Grünen Durchschnaufen möchte. Wie auch immer der Grund lautet, wichtig ist: beim Kauf eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung nichts überstürzen. Denn das könnte einem später die Ferienfreude gründlich verderben.

Zunächst einmal gilt es zu beachten, dass die Finanzierungsrichtlinien der Banken beim Kauf von Ferienobjekten strenger sind als sonst. Das hat auch seinen Grund: Denn wenn das Geld knapp wird, gehört das Chalet zum Ersten, von dem man sich trennt – notfalls sogar unter dem Anschaffungspreis. Und das gefällt der Bank natürlich überhaupt nicht. Deswegen vergeben die meisten Institute nur eine Hypothek bis 50 oder 60 Prozent des Kaufpreises statt der üblichen 80 Prozent. Den Rest muss man mit eigenen Mitteln finanzieren. Dabei kann man aber nicht auf die Guthaben in der Pensionskasse und in der Säule 3a zurückgreifen. Denn diese lassen sich nur für ein Eigenheim vorzeitig beziehen, nicht aber für Ferienobjekte. 

Bei der Tragbarkeit gelten aber grundsätzlich dieselben Regeln wie für Eigenheime: Hypothekarzinsen, Amortisationen sowie Unterhaltskosten dürfen auch dann ein Drittel des Bruttoeinkommens nicht übersteigen, wenn die Zinsen auf fünf Prozent steigen.

Kosten werden unterschätzt

Auch wenn es scheinbar trivial klingt: Ein Ferienhaus verursacht laufende Kosten – und die sind höher als die meisten denken. Viele unterschätzen das. Ist die Liegenschaft schon etwas älter oder in einem schlechten Zustand dann lass den Renovations- und Unterhaltsbedarf unbedingt von einer Fachperson abschätzen.

Bei einer Ferienwohnung ist zudem wichtig, dass du vor dem Kauf prüfst, ob der Erneuerungsfonds ausreichend gefüllt ist. Wenn bei teuren Sanierungen von gemeinschaftlichen Teilen des Hauses wie etwa der Fassade, des Dachs oder der Heizung zu wenig Geld im Fonds ist, können Eigentümer zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Da kann schnell ein schöner Batzen zusammenkommen, der deine Finanzen kräftig durcheinanderwirbelt.

Lies vor dem Kauf einer Ferienwohnung auch das Reglement der Stockwerkeigentümergemeinschaft und die Protokolle der bisherigen Eigentümerversammlungen durch. Im Reglement steht, wie die Unterhaltskosten verteilt sind und welche Mehrheiten bei Abstimmungen an Eigentümerversammlungen gelten.

Bleib realistisch

Viele gehen davon aus, dass sie einen grossen Teil der Kosten ihrer Ferienwohnung oder ihres Ferienhauses durch die Vermietung wieder reinholen können. Das gelingt allerdings nur in den wenigsten Fällen. Eine grosse Nachfrage und attraktive Mieterlöse gibt es meist nur wenige Wochen im Jahr während der Hauptsaison – also genau zu der Zeit, in der du die Wohnung oder das Haus selber nutzen möchtest. Damit bleibt nur noch die Nebensaison für die Vermietung. Und da ist die Nachfrage schwach.

Hier liegt ein Grund, weshalb viele mit ihrem Feriendomizil auf die Dauer auf keinen grünen Zweig kommen: sie machen sich unreal istische Vorstellungen von den Einnahmen. Wer eine Ferienimmobilie kauft, sollte dies tun, um seine freie Zeit dort zu geniessen – und nicht, um damit Geld zu verdienen. Denn das rechnet sich nach Abzug aller Kosten in den meisten Fällen nicht.

An die Zukunft denken

So eine Investition ist eine anspruchsvolle Angelegenheit und birgt einige Risiken. Wer die Fallstricke bei einem Immobilienkauf nicht kennt, kann sich viel Ärger einhandeln. Deshalb mache dir zusammen mit deinem Partner auch Gedanken, was mit dem Ferienhaus oder der Ferienwohnung passieren soll, wenn es zu einer Trennung kommt oder wenn einer von euch beiden stirbt oder invalid wird. Das Einkommen reicht in solchen Fällen häufig nicht mehr, um den bisherigen Lebensstandard zu behalten.

Es bietet sich also an, dass ihr vor dem Kauf eure Vorsorgesituation überprüft und euren Nachlass regelt: Wie viel Invalidenrente erhältst du, wie viel erhält dein Freund? Bekommt er eine Rente, wenn du stirbst? Wie viel steht ihm gemäss Erbrecht von deinem Vermögen zu? Wie könnt ihr euch gegenseitig absichern?

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