Was geht am ETF-Markt?

Display, 1.11.2020

Vom LGBT-Team vom VZ VermögensZentrum

ETF erfreuen sich grosser Beliebtheit. Es kommen laufend neue Produkte in den Handel. Zwei starke Trends sind Faktor-ETF und nachhaltige ETF.

Sie stehen bei Anlegern seit einigen Jahren hoch im Kurs: ETF. Das sind Anlagefonds, die wie Aktien an einer Börse gehandelt werden. Speziell ist: Diese Fonds nehmen für sich in Anspruch, die Rendite eines Börsenindexes wie den SMI so genau wie möglich nachzubilden. Dafür "kauft" ein ETF die in dem nachzubildenden Indexkorb enthaltenen Wertpapiere. Aufgrund dieser "buy-and-hold"-Strategie sind Indexfonds in der Regel viel günstiger als aktiv verwaltete Anlagefonds – ein entscheidender Vorteil bei der langfristigen Geldanlage.

Ein relativ starker Trend innerhalb des ETF-Segments sind Faktor-ETF, auch Smart-Beta-ETF genannt. Diese Fonds bilden alternative Indizes nach und bieten damit Lösungsansätze für die Schwachstellen der klassischen, marktgewichteten Indizes. Bei Letzteren kann nämlich die Titelgrösse einen starken Einfluss auf die Indexzusammensetzung haben und damit zu Klumpenrisiken führen. Ein Beispiel: Im Weltaktienindex MSCI World haben die Techwerte Apple, Microsoft, Amazon und Facebook ein relativ grosses Gewicht – und in der Folge die gesamte Anlageregion USA.

Alternative Indizes

Als Alternative zu den verbreiteten marktkapitalisierten Indizes haben in den letzten Jahren verschiedene Indexanbieter vermehrt Faktorindizes lanciert. Diese unterscheiden sich darin, dass die Titel anhand bestimmter Merkmale – sogenannte Faktoren – alternativ gewichtet werden. So verhindern beispielsweise die Size-Faktor-Indizes des MSCI World die Exponierung der Börsenschwergewichte, indem nur Titel mit einer kleineren Marktkapitalisierung berücksichtigt werden. Weitere Faktoren sind etwa Value (günstig bewertete Titel), Momentum (Titel mit einem positiven Trend), Qualität (Titel mit soliden Unternehmenserträgen) und Minimum Volatility (Titel mit niedriger Volatilität).

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Faktoren langfristig eine Zusatzrendite zur Rendite des Gesamtmarktes ermöglichen. Diese Zusatzrendite wird oft als Faktorprämie bezeichnet und kann als Kompensierung für zusätzlich eingegangene Risiken gesehen werden. Sie lässt sich auch mit irrationalen Verhaltensweisen von Investoren – wie zum Beispiel dem Herdentrieb – begründen.

Trend zur Nachhaltigkeit auch bei ETF

Ein klarer Trend am ETF-Markt ist auch das Thema Nachhaltigkeit. ETF, die sich auf nachhaltig positionierte Indizes beziehen, berücksichtigen bei der Titelauswahl meist die Nachhaltigkeitsdimensionen Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung. Diese Kriterien werden unter dem Label ESG (Environmental, Social und Governance) zusammengefasst. ESG-konforme Investitionen setzen also auf Unternehmen, die sich in ökologischen, ethischen und sozialen Belangen vorbildlich verhalten, beispielsweise durch faire Bedingungen für die Angestellten mit anständigen Löhnen und durch das Einhalten von Umweltrichtlinien.

Höhere Rendite

Mittlerweile konnte das Vorurteil aus der Welt geschafft werden, demzufolge Investitionen in nachhaltige Anlagen auf Kosten der Rendite gehen. Es scheint vielmehr das Gegenteil der Fall zu sein. In Studien wurde nachgewiesen, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen einem guten Nachhaltigkeitsprofil einer Anlage und einer höheren Rendite gibt. Dieser Zusammenhang bestätigte sich auch während des Corona-Crashs im Frühjahr, also in einer aussergewöhnlichen Börsenphase.

Obwohl das Angebot an nachhaltig positionierten ETF in den letzten Jahren zugenommen hat, ist es nach wie vor schwierig, ein breit diversifiziertes Portfolio über mehrere Anlageklassen hinweg ausschliesslich mit nachhaltigen ETF umzusetzen. In der Regel empfiehlt sich eine Kombination von ETF auf klassische Indizes und alternative Indizes (wie eben faktorbasierte oder nachhaltige Indizes). Das starke Wachstum von ETF hat allerdings dazu geführt, dass es für Anleger immer wichtiger, aber auch immer anspruchsvoller wird, sich vor dem Kauf seriös und detailliert zu informieren.

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