Der Umwandlungssatz bestimmt die Rente

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 01.05.2020

Von Simon Tellenbach, Geschäftsleiter Firmenkunden beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Umso früher man sich mit seiner Pensionierung auseinandersetzt, desto eher können allfällige finanzielle Lücken verhindert oder allenfalls geschlossen werden.

Umso früher man sich mit seiner Pensionierung auseinandersetzt, desto eher können allfällige finanzielle Lücken verhindert oder allenfalls geschlossen werden. Mit dem Umwandlungssatz wird das angesparte Alterskapital in der Pensionskasse in eine lebenslängliche Rente umgewandelt. Es handelt sich dabei um einen festgelegten Prozentsatz. Für das angesparte Guthaben im Obligatorium (BVG) wird dieser Umwandlungssatz auch Mindestumwandlungssatz genannt und beträgt für 65-jährige Männer und 64-jährige Frauen 6,8 Prozent. Das heisst: Bei einem angesparten Altersguthaben
von 100'000 Franken ergibt dies eine lebenslange Rente von 6800 Franken pro Jahr.

Allerdings: Das obige Beispiel funktioniert nur, wenn die Pensionskasse die Minimalleistungen abdeckt. Gemäss den gesetzlichen Mindestleistungen sind Sparbeiträge auf Lohnteile bis 85'320 Franken in die Altersvorsorge einzuzahlen. Vorsorgelösungen können jedoch höhere Sparbeiträge vorsehen oder auch Lohnteile über 85'320 Franken versichern. Dieser Teil wird der überobligatorischen Vorsorge zugeordnet. Hier bestimmen die Pensionskassen den Umwandlungssatz, weshalb dieser von Einrichtung zu Einrichtung variiert. Bei fast allen Vorsorgeeinrichtungen liegt der Umwandlungssatz der überobligatorischen Vorsorge deutlich unter demjenigen des obligatorischen Teils.

Umhüllende Umwandlungssätze

Die meisten Versicherten verfügen auch über ein überobligatorisches Altersguthaben, weil ihre Pensionskasse bessere Leistungen vorsieht, als gesetzlich gefordert. Zudem werden freiwillige Einkäufe in der Regel im überobligatorischen Guthaben verbucht. Pensionskassen, die mehr als nur die gesetzlichen Leistungen versichern, können statt separaten Umwandlungssätzen für das obligatorische und das überobligatorische Guthaben auch einen sogenannt "umhüllenden Umwandlungssatz" vorsehen, der dann für das gesamte Altersguthaben gilt.

Dieser ist in der Regel tiefer als der gesetzliche Satz von 6,8 Prozent. Die Höhe der Rente muss in so einem Fall aber mindestens der gesetzlichen Rente entsprechen, die sich aus dem obligatorischen
Guthaben ergibt.

Weshalb die Umwandlungssätze sinken

Entscheidend für die Höhe des Umwandlungssatzes sind zwei Dinge: Erstens die statistische Lebenserwartung der Versicherten bei der Pensionierung. Denn schliesslich muss das vorhandene Alterskapital so lange reichen. Und zweitens die zu erwartende Rendite auf dem Kapital. So zahlen Pensionskassen das Geld nur nach und nach aus, um den Rest so lange wie möglich anzulegen. Seit 1985 ist die Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes um knapp 40 Prozent gestiegen.

Demgegenüber wurde der gesetzliche Rentenumwandlungssatz im Obligatorium um nur 5 Prozent gesenkt. Das bedeutet: Um den gesetzlichen Rentenumwandlungssatz von 6,8 Prozent finanzieren zu können, müssen Vorsorgeeinrichtungen mittelfristig eine Rendite von 4,5 Prozent auf dem Deckungskapital erzielen. Doch aufgrund des Tiefzinsumfeldes rechnen die meisten Vorsorgeeinrichtungen mit einer durchschnittlichen Rendite von 2 Prozent. Deshalb werden Erträge der aktiv Versicherten an die Rentner umverteilt. Davon betroffen sind vor allem jüngere Erwerbstätige und gut verdienende Angestellte, deren überobligatorisches Guthaben das obligatorische in der Regel deutlich übersteigt.

Laut einer Studie des VZ VermögensZentrum wurden 2018 insgesamt 7,2 Milliarden Franken umverteilt. 2009 waren es noch 4,8 Milliarden Franken. Diese Kosten tragen die erwerbstätigen Versicherten allein: Sie müssen Abstriche bei der Verzinsung ihrer überobligatorischen Guthaben in Kauf nehmen.

Tiefgreifende Folgen

Die Umverteilung führt dazu, dass die Rentenumwandlungssätze weiter sinken. Was dies für künftige Rentner bedeuten kann, zeigt folgendes Beispiel: Im Vorsorgeausweis eines 58-jährigen Mannes steht, dass er mit 65 Jahren voraussichtlich 650'000 Franken in seiner Pensionskasse angespart haben wird. Würde dieses Guthaben mit dem heutigen Umwandlungssatz der Pensionskasse von 6,4 Prozent in eine Rente umgewandelt, bekäme er 3467 Franken pro Monat.

Doch die Pensionskasse muss ihren Umwandlungssatz in den kommenden Jahren schrittweise auf 5,5 Prozent senken. Die Rente des Mannes schrumpft dadurch auf 2980 Franken. Das ist eine Einbusse von 487 Franken – Monat für Monat. Umso wichtiger ist es deshalb, dass man sich vor dem 55. Altersjahr mit seiner Pensionierung auseinandersetzt. So können allfällige finanzielle Lücken noch rechtzeitig geschlossen werden.

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