Wenn die Provision lockt

Display, 01.03.2020

Vom LGBT-Team vom VZ VermögensZentrum

Geht es um "Retros", handeln die Berater der Grossbanken nicht immer im Interesse ihrer Kunden.

Für Banken ist Vertrauen ein hohes Gut. In den Bankbroschüren heisst es etwa, die Kunden könnten darauf vertrauen, dass ihr Bankberater immer in ihrem Interesse handelt. Schaut man sich allerdings die aktuellen Depotreglemente der Grossbanken an, dann bekommt das Vertrauen einige Kratzer. Ein wunder Punkt sind vor diesem Hintergrund die sogenannten Retrozessionen, oft auch nur Retros oder Kickbacks genannt. Dabei handelt es sich um Provisionen, die eine Bank von einem Produktanbieter erhält, wenn sie dessen Anlageprodukte an ihre Kunden vermittelt.

Das Bundesgericht hatte zwar bereits 2006 entschieden, dass Vertriebs- und Bestandesprovisionen den Kunden gehören. Dennoch widersetzen sich die Banken grossmehrheitlich diesem Entscheid. Bankkunden, die sieh dagegen wehren, kommen selten zu ihrem Recht.

Banken behalten Retros für sich

Die Institute wollen sich diese Einnahmen angesichts der seit vielen Jahren schrumpfenden Bankerträge nicht so ohne weiteres entgehen lassen. Sie sichern sich in dieser Sache in ihren Depotreglementen ab. Dort wird meist in - verklausuliertem Juristendeutsch - erklärt, dass der Kunde mit seiner Unterschrift auf sein Anrecht auf die Weitergabe der Retros verzichtet. Doch damit nicht genug. Die Banken weisen in ihren Depotreglementen explizit darauf hin, dass sie aufgrund der einbehaltenen Provisionen in einem Interessenkonflikt gegenüber ihren Kunden stehen. Denn unter Umständen empfehlen die Bankberater ihren Kunden jenes Produkt, das eine höhere Provision abwirft - und eben nicht jenes, welches für den Kunden am besten wäre.

Aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe müssen die Banken seit diesem Jahr mögliche Interessenkonflikte in ihren Depotreglementen offenlegen. Für die Kunden ist diese neue Transparenz von Vorteil. Denn sie können nun selber nachlesen, ob ihr Bankberater in einem Interessenkonflikt steht.

Ungemütliches Fahrwasswer

Der Verzicht auf die Weitergabe der Reins bringt die Banken in ungemütliches Fahrwasser. Sie geben Gegensteuer, indem sie darauf hinweisen, diesem Interessenkonflikt werde durch "geeignete Massnahmen Rechnung getragen", heisst es beispielsweise. Besser wäre es allerdings, wenn es diesen Interessenkonflikt gar nicht erst gäbe, und die Banken die Retrozessionen freiwillig ohne Wenn und Aber ihren Kunden weitergehen.

Tipp: Überprüfe, wie deine Bank mit Retros umgeht und fordere Transparenz von deinem Berater ein. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und eine Bank zu wählen, die sämtliche Retros transparent ausweist und unaufgefordert ihren Kunden gutschreibt. Denn es geht um dein Geld.

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