Pensionierung: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.04.2020

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwest- und Westschweiz beim VZ VermögensZentrum in Basel

Das Schweizer Vorsorgesystem ist unter Druck: Die Lebenserwartung steigt, die Zinsen verharren auf tiefstem Niveau und der Umwandlungssatz bleibt zu hoch angesetzt.

Viele Pensionskassen senken deshalb die Verzinsung und den Umwandlungssatz bei den überobligatorischen Guthaben. Das betrifft vor allem Personen, die mehr als 85'320 Franken im Jahr verdienen. Umso wichtiger ist es deshalb, die Pensionierung frühzeitig vorzubereiten und folgende sechs Fehler zu vermeiden:

1. Zu späte Planung

Nicht selten beschäftigen sich Erwerbstätige erst kurz vor der Pensionierung mit ihrer Vorsorge. Eine zu späte Planung hat jedoch grosse finanzielle Auswirkungen, weil viele Optimierungsmöglichkeiten bereits frühzeitig eingeleitet werden müssen. Demnach lohnt es sich, eine erste grobe Einschätzung etwa 10 Jahre vor der Pensionierung vorzunehmen. Meistens kann mit ein paar wenigen Veränderungen an der Finanzsituation viel bewegt werden. Etwa fünf Jahre vor der Pensionierung empfiehlt es sich dann, genauer zu planen und eventuell verschiedene Szenarien detaillierter zu prüfen.

2. Fehlender Gesamtüberblick

Bei einer Pensionierungsplanung werden oftmals Einnahmen und Ausgaben auf einem Zeitraster langfristig dargestellt. Jedoch fällt es den meisten angehenden Pensionierten schwer, die gewonnenen Erkenntnisse anschliessend auf die Vermögenssituation zu übertragen und die richtigen Massnahmen einzuleiten. Um einst sorgenfrei in Rente gehen zu können, ist es aber wichtig, das Gesamtvermögen inklusive Liegenschaften und Hypotheken auf die Situation nach der Pensionierung abzustimmen. 

3. Rentenleistung überschätzen

In den meisten Fällen decken die heutigen Rentenleistungen aus Pensionskasse und AHV nicht einmal mehr 60 Prozent des zuletzt bezogenen Erwerbseinkommens. Neben der Pensionskassenrente wird häufig auch die Rente aus der AHV überschätzt. So vergessen viele, dass Beitragslücken oder ein tiefes Jahreseinkommen die Leistungen kürzen: Bereits fünf fehlende Beitragsjahre führen zu einer lebenslangen Kürzung der AHV-Rente um 11 Prozent.

4. Steuervorteile nicht nutzen

Einzahlungen in die dritte Säule und Einkäufe in die Pensionskasse sind für Erwerbstätige die mit Abstand wirkungsvollsten Massnahmen, um die Steuerbelastung zu senken. So können die einbezahlten Beträge in der Regel vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

Die Beträge in die Säule 3a sind aktuell auf 6826 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer keine Pensionskassenbeiträge mehr zahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, maximal 34'128 Franken. Wie viel jemand freiwillig in die Pensionskasse einzahlen darf, geht jeweils aus dem persönlichen Vorsorgeausweis hervor. Dort wird in der Regel das Einkaufspotenzial aufgeführt.

5. Zu spät in die PK eingekauft

Generell lohnen sich Einkäufe in die Pensionskasse am meisten in den Jahren vor der Pensionierung, wenn das steuerbare Einkommen am höchsten ist und das Altersguthaben demnächst bezogen wird. Noch höher ist die Rendite, wenn man sich den Einkaufsbetrag bei der Pensionierung schliesslich auszahlen lässt.

Aber Achtung: Wer mindestens einen Teil seines Pensionskassenguthabens bei der Pensionierung als Kapital beziehen möchte, muss sich bis spätestens drei Jahre vor der Pensionierung einkaufen. Ansonsten müssen die Steuern, die man dank des Pensionskasseneinkaufs gespart hat, nachgezahlt werden.

6. Wohneigentum schützt vor Armut im Alter

Viele Eigenheimbesitzer befürchten, dass die Bank nach der Pensionierung plötzlich die Hypothek kündigt und sie ihr Heim verkaufen müssen. Einige amortisieren deshalb einen Teil ihrer Hypothek mit Vorsorgeguthaben, das mit der Pensionierung zur Auszahlung kommt.

Die Folge: Das Kapital ist anschliessend im Haus gebunden. Zudem verweigern viele Banken aufgrund des tieferen Renteneinkommens die Aufstockung der Hypothek. Allfällige Renovationen oder Pflegekosten können deshalb zu einem finanziellen Engpass führen. Wer also die Hypothek amortisieren möchte, sollte immer eine ausreichende Reserve an flüssigen Mitteln zurückbehalten.

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