Job weg mit 55: Was heisst das für die AHV und Pensionskasse?

gourmet, 7.8.2020

Von Sven Pfammatter, Bereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Laut den Behörden gab es noch nie so viele Kündigungen innert so kurzer Zeit.

Trotz Staatshilfe und Kurzarbeit müssen viele Firmen Angestellte entlassen. Davon sind auch viele ältere Arbeitnehmende betroffen. Die Erfahrung zeigt: Wer mit 55 seine Stelle verliert, bleibt wahrscheinlich längere Zeit arbeitslos. Für die Altersvorsorge kann das gravierende Folgen haben.

Freizügigkeit oder Frühpensionierung?

Damit die Einbussen nicht zu gross werden, muss man rasch entscheiden, was mit der AHV und der Pensionskasse passieren soll. Nur wenige Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, nach der Entlassung versichert zu bleiben – oft zu erschwerten Bedingungen. In der Regel muss man alle Beiträge selbst zahlen, also auch die des Arbeitgebers. Das können sich nur wenige leisten. Den anderen bleibt nichts anderes übrig, als vorzeitig in Pension zu gehen oder das Guthaben zu beziehen, das sie angespart haben. Bei den meisten Pensionskassen kann man sich zwischen 58 und 60 vorzeitig pensionieren lassen. Die AHV kann man ein oder zwei Jahre vor 64/65 beziehen. Das sind die Folgen:

AHV

Bei einem Vorbezug um ein Jahr schrumpft die AHV-Rente um 6,8 Prozent, bei einem Vorbezug um zwei Jahre sind es 13,6 Prozent. Meistens lohnt sich das nur, wenn man von einer verkürzten Lebenserwartung ausgeht. Viele Pensionskassen bieten eine Überbrückungsrente bis 64/65 an. In der Regel muss man diese aber selbst finanzieren oder sich zumindest an den Kosten beteiligen. 

Pensionskasse

Die PK-Rente wird meistens um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr gekürzt. Grund dafür sind die fehlenden Beitragsjahre und Zinsgutschriften. Auch muss die Rente länger ausbezahlt werden, weshalb die Pensionskassen den Umwandlungssatz tiefer ansetzen. Tiefer fallen zudem die Taggelder der Arbeitslosenversicherung aus, weil die Arbeitslosenkasse die Rente als Einkommen anrechnet.

So stellen Sie die Weichen richtig

Wer nach der Entlassung erwerbstätig bleiben möchte, muss das der Pensionskasse schriftlich mitteilen oder eine Anmeldebestätigung der Arbeitslosenkasse vorlegen. Sein PK-Guthaben muss man beim Austritt aus der Pensionskasse auf ein Freizügigkeitskonto oder auf eine Freizügigkeitspolice überweisen, wenn man bis dann noch keine neue Stelle gefunden hat. Ist die Stellensuche erfolglos, bleibt nur noch der Kapitalbezug, denn man kann sein PK-Guthaben nicht mehr als Rente beziehen.

Immerhin: Diesen Bezug kann man bis 70 aufschieben (Frauen bis 69), was aus steuerlichen Gründen sinnvoll ist. Denn die Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten müssen nicht als Einkommen versteuert werden und das Guthaben nicht als Vermögen. Oft kann man noch mehr Steuern sparen, wenn man sein PK-Guthaben auf zwei separate Freizügigkeitskonten überweisen lässt und es dann gestaffelt bezieht.

Alle Optionen für eine Rente prüfen

Wer weiterhin eine Erwerbstätigkeit anstrebt und nicht auf eine Rente verzichten möchte, sollte prüfen, ob ein Anschluss an die "Stiftung Auffangeinrichtung BVG" des Bundes in Frage kommt. Wichtig: Die Anmeldung muss innert 90 Tagen seit der Erwerbsaufgabe erfolgen.

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