Berufsausstieg in Raten: So kann es klappen

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 1.10.2020

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz beim VZ VermögensZentrum in Basel

Viele Erwerbstätige möchten früher aufhören zu arbeiten, wenn sie es sich leisten können. Ein schrittweiser Ausstieg kostet weniger als eine Frühpensionierung und hat auch noch andere Vorteile.

Fast die Hälfte der Erwerbstätigen kann sich vorstellen, nicht bis 64/65 zu arbeiten. Das geht aus einer Umfrage des VZ VermögensZentrums hervor. Erstaunlich ist dabei: Viele tragen diese Idee lange in sich, wagen den Schritt dann aber doch nicht. Als Grund geben sie im Beratungsgespräch oft an, dass eine Frühpensionierung für sie zu teuer sei. Einige hätten auch Mühe, den Beruf auf einen Schlag aufzugeben. Darum spielen immer mehr mit dem Gedanken, "teilzeit" in Pension zu gehen. Günstig ist das zwar auch nicht, aber günstiger, als viele schätzen. Klar ist: Im Alter muss man mit der spitzen Feder rechnen. Meistens reichen die Renten auch bei einer ordentlichen Pensionierung fast nicht mehr aus, um den gewohnten Lebensstandard weiterzuführen. Eine Frühpensionierung verschärft das Problem zusätzlich.

Berufsausstieg in Raten

Wer aber früh plant und genug Geld sparen kann, sollte statt der Frühpensionierung einen Ausstieg in Raten prüfen. Das sind die Vorteile:

  1. Wer Schritt für Schritt aufhört, kann durch die Teilzeitanstellung weiterhin Vorsorgekapital aufbauen und bleibt bis zur definitiven Pensionierung gegen Tod und Invalidität abgesichert. Auch entfallen die zusätzlichen AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige, weil die Beitragspflicht mit dem reduzierten Einkommen in der Regel bereits erfüllt ist.
  2. Die Einkommenlücke lässt sich mit Ersparnissen überbrücken, mit Erbschaften, der Säule 3a und allenfalls mit Geld, das nach Ablauf einer Lebensversicherung ausbezahlt wird.
  3. Vor allem die Säule 3a eignet sich gut. Denn dieses Geld kann man schon fünf Jahre vor dem AHV-Alter beziehen – ohne Angabe von Gründen. Das ist auch steuerlich interessant. Wer die Säule 3a und Guthaben aus der Pensionskasse gestaffelt bezieht, spart meistens viel Geld.

Damit es bei dem Teilausstieg aus dem Berufsleben zu keinen bösen Überraschungen kommt, ist eine frühzeitige Planung empfehlenswert. Dabei sollten Sie folgende Punkte beachten:

Arbeitgeber

Sprechen Sie früh mit Ihrem Arbeitgeber. Viele sind flexibel und haben Arbeitsmodelle für Mitarbeiter, die Teilzeit arbeiten und einen Teil ihrer Verantwortung abgeben möchten.

Bedingungen

Pensionskassen regeln die Teilpensionierung unterschiedlich. Bei vielen kann man seine Ersparnisse ab 58 Jahren beziehen: Prüfen Sie, was für Sie gilt. Wichtig: Die steuerlichen Folgen sind von Kanton zu Kanton anders. In der Infobox sind einige Einschränkungen zusammengefasst.

Budget/Finanzplan

Erstellen Sie ein Budget und auf dieser Basis dann einen umfassenden Finanzplan. Der Finanzplan zeigt, wie sich Ihre Ausgaben, Einnahmen und Ihr Vermögen bis zur Pensionierung und darüber hinaus entwickeln. So wissen Sie, wie viel Sie zusätzlich sparen müssen, um Einkommenslücken zu schliessen. Klären Sie dann, ob Sie Ihre AHV-Rente um ein oder zwei Jahre vorbeziehen wollen, und ob Sie Ihre Guthaben in der Pensionskasse besser als Rente, Kapital oder als Mix aus beidem beziehen. Definieren Sie auch die Ziele für Ihr Vermögen neu: Ab wann müssen Sie das Vermögen kontrolliert verzehren, um Ihr Einkommen zu sichern, und wie viel können Sie von der Substanz für Ihre Erben erhalten?

Vorsorge

Bauen Sie gezielt Vermögen auf. Dafür eignen sich die Säule 3a, ein ausgewogener Aktiensparplan mit kostengünstigen ETF (Exchange Traded Funds) sowie freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse.

Diese Seite teilen