Wie sich die Pensionierung auswirkt

Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2020

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Nordwest- und Westschweiz beim VZ VermögensZentrum in Basel

Mit einer guten Planung kann man die Steuerlast nach dem Berufsleben reduzieren. Die Gretchenfrage dabei lautet: Rente und/oder Kapital?

Viele angehende Rentnerinnen und Rentner glauben zu wissen, dass sie nach der Pensionierung viel weniger Steuern zahlen. Tatsächlich ist es aber so, dass die Steuerbelastung in der Regel nur minimal abnimmt. Die Renteneinkünfte aus AHV und Pensionskasse sind zwar tiefer als das Erwerbseinkommen. Dafür fallen Abzüge weg wie jene für die dritte Säule und die Berufsauslagen. Es lohnt sich deshalb, die steuerbaren Einkünfte und das steuerbare Vermögen im Hinblick auf die Pensionierung zu optimieren.

Unterschiedliche Besteuerung

Für die Steuerplanung ist entscheidend, ob das angesparte Pensionskassenguthaben als Rente oder Kapital ausbezahlt werden soll: Die Rente muss jedes Jahr vollumfänglich als Einkommen versteuert werden. Der Kapitalbezug wird einmalig besteuert. Zwar ist die Auszahlungssteuer auf Kapitalleistungen relativ hoch. Allerdings fällt sie nur einmal an. Die Höhe der Steuer hängt vom ausbezahlten Betrag und vom Wohnort ab. Danach wird das ausbezahlte Kapital Teil des steuerbaren Vermögens, die Vermögenserträge werden als Einkommen besteuert.

Ein Beispiel: Das Pensionskassenguthaben eines 65-jährigen, alleinstehenden Mannes beträgt 500'000 Franken. Dafür erhält er eine Rente von 31'000 Franken pro Jahr. Bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent fallen dadurch jedes Jahr 7750 Franken Einkommenssteuern an. Netto bleibt dem Pensionierten folglich ein Einkommen von 23'250 Franken pro Jahr. Statt die Rente zu beziehen, kann sich der 65-Jährige sein Pensionskassenguthaben auszahlen lassen und es selbst verwalten. Bei der Auszahlung der 500'000 Franken werden je nach Kanton ungefähr 43'800 Franken Steuern fällig. Die restlichen 456'200 Franken legt der Pensionär selbst an und zahlt sich davon jedes Jahr 27'000 Franken aus – bei einer Rendite von durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr. Damit kommt er nach Abzug der Steuern auf ein Nettoeinkommen, das mit der Rente vergleichbar ist. Das Kapital, das am Jahresende übrig ist, wird dem steuerbaren Vermögen angerechnet. Von der jährlichen Wertschriftenrendite von 3 Prozent sind zirka 1,5 Prozent steuerbares Einkommen, die restlichen 1,5 Prozent fallen als steuerfreie Kursgewinne an. Nach 20 Jahren hat der Pensionär in diesem Beispiel rund 76'000 Franken weniger Steuern bezahlt.

Wegweisende Entscheidung

Ob das Pensionskassenguthaben als Kapital oder Rente bezogen wird, sollte aber nicht rein auf steuerlichen Aspekten beruhen. Im Gegenteil: Die Vor- und Nachteile von Rente und Kapital müssen sorgfältig abgewogen werden. Beim Kapitalbezug steht für die Pensionierten oftmals der Wunsch im Vordergrund, die Angehörigen finanziell besser abzusichern. Denn bei der Rente erhalten Witwen und Witwer nach dem Tod des Rentenbezügers in der Regel nur noch 60 Prozent der ursprünglichen Rente. Demgegenüber hat die Rente den Vorteil, dass sie lebenslang garantiert ist. Um von den Vorteilen beider Bezugsvarianten profitieren zu können, entscheiden sich deshalb immer mehr angehende Pensionierte für einen sogenannten Mischbezug. Dabei beziehen sie einen Teil des Guthabens als Kapital und den Rest als Rente. Mit der Rente wird die Existenz bis ins hohe Alter gesichert, während man sich mit dem Kapital jederzeit besondere Wünsche erfüllen kann.

Schweizweit haben sich bereits 18 Prozent der Rentnerinnen und Rentner für einen Mischbezug entschieden, wie die aktuellste Neurentenstatistik des Bundesamtes für Statistik zeigt. 32 Prozent beziehen das Kapital und 50 Prozent die Rente. Konditionen der PK prüfen Laut Gesetz müssen Pensionskassen (PK) den Versicherten mindestens 25 Prozent ihres obligatorischen Altersguthabens als Kapital auszahlen, wenn sie das wünschen. Bei vielen Pensionskassen können die Versicherten frei wählen, welchen Anteil ihres Guthabens sie als Rente und welchen sie als Kapital beziehen möchten. Je nach Pensionskasse muss der Kapitalbezug bis zu drei Jahren im Voraus angemeldet werden. Für Renten - bezüger gibt es in der Regel keine Frist.

Wenn sich Ehepaare für einen sogenannten Mischbezug entscheiden, bezieht oft ein Ehepartner das Kapital und der andere die Rente. In diesem Fall stellt sich die schwierige Frage, wer von beiden besser die Rente bezieht. Dazu sollten die Rentenkonditionen der beiden Pensionskassen genau miteinander verglichen werden.Wie attraktiv ein Rentenbezug ist, hängt unter anderem von der Höhe des Umwandlungssatzes ab. Damit rechnen die Pensionskassen das angesparte Altersguthaben in eine lebenslange Rente uni. Ein tieferer Umwandlungssatz bedeutet in der Regel eine tiefere Rente.

Neben dem Umwandlungssatz spielt bei der Frage, welcher der beiden Ehepartner die Rente und wer das Kapital bezieht, auch die Restlebenserwartung eine wichtige Rolle – vor allem dann, wenn Rentenkonditionen und Hinterlassenen-Leistungen hei beiden Pensionskassen mehr oder weniger identisch sind. Statistisch haben Frauen eine höhere Lebenserwartung als Männer und beziehen folglich länger eine Rente. Sind beide Ehepartner etwa gleich alt, sollte daher eher die Frau die Rente beziehen. Anders verhält es sich jedoch, wenn die Frau aus gesundheitlichen Gründen eine starke verkürzte Lebenserwartung hat.

Diese Seite teilen