Die richtige Absicherung im Konkubinat

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 1.7.2020

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz in Basel

Konkubinatspaare sind sowohl bei den gesetzlichen Versicherungen als auch im Erbrecht deutlich schlechter gestellt als Ehepaare. Das gilt selbst dann, wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind.
Ohne Vorkehrungen kann der hinterbliebene Partner deshalb stark in Bedrängnis geraten.

Besitzen Konkubinatspartner zusammen ein Eigenheim, muss der überlebende Partner unter Umständen das Eigenheim verkaufen, damit er die Erben des Verstorbenen auszählen kann. Wenn ein Einkommen wegfällt, sind häufig auch die Anforderungen der Bank an die Tragbarkeit der Hypothek nicht mehr erfüllt.

Konkubinatspartner sind keine gesetzlichen Erben

Ohne Vorkehrungen zu Lebzeiten kommt die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung. Der hinterbliebene Konkubinatspartner geht in so einem Fall leer aus, weil er nicht wie Ehepartner oder Nachkommen zum Kreis der gesetzlichen Erben gehört. Mit einem Testament oder Erbvertrag können Konkubinatspaare dafür sorgen, dass wenigstens ein Teil des Vermögens ihrem Partner zugute kommt. Wenn ein Partner Kinder hat, sind die Begünstigungsmöglichkeiten ziemlich beschränkt. Der Pflichtteil der Nachkommen beträgt drei Viertel des Nachlassvermögens, so dass man dem Lebenspartner im Testament höchstens einen Viertel zuweisen kann.

Konkubinatspartner ohne Kinder müssen den Pflichtteil ihrer Eltern berücksichtigen. Jedem Elternteil steht ein Viertel des Nachlassvermögens zu. Leben noch beide Elternteile, lässt sich dem Konkubinatspartner also die Hälfte des Vermögens als freie Quote zuweisen. Zwar möchte der Bundesrat im Rahmen der laufenden Erbrechtsrevision den Pflichtteil der Kinder reduzieren und jenen der Eltern sogar ganz streichen. Doch auch wenn der Lebenspartner künftig stärker begünstigt werden kann: Sein Erbe wird durch die Erbschaftssteuern vielerorts stark geschmälert. In einigen
Kantonen zahlen selbst langjährige Konkubinatspartner gleich hohe Steuern wie andere Erben, die mit dem Erblasser nicht verwandt sind.

Strikte Bedingungen für eine Lebenspartnerrente

Stirbt ein Ehepartner, haben die Ehefrau oder der Ehemann in der Regel Anspruch auf Hinterlassenenleistungen der AHV und der betrieblichen Unfallversicherung oder Pensionskasse ihres verstorbenen Partners. Für Konkubinatspartner gilt das nicht. Viele Pensionskassen zahlen dem hinterbliebenen Lebenspartner aber freiwillig eine Rente oder ein einmaliges Todesfallkapital aus. Der überlebende Partner darf allerdings nicht bereits Hinterbliebenenleistungen aus einer früheren Beziehung erhalten.

Zudem müssen je nach Pensionskasse eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • die Lebenspartnerschaft bestand zum Zeitpunkt des Todes mindestens fünf Jahre;
  • der hinterbliebene Partner wurde vom Verstorbenen finanziell erheblich unterstützt;
  • der hinterbliebene Partner hat für gemeinsame Kinder zu sorgen.

Darüber hinaus verlangen Pensionskassen meistens, dass ihnen die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zugunsten des Lebenspartners mittels eines Anmeldeformulars eingereicht hat, oder dass der überlebende Partner seinen Leistungsanspruch innert dreier Monate seit dem Tod des Versicherten anmeldet. Sind nicht alle Bedingungen der Pensionskasse erfüllt, können Konkubinatspartner leer ausgehen.

Begünstigung von 3a- und Freizügigkeitsguthaben

Für Guthaben auf Freizügigkeitskonten und -policen gilt: Konkubinatspartner lassen sich im Todesfall begünstigen, wenn die Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre dauerte, eine massgebliche finanzielle Unterstützung vorliegt oder gemeinsame Kinder vorhanden sind. Die Freizügigkeitsstiftung muss über die Begünstigung informiert werden.

In der Säule 3a kann man seinen Lebenspartner in der Regel auch dann begünstigen, wenn das Konkubinat weniger als fünf Jahre dauert – vorausgesetzt, es sind weder ein Ehepartner noch Kinder vorhanden. Man setzt in diesem Fall den Lebenspartner im Testament als Erben ein und informiert die 3a-Vorsorgestiftung, 3a-Guthaben werden für die Berechnung der Pflichtteile zum Nachlassvermögen des Verstorbenen hinzugezählt.

Gleiches gilt für den Rückkaufswert von gemischten Lebensversicherungen. Verletzt die Auszahlung des 3a-Guthabens bzw. der Lebensversicherung an den Konkubinatspartner Pflichtteile, muss er Ausgleichszahlungen an die Pflichtteilsberechtigten leisten. Das kann vor allem dann passieren, wenn die verstorbene Person ausser des 3a-Guthabens oder der Lebensversicherung kaum Vermögen hinterlässt.

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