Wie kann ich in Gold investieren? Und soll ich überhaupt?

Aargauer Zeitung, 08.11.2019

Von Philipp Hostettler, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Leserfrage: Da die Zinsen im Keller sind und ich der Konjunktur nicht traue, erwäge ich (50, verh.), einen Teil meines Geldes in Gold zu investieren. In welcher Form mache ich dies am besten? Und wie hoch sollte der Goldanteil an meinem Vermögen maximal sein?

In den letzten Wochen und Monaten war Gold so teuer wie seit etwa sechs Jahren nicht mehr. Ein Grund für die stärkere Nachfrage nach Gold ist die geopolitische Grosswetterlage. In Krisenzeiten wie mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China, dem Konfliktherd am Persischen Golf und den Unwägbarkeiten beim Brexit steuern Investoren vermehrt sichere Anlagehäfen an. Gold als Wertaufbewahrungsmittel gilt als ein solcher Hort der Sicherheit. Untermauert wurde das Goldrally aber auch durch fundamentale Faktoren. Eine Schlüsselrolle spielte hier die Talfahrt der Renditen am Anleihemarkt. Dadurch sanken die sogenannten Opportunitätskosten beim Gold. Gemeint ist damit der relative Nachteil von Gold gegenüber anderen Anlagemöglichkeiten wie Anleihen, weil Gold keine Erträge wie Zinsen abwirft und die sichere Aufbewahrung kostet.

Beim Investieren in Gold sind grundsätzlich zwei Formen zu unterscheiden. Einerseits die Investition in physisches Gold, quasi als "Notbatzen" für schlechte Zeiten. Hier steht die Wertaufbewahrungsfunktion von Gold im Mittelpunkt. Dafür eignen sich Goldmünzen, die aus möglichst reinem Gold bestehen, wie etwa kanadische Maple Leaf oder der österreichische Wiener Philharmoniker. Sie sind aus reinem Gold (999,9 Promille) und wiegen genau 1 Unze. Entsprechend sind sie nur minim teurer als der Unzenpreis des Barrens. Der südafrikanische Krügerrand und der American Eagle enthalten auch genau 1 Unze Gold, sind wegen der Beimischung von Kupfer aber etwas schwerer.

Auch beim Goldvreneli liegt der Goldgehalt mit 90 Prozent deutlich tiefer. Ein 10er-Vreneli enthält 2,9 Gramm reines Gold, ein 20er-Vreneli 5,8 Gramm. Für Goldvreneli mit Gebrauchsspuren liegen An- und Verkaufspreis meist rund 10 Prozent auseinander. Beim Kauf von Goldbarren sollte die Stückelung nicht zu klein sein, da z. B. bei 1- oder 5-Gramm-Goldplättchen der Aufpreis hoch ist.

Indirekte Anlage

Eine zweite Form der Goldinvestition ist eine indirekte Anlage, bei der Sie kein physisches Gold kaufen, sondern über diverse Anlageprodukte an der Entwicklung des Goldpreises partizipieren. Dabei sind zwei Faktoren wichtig: Erstens sollte das Anlageprodukt den Goldkurs bestmöglich nachbilden. Zweitens sollten die laufenden Kosten des Anlageprodukts möglichst gering sein. Börsengehandelte Indexfonds, häufig Exchange Traded Funds genannt oder kurz ETF, erfüllen beide Bedingungen. Darum eignen sie sich für Privatanleger vor allem auch
für eine langfristige Geldanlage.

Wie hoch der Goldanteil am Vermögen sein soll, hängt von der jeweiligen Risikobereitschaft des Anlegers ab. Empfehlenswert ist für den Kleinanleger, höchstens 10 Prozent der Anlagesumme als Diversifikation in Gold zu investieren.

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