Was kommt nach dem Libor?

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 01.02.2019

Von Lorenz Heim, CEO HypothekenZentrum AG

In der Schweiz sind an Libor-Sätze gekettete Hypotheken verbreitet. Nun soll der Libor voraussichtlich 2021 weit durch andere Indizes abgelöst werden. Im Interview erklärt Lorenz Heim, was Wohneigentümer diesbezüglich wissen sollten.

Herr Heim, mit Libor-Hypotheken konnte man in der Vergangenheit viel Geld sparen. Nun soll der Libor 2021 offenbar abgeschafft werden. Gibt es künftig nur noch Festhypotheken?

Die Antwort ist klar nein. Es gibt weiterhin einen Markt für kurzfristige Geldanlagen bis zwölf Monate, den sogenannten Geldmarkt. Und solange dieser Markt existiert, wird es auch Hypotheken mit kurzfristigen Zinssätzen geben.

Wie funktionieren denn die heutigen Libor-Hypotheken?

Libor steht für London Interbank Offered Rate, das heisst, die grössten Banken in England melden täglich ihre Zinssätze für verschiedene Währungen und Laufzeiten. Daraus wird ein Durchschnittszins berechnet und als Libor publiziert. Auf diesen Durchschnittszins addiert die Bank- eine Kreditmarge im Bereich von 0,8 bis 1,2 Prozentpunkten, woraus dann der Kundenzinssatz entsteht.

Was wird sich 2021 ändern?

Weil die Banken immer weniger echte Transaktionen im Drei- bis Zwölf-Monatsbereich vollziehen, ist der Libor nicht mehr repräsentativ. Deshalb soll er weltweit durch andere Indizes abgelöst werden. In der. Schweiz haben sich die Banken auf einen Index geeinigt, der auf dem Saron basiert. Saron steht für Swiss Average Rate Overnight, das heisst jenen Zinssatz, den die Banken bei der Schweizerischen Nationalbank erhalten, wenn sie dort ihre Gelder "über Nacht parkieren". Die Herausforderung dabei ist, wie man aus einem "über Nacht"-Zinssatz einen Index für Laufzeiten von drei- oder sechs Monaten bildet.

Welche Ansätze werden diesbezüglich verfolgt?

Der Libor-Nachfolger für Hypotheken wird auf einem "Compounded Saron" basieren, einem durchschnittlichen Tagesgeld-Zinssatz über drei oder sechs Monate. Dadurch steht der Zinssatz aber erst am Schluss einer Zinsperiode fest. Das würde bedeuten, dass am gleichen Tag, an dem der Zinssatz bekannt ist, die Zinsen auch bezahlt werden müssten. Das ist nicht praktikabel. Vorstellbar ist deshalb, dass der Bemessungszeitpunkt für den Index zum Beispiel um einen Monat vorverschoben wird. Festgelegt ist diesbezüglich aber noch nichts.

Das heisst, es gibt noch keine definitive Klarheit über die Nachfolge von Libor-Hypotheken?

Ja, das ist richtig. Und in Anbetracht eines geschätzten Volumens von 150 bis 200 Milliarden an Libor- Hypotheken ist es schwierig zu verstehen,
weshalb sich die neue Lösung so in die Länge zieht.

Wie verhält sich der Libor gegenüber dem Saron?

Ein direkter Vergleich der beiden Zinssätze seit dem Jahr 2000 zeigt,
dass sich diese - ausser in den Finanzkrisen von 2000, 2003 und 2008 -
praktisch identisch entwickelt haben.

Viele HEV-Mitglieder melden, däss ihre Bank Libor-Hypotheken nur noch mit einer Rahmenlaufzeit bis 2021 oder gar nicht mehr anbietet. Was raten Sie ihnen?

Mit einer Rahmenlaufzeit bis maximal 2021 muss man sich wohl oder übel abfinden. Wenn die Bank aber gar keine Libor-Hypotheken mehr anbietet, würde ich mich aktiv nach einer Alternative umsehen. Zwar kosten zwei- bis vierjährige Festhypotheken in vielen Fällen fast gleich wenig wie Libor-Hypotheken, jedoch kann bei einem Zinsanstieg nicht wie bei Libor-Hypotheken täglich in eine langfristige Festhypothek gewechselt werden.

Wie ist das bei der HEV-Hypothek gelöst?

Wir haben seit 2017 eine zusätzliche Klausel in den Verträgen, wonach der Libor als Index durch einen gleichwertigen Zinssatz ersetzt werden kann, wobei auf die Interessen des Kreditnehmers Rücksicht zu nehmen ist. Darum bieten wir weiterhin Libor-Hypotheken für HEV-Mitglieder an.

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