AHV und Pensionskasse: So stark verändern sich Ihre Renten

gourmet, 01.03.2019

Von Raphael Ebneter, Bereichsleiter St. Gallen und Kreuzlingen beim VZ VermögenZentrum 

Die AHV-Renten sind leicht gestiegen, dafür schrumpfen die Leistungen der Pensionskassen weiter. Mit wie viel Geld kann man noch rechnen? Das sind die wichtigsten Fakten.

Erwerbstätige zahlen regelmässig in die AHV und in die Pensionskasse ein. Zusammen mit den Beiträgen der Arbeitgeber werden so Ersparnisse aufgebaut, die einen grossen Teil des gewohnten Lebensstandards sichern sollen. Die Rechnung geht aber je länger je weniger auf.

Fakt 1: Die AHV wird nur an die Teuerung angeglichen

Rentnerinnen und Rentner bekommen seit kurzem etwas mehr AHV. Die maximale Einzelrente ist am 1. Januar um 20 Franken auf 2370 Franken pro Monat gestiegen. Ehepaare haben neu Anspruch auf bis zu 3550 Franken pro Monat; das sind 30 Franken mehr als vorher. Das sind eigentlich gute Nachrichten, denn die AHVRenten waren mehrere Jahre lang nicht mehr erhöht worden. Allerdings ist die Kaufkraft nicht gestiegen, denn die Renten wurden nur an die aktuellen Löhne und Preise angeglichen. Unter dem Strich können sich Pensionierte also nicht mehr leisten. Ungelöst bleibt zudem die Finanzierung: Die Beiträge der Erwerbstätigen decken die laufenden Renten längst nicht mehr – das Defizit wird immer grösser.

Tipp: Um Lücken zu vermeiden, sollten Sie alle fünf Jahre prüfen, ob Ihre Beiträge korrekt überwiesen wurden. Und lassen Sie Ihre Rente ab 55 im Voraus von der AHV berechnen. Tauchen Ungereimtheiten erst bei der Pensionierung auf, kann sich die Auszahlung der Rente verzögern.

Fakt 2: Umwandlungssätze der Pensionskasse sinken weiter

Nur scheinbar gute Nachrichten gibt es auch bei der Pensionskasse. Der Bundesrat hat sich gegen eine Senkung des Mindestzinses im Obligatorium von 1,0 auf 0,75 Prozent entschieden – eine künftige Senkung ist damit aber nicht vom Tisch. Der Mindestzins ist schon von 4 auf 1 Prozent gesunken. Darum wachsen die Guthaben kaum noch durch den Zinseszinseffekt. Im Gegenteil: Von 2002 bis 2019 ist das mit 65 zu erwartende Vorsorgegeld eines 55-Jährigen von 629'400 auf 502'100 Franken gesunken - das sind 127'300 Franken weniger. Die Differenz fehlt im Alter.

Noch unerfreulicher sieht es aus, wenn man den Umwandlungssatz miteinbezieht, mit dem das Guthaben in eine Rente umgerechnet wird. Auch hier kennt der Trend nur eine Richtung: nach unten. Im Obligatorium müssen die Pensionskassen einen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent garantieren. Viele verwalten jedoch "umhüllend" auch Guthaben, die über den obligatorisch versicherten Lohn hinausgehen (Lohnteile über 85'320 Franken). Dort können sie den Umwandlungssatz senken, solange sie die obligatorischen Leistungen einhalten. Das führt dazu, dass der tatsächliche Umwandlungssatz auf dem gesamten Guthaben viel tiefer ist.

Damit schrumpft die Rente des 55-Jährigen in diesem Beispiel noch stärker. Statt 45'300 bekommt er nur noch 29'400 Franken pro Jahr. Das sind jeden Monat 1325 Franken weniger zum Leben. Sinken die Zinsen und Umwandlungssätze weiter, verringert sich seine monatliche Rente sogar um 1535 Franken. Und: Anders als in der AHV gleichen die meisten Pensionskassen die Teuerung nicht oder nur teilweise aus.

Tipp: Wägen Sie gut ab, wie Sie Ihr Guthaben beziehen – als Rente, Kapital oder als Mix. Sinkende Umwandlungssätze machen die Rente unattraktiver. Wer sein Geld oder einen Teil davon als Kapital bezieht, kann Kürzungen gelassener entgegensehen und bleibt finanziell flexibler. Und erkundigen Sie sich, wie Sie finanzielle Lücken schliessen können. Je früher Sie beginnen, desto weniger Geld müssen Sie jeden Monat auf die Seite legen, um später bequem zu leben.

Fakt 3: In der dritten Säule wird das Geld kaum noch verzinst

Neu darf man mehr in die Säule 3a einzahlen. Die meisten können bis zu 6826 Franken überweisen. Für Erwerbstätige ohne Pensionskasse sind es bis zu 20 Prozent des Einkommens, maximal 34'128 Franken. Auch das sind gute Nachrichten. Allerdings: Im Schnitt verzinsen Banken 3a-Konten nur noch mit 0,27 Prozent. So kann das Guthaben kaum wachsen – der Zinseszinseffekt fällt auch hier praktisch weg.

Tipp: Zahlen Sie regelmässig ein, auch wenn es nicht der Höchstbetrag ist. Verpasste Jahre können Sie nicht nachholen. Auch 55-Jährige können bis zur Pensionierung immer noch 75'000 Franken ansparen. Lohnender als ein 3a-Konto ist eine günstige 3a-Wertschriftenlösung. Der Wert kann zwar zeitweise nach unten schwanken, langfristig ist die Rendite häufig aber viel höher als mit einem Konto.

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