Rente oder Kapital? Ein Mix lohnt sich

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 10.08.2019

Von Sven Pfammatter, Bereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Wer pensioniert wird, steht vor der Frage: Rente oder Kapital? Beides hat gewichtige Vorteile. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert, und man muss sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern. Demgegenüber fallen beim Kapitalbezug weniger Steuern an, und oftmals ist es damit einfacher, die Hinterbliebenen finanziell abzusichern.

Um von den Vorteilen beider Varianten zu profitieren, entscheiden sich immer mehr angehende Rentner für einen sogenannten Mischbezug. Dabei beziehen sie einen Teil des Guthabens als Kapital und den Rest als Rente. Mit der Rente wird die Existenz bis ins hohe Alter gesichert, während man sich mit dem Kapital jederzeit besondere Wünsche erfüllen kann.

Mischbezug wird immer beliebter

Wie die aktuellste Neurentenstatistik des Bundesamtes für Statistik zeigt, entscheiden sich heute bereits 18 Prozent der Rentner für einen Mischbezug. 32 Prozent beziehen nur das Kapital und 50 Prozent nur die Rente. Laut Gesetz müssen Pensionskassen den Versicherten mindestens 25 Prozent ihres obligatorischen Altersguthabens als Kapital auszahlen, wenn sie das wünschen.

Bei vielen Pensionskassen können die Versicherten frei wählen, welchen Anteil ihres Guthabens sie als Rente und welchen sie als Kapital beziehen möchten. Je nach Pensionskasse muss der Kapitalbezug bis zu drei Jahre im Voraus angemeldet werden. Für Rentenbezüger gibt es in der Regel keine Frist.

Konditionen der Pensionskasse prüfen

Wenn sich Ehepaare für einen sogenannten Mischbezüg entscheiden, bezieht ein Ehepartner das Kapital und der andere die Rente. In diesem Fall stellt sich die schwierige Frage, wer von beiden besser die Rente bezieht. Dazu sollten die Rentenkonditionen der beiden Pensionskassen genau miteinander verglichen werden. Wie attraktiv ein Rentenbezug ist, hängt unter anderem von der Höhe des Umwandlungssatzes ab. Mit diesem Satz rechnen die Pensionskassen das angesparte Altersguthaben in eine lebenslange Rente um. Ein tieferer Umwandlungssatz bedeutet in der Regel eine tiefere Rente.

Neben dem Umwandlungssatz spielt bei der Frage, welcher der beiden Ehepartner die Rente und welcher das Kapital bezieht, auch die Restlebenserwartung eine wichtige Rolle – vor allem dann, wenn Rentenkonditionen und Hinterlassenenleistung bei beiden Pensionskassen mehr oder weniger identisch sind. Statistisch betrachtet haben Frauen mit 65 eine höhere Lebenserwartung als Männer und beziehen folglich länger eine Rente. Sind beide Ehepartner etwa gleich alt, sollte daher eher die Frau die Rente beziehen. Anders verhält es sich jedoch, wenn die Frau aus gesundheitlichen Gründen eine stark verkürzte Lebenserwartung hat.

Beim Mischbezug sollten Ehepaare zudem abklären, welche Leistungen dem überlebenden Partner zustehen. Die Witwen- beziehungsweise Witwerrente beträgt im Normalfall 60 Prozent der Altersrente. Manche Pensionskassen zahlen den Hinterbliebenen aber auch mehr. Einige schränken ihre Leistungen hingegen ein, wenn der Altersunterschied zwischen den beiden Ehepartnern gross ist oder der Versicherte erst im hohen Alter geheiratet hat.

Verlassen Sie sich nicht nur auf die AHV und Pensionskasse

Ob Sie sich nun für eine Rente oder das Kapital entscheiden – verlassen Sie sich nicht nur auf Ihre 2. Säule. Zusammen mit der AHV hätte die berufliche Vorsorge eigentlich zum Ziel, 60 Prozent des vor der Pensionierung zuletzt bezogenen Erwerbseinkommens zu decken. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung muss das angesparte Altersguthaben in der Pensionskasse aber immer länger reichen. Deshalb senken immer mehr Vorsorgeeinrichtungen den Umwandlungssatz.

Die sinkenden Umwandlungssätze führen dazu, dass bei einem Grossteil der angehenden Pensionierten die Renten der ersten und zweiten Säule zusammen nicht mehr 60 Prozent des letzten Erwerbseinkommens ersetzen. Es empfiehlt sich deshalb, auch privat Vermögen anzusparen, beispielswiese mit einer Säule 3a.

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