Rente oder Kapital – ein wegweisender Entscheid

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.5.2019

Von Sven Pfammatter, Bereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Wer pensioniert wird, steht vor der Wahl, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen oder eine Rente zu beziehen. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert. Sie hat auch den Vorteil, dass man sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern muss.

Demgegenüber hat der Kapitalbezug den Vorteil, dass er einmalig zu einem reduzierten Steuersatz versteuert wird. Zudem lassen sich mit einem Kapitalbezug die Hinterbliebenen oft einfacher finanziell absichern.

Unabhängig davon, ob Sie Ihr Pensionskassenguthaben als Rente beziehen oder sich mindestens einen Teil davon auszahlen lassen - beides hat weitreichende Folgen. Diese sechs Tipps helfen bei der schweren Entscheidung:

Tipp 1: Erkundigen Sie sich frühzeitig nach den Anmeldefristen

Bei einem Kapitalbezug beträgt die Frist je nach Pensionskasse bis zu drei Jahre. Zwar sind viele Pensionskassen heute froh um jeden Versicherten, sich sein Guthaben auszahlen läset, statt es als Rente zu beziehen. Wer die Anmeldefrist jedoch verpasst, kann nicht mehr auf einer Kapitalauszahlung bestehen. Beim Rentenbezug gibt es in der Regel keine Anmeldefrist.

Tipp 2: Erstellen Sie einen Finanzplan

Vergleichen Sie dabei, wie sich Ihr Einkommen, Ihr Vermögen und die Steuern je nach Bezugsform des Pensionskassenguthabens über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Wichtig dabei ist, dass die Annahmen realistisch sind - zum Beispiel die Rendite der Anlagen oder die Inflation.

Tipp 3: Rechnen Sie mit einer tieferen Rente als in Ihrem PK-Ausweis vermerkt

Wegen der anhaltend tiefen Zinsen müssen viele Pensionskassen ihre Umwandlungssätze kürzen. Prüfen Sie deshalb anhand des erstellten Finanzplans, Rente auch dann noch äusreicht, wenn der Umwandlungssatz weiter gesenkt wird.

Tipp 4: Entscheiden Sie sich auf keinen Fall nur aus steuerlichen Gründen für das Kapital und gegen die Rente

Mindestens so wichtig wie die Steuern sind Faktoren wie Flexibilität, die Höhe und Sicherheit des Einkommens, die Absicherung der Hinterbliebenen und des "Langlebigkeitsrisikos".

Tipp 5: Kombinieren Sie Rente und Kapitalbezug

Für viele Pensionierte ist der sogenannte Mischbezug die beste Variante. Denn sowohl der Renten- als auch der Kapitalbezug haben gewichtige Vor- und Nachteile. Die Rente dient zur Absicherung der Existenz bis ins hohe Alter. Mit dem ausbezahlten Kapital können Sie sich jederzeit Wünsche erfüllen. Bei Ehepaaren bezieht häufig ein Partner die Rente und der andere das Kapital.

Tipp 6: Regeln Sie Ihren Nachlass

Mit der Planung der Pensionierung sollten Sie auch gleich Ihren Partner absichern. Ehepaare oder eingetragene Paare riskieren sonst nämlich, dass der überlebende Partder in finanzielle Schwierigkeiten gerät, wenn Kinder vorhanden sind. So steht diesen im Todesfall die Hälfte des Vermögens zu. Zudem beträgt die Witwen- und Witwerrente 60 Prozent der laufenden Altersrente des Partners. Erhält der überlebende Partner grundsätzlich nur das, was ihm nach Gesetz zusteht, muss er unter Umständen das gemeinsame Haus verkaufen, um seine fixen Ausgaben zu senken oder die übrigen Erben auszuzahlen.

Die Planung der Pensionierung und die Regelung des Nachlasses sind sehr komplexe Themen. Es lohnt sich deshalb, mit einer unabhängigen Fachperson darüber erechen. So kann sichergestellt werden, dass allfällige Einkommenslücken rechtzeitig geschlossen werden und die Hinterbliebenen gut abgesichert sind.

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