Rente, Kapital oder ein Mix?

gourmet, 10.10.2019

Martin Fuchs, Vorsorge-Experte beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Wer in Pension geht, steht vor der Wahl: Soll ich das Geld in meiner Pensionskasse besser als Rente oder als Kapital beziehen? Für viele ist ein Mix die beste Lösung.

Angehende Pensionierte müssen wählen, wie sie das Guthaben in ihrer Pensionskasse beziehen. Dieser Entscheid ist endgültig und wirkt sich viele Jahre lang aus. Darum sollten sie die Optionen gut abwägen. Mit einer Rente ist das Einkommen bis ans Lebensende gesichert. Sie hat auch den Vorteil, dass man sich nicht darum kümmern muss, das Geld anzulegen. Der Nachteil ist, dass man mit grossen Einbussen rechnen muss. Denn die Höhe der Rente hängt vom Umwandlungssatz ab – und dieser Satz dürfte weiter sinken. Zudem muss man die Rente zu 100 Prozent als Einkommen versteuern. 

Kapitalbezug ist oft steuerlich besser

Wer das Kapital bezieht, zahlt in der Regel weniger Steuern und bleibt flexibler, zum Beispiel, um Kindern einen Erbvorbezug zu ermöglichen. Das Kapital wird angelegt und sukzessive aufgebraucht. Viele fürchten sich davor, das Anlagerisiko selbst zu tragen. Ein Vergleich zeigt, dass oft schon eine bescheidene Rendite ausreicht, um die Rente zu schlagen: Selbst wenn man nur 1 Prozent erwirtschaftet, ist das Einkommen höher als mit einer Rente, die auf einem Umwandlungssatz von 6 Prozent basiert: Bei 800'000 Franken Kapital sind es pro Jahr 38'430 Franken gegenüber 36'000 Franken.

Wenn man sein Guthaben auszahlen lässt und nicht alles aufbraucht, kann man den Rest zudem frei vererben. Hat man sich für eine lebenslange Rente entschieden, sind die Hinterbliebenen meistens schlechter gestellt.

Entscheidend ist die Lebenserwartung

Immer mehr angehende Pensionierte wählen heute eine Kombination: Sie beziehen einen Teil als Rente und den Rest als Kapital. So lassen sich die Vorzüge beider Varianten kombinieren und die Risiken verteilen. Auch Ehepaare wählen häufig den goldenen Mittelweg. In diesem Fall stellt sich die Frage, wer von beiden die Rente wählen soll.

Tipp: Ehepaare sollten die Umwandlungssätze und die Leistungen für den überlebenden Partner vergleichen. Es kann sich lohnen, wenn der Partner, dessen Pensionskasse den höheren Umwandlungssatz anwendet, die Rente bezieht. Entscheidend ist auch die Lebenserwartung – vor allem, wenn die Renten und die Hinterlassenenleistungen bei beiden Pensionskassen identisch sind.

Weil Frauen statistisch länger leben, beziehen sie ihre Rente in der Regel länger als gleichaltrige Männer. Sind beide Ehepartner etwa gleich alt, sollte eher die Frau die Rente beziehen. Anders verhält es sich, wenn ihre Lebenserwartung aus gesundheitlichen Gründen stark verkürzt ist.

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