Mit 65 Jahren ist noch lange nicht Schluss

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.04.2019

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwest- und Westschweiz beim VZ VermögensZentrum

Nach der Pensionierung weiterarbeiten? Das wünschen sich immer mehr Menschen in der Schweiz. Gemäss Angaben des Bundesamts für Sozialversicherungen ist schon etwa jede dritte Person, die das AHV-Alter erreicht hat, weiterhin erwerbstätig. Oft als Selbstständigerwerbende, aber auch als Angestellte. Für viele ist die Arbeit ein zentraler Lebensinhalt. Doch geregelte Angebote von Firmen für Mitarbeiter über 60 waren bisher spärlich gesät.

Wer nach dem ordentlichen Rentenalter weiterarbeiten wollte, musste viel Eigeninitiative aufbringen – zum Beispiel, um als freier Mitarbeiter ein Beratungsmandat des bisherigen Arbeitgebers zu übernehmen. Doch langsam scheint sich das Blatt zu wenden. Eine Umfrage des VZ VermögensZentrums bei 20 grossen Schweizer Arbeitgebern zeigt, dass der Fachkräftemangel zu einem Umdenken führt.

Die Zahl der Pensionierungen dürfte in den kommenden Jahren steigen. Viele Unternehmen befürchten, wertvolles Knowhow zu verlieren. Um dies zu verhindern, geben 75 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie Mitarbeiter mit speziellen Programmen länger im Arbeitsprozess halten wollen. Bei den meisten dieser Unternehmen haben Mitarbeiter die Möglichkeit, bis 70 angestellt zu bleiben.  

Den Aufschub der AHV-Rente prüfen

Über die Pensionierung hinaus weiterzuarbeiten, hat auch seine Tücken. Wenn man nicht aufpasst, kann ein grosser Teil des zusätzlichen Einkommens an die Steuern verloren gehen. Denn bezieht eine Person neben dem Einkommen eine Rente, kann es sein, dass sie in eine höhere Steuerklasse rutscht. Es lohnt sich deshalb, sich rechtzeitig darüber Gedanken zu machen, ob man neben seinem Lohn wirklich auf die Rente von der AHV angewiesen ist, solange man berufstätig ist. Oder ob die Rente aufgeschoben werden kann. Frauen können ihre erste AHV-Rente maximal bis 69 aufschieben, Männer bis 70.

Durch den Aufschub erhöht sich die Rente, und zwar ein Leben lang. Wenn man von dieser Möglichkeit Gebrauch machen will, muss man die zuständige AHV-Zweigstelle informieren, und zwar spätestens innert eines Jahres nach dem Erreichen des ordentlichen Pensionsalters. Eine definitive Aufschubdauer muss nicht sofort festgelegt werden: Wenn die Mindestdauer von einem Jahr abgelaufen ist, kann man die erste AHV-Rente jederzeit abrufen.

Das PK-Reglement genau lesen

Wer nach der ordentlichen Pensionierung erwerbstätig bleibt, kann auch weiterhin in die Pensionskasse einzahlen. Die zusätzlichen Sparbeiträge führen zu einer Erhöhung des angesparten Guthabens. In der Regel steigt auch der Umwandlungssatz, mit dem das Altersguthaben in eine jährliche Rente umgerechnet wird, da die Pensionskasse die Rente weniger lang finanzieren muss.

Allerdings gibt es auch Pensionskassen, die keine Einzahlungen mehr erlauben, wenn eine versicherte Person das reguläre AHV-Alter erreicht hat. Es lohnt sich deshalb, das Pensionskassen-Reglement genau zu lesen.

Weiter in die dritte Säule einzahlen

Berufstätige im Pensionierungsalter dürfen auch weiterhin in die Säule 3a einzahlen – Frauen längstens bis 69 und Männer bis 70. Für Erwerbstätige, die weiterhin in eine Pensionskasse einzahlen, sind die Beiträge an die dritte Säule für 2019 auf 6826 Franken pro Jahr beschränkt. Selbstständige und Angestellte ohne Pensionskasse dürfen bis zu 20 Prozent ihres jährlichen Netto-Einkommens in die Säule 3a einzahlen, höchstens aber 34'128 Franken. 

Aus steuerlicher Sicht ist es häufig sinnvoll, die Guthaben in der Säule 3a möglichst spät zu beziehen. Denn Zinsen und Dividenden auf Säule-3a-Konten und aus Freizügigkeitsstiftungen müssen nicht als Einkommen versteuert werden, und die angesparten Vorsorge-Guthaben zählen nicht zum steuerbaren Vermögen.

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