Deshalb scheitern Jungfirmen

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.06.2019

Von Fabian Linssen, Spezialist für Firmengründungen beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Endlich sein eigener Chef sein, seine eigenen Ideen umsetzen und über flexible Arbeitszeiten verfügen! Immer mehr Schweizer machen sich selbstständig. Das bestätigen die letzten verfügbaren Zahlen vom Bundesamt für Statistik. 2016 wurden 39'125 Firmen gegründet, fünf Prozent mehr als noch 2013. Allerdings stieg mit der zunehmenden Anzahl Neugründungen auch die Zahl der Auflösungen. 2014 waren es insgesamt 34'051 Firmen.

Im Rahmen einer Studie zur Unternehmensgründung hat das VZ VermögensZentrum analysiert, weshalb in der Schweiz so viele Unternehmen gegründet werden und welche Faktoren zu Firmenschliessungen führen. Dabei zeigt sich: Gründer unterschätzen vor allem drei Faktoren:

1. Stress

Viele vergessen ob ihrer Geschäftsidee, mit wie viel administrativem Aufwand deren Umsetzung verbunden ist. Denn jede noch so gute Geschäftsidee kann nur erfolgreich etabliert werden, wenn letztlich auch die Buchhaltung stimmt, die entsprechenden Sozialversicherungen abgeschlossen sind oder der Jahresabschluss korrekt durchgeführt wird.

Tipp: Schauen Sie sich rechtzeitig nach einem Partner um, der Sie in diesen wichtigen Fragen unterstützt. Das Geld ist gut investiert. Denn je mehr Arbeit Sie abgeben, desto mehr Zeit haben Sie, um die Geschäftsidee und die Etablierung des Unternehmens voranzutreiben.

2. Tiefer Lohn

Die Freiheit hat ihren Preis: Wer sich selbstständig macht, muss sich bewusst sein, dass der Lohn insbesondere zu Beginn tiefer ausfallen kann als erwartet. Die Erfahrung zeigt, dass viele Gründer viel zu optimistisch sind, was die Kundengewinnung angeht.

Tipp: Der Erfolg des Unternehmens stellt sich nicht über Nacht ein. Gehen Sie von realistischen Annahmen aus, und haben Sie Geduld. Fokussieren Sie sich auf die von Ihnen gesteckten Ziele und setzen Sie diese konsequent um.

3. Persönliche Haftung

Wie in der Studie Unternehmensgründung des VZ VermögensZentrum aufgezeigt wird, handelt es sich bei über 50 Prozent aller Firmengründungen um Einzelfirmen. Diese Rechtsform lässt sich schnell gründen und auch wieder schnell auflösen: Von den 34'051 Firmenschliessungen im 2014 waren knapp 70 Prozent Einzelfirmen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass bei einem Konkurs Gründer mit ihrem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen geradestehen müssen.

Tipp: Von der Rechtsform hängen viele Faktoren ab wie Haftung, Steuern und obligatorische Versicherungen. Überlegen Sie sich deshalb gut, welche Rechtsform für Sie in Frage kommt und ob die damit eingegangenen Risiken tragbar sind. Eindrücklich zeigt die Studie "Unternehmensgründung" des VZ VermögensZentrum zudem, dass die Überlebenschance eines Unternehmens steigt, je mehr Mitarbeiter darin tätig sind. So wurden knapp 20 Prozent der Firmen mit einer beschäftigen Person bereits im ersten Jahr wieder liquidiert, während die Rate bei Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten rund 5 Prozent betrug.

Externe Unterstützung einholen

Generell lohnt es sich, Hilfe hinzuzuziehen – auch von ausserhalb. So können treuhänderische Tätigkeiten, Sozialversicherungen oder auch die Steuererklärung oftmals effizient und kostengünstig von einem externen Partner erledigt werden. Zudem ist eine seriöse Beratung vor der Firmengründung sinnvoll. Mit der Wahl der passenden Rechtsform können beispielsweise spätere Unklarheiten im Zusammenhang mit der Haftung, mit Steuern oder mit dem Beteiligungsverhältnis vermieden werden.

Diese Seite teilen