Grosses Sparpotenzial mit gestaffelten Bezügen

Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2019

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter der Region Nordwest- und Westschweiz beim VZ VermögensZentrum in Basel

Pensionskasse und Säule 3a: Beziehen Versicherte ihre Gelder aus der Altersvorsorge, werden Kapitalauszahlungssteuern fällig. Es lohnt sich oft, Vorsorgeguthaben in Raten zu beziehen.

Das Vorsorgesparen bietet grosse Vorteile. Einerseits erhöht sich dadurch das Vorsorgeguthaben. Anderseits helfen gezielte Einzahlungen in die Säule 3a und freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse, Steuern zu sparen. Denn die eingezahlte Summe kann in der ­Regel vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Darüber hinaus müssen während der Ansparzeit weder Einkommens- noch Vermögenssteuern bezahlt werden.

Doch wenn das angesparte Geld ausgezahlt wird, werden Sparer zur Kasse gebeten. Dann müssen sie nämlich den Bezug des Pensionskassen- und/oder Säule-3a-Kapitals versteuern. Die Auszahlungssteuer wird zwar einmalig und zu einem reduzierten Satz veranschlagt. Wer die Auszahlung seines Vorsorgeguthabens aber nicht richtig plant, erlebt unter Umstände eine böse Überraschung.

Denn für die Berechnung der Auszahlungssteuern zählen die Behörden alle Bezüge eines Jahres zusammen. Häufig auch die des Ehepartners. Je höher die Bezüge sind, die in ein einziges Jahr fallen, desto höher ist die prozentuale Steuerbelastung.

Mehrere Tausend Franken

Eine verheiratete Person, die sich mit 65 Jahren zum Beispiel eine Viertelmillion Franken aus der Pensionskasse auszahlen lässt, muss in der Stadt Zürich 14'762 Franken Steuern bezahlen. In Zug sind es 12'144 Franken und in Schwyz 10'481 Franken. Bei einem Betrag von einer halben Million Franken liegt die Auszahlungssteuer in vielen Kantonenzwischen 30'000 und 45'000 Franken – sowohl für Verheiratete als auch für Unverheiratete. Richtig teuer wird es in Freiburg oder Lausanne. In diesen Städten beläuft sich die Auszahlungssteuer auf rund 11 Prozent und mehr, wenn man 500'000 Franken bezieht.

Gelder in Raten beziehen

Es kann sich deshalb lohnen, die Kapitalbezüge auf mehrere Jahre zu verteilen. Dafür gibt es genügend Spielraum: Das Säule-3a-Kapital kann man bis zu fünf Jahre vor dem regulären AHV-Alter auszahlen lassen. Das Gleiche gilt für Guthaben auf Freizügigkeitskonten oder -policen. Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig bleibt, kann den Bezug des Vorsorgeguthabens aufschieben. So dürfen Berufstätige nach dem gesetzlichen AFN-Alter in die Säule 3a einzahlen – Frauen bis 69 Jahre, Männer bis 70 Jahre. Guthaben auf Freizügigkeitskonten oder -policen können auch ohne Erwerbstätigkeit aufgeschoben werden.

Aus steuerlichen Gründen ist ein möglichst später Bezug des Freizügigkeitsund Säule-3a-Kapitals oft sinnvoll: Die Zins- und Dividendenerträge auf einem Freizügigkeitskonto oder 3a-Konto muss man nicht als Einkommen versteuern, die Gelder nicht als Vermögen. Das Beispiel zeigt, wie gross das Sparpotenzial von gestaffelten Kapitalbezügen ist: Ein Ehepaar in Zürich verfügt über Pensionskassen- und Säule-3a-Guthaben von total 800'000 Franken. Gehen beide Ehepartner im gleichen Jahr in Rente und beziehen sie ihre beiden 3a-Guthaben erst dann, zahlen sie insgesamt 92'710 Franken Steuern. Verteilen sie ihre Vorsorgebezüge über mehrere Jahre, fallen 49'050 Franken Steuern an. Die Ersparnis beträgt in diesem Beispiel über 43'000 Franken.

Schrittweise in Rente gehen

Das grösste Sparpotenzial bieten in der Regel gestaffelte Bezüge des Pensionskassenguthabens. Wer zum Beispiel mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 60 Prozent reduziert, kann sich Bei vielen Pensionskassen 40 Prozent seines Altersguthabens bereits auszahlen lassen. Am meisten lohnen sich mehrere Teilpensionierungsschritte. Allerdings müssen hierzu die kantonalen Unterschiede berücksichtigt werden. In den Kantonen Aargau oder Basel-Landschaft beispielsweise akzeptieren die Steuerbehörden zwei Teilpensionierungsschritte und somit zwei Teilkapitalbezüge.

Dabei muss das Arbeitspensum jeweils um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Bis zur nächsten Reduktion ist im Kanton Aargau eine Frist von sechs Monaten einzuhalten. Im Kanton Basel-Landschaft beträgt sie ein Jahr. In beiden Kantonen muss der dritte Bezug in einer kompletten Aufgabe der Arbeitstätigkeit münden. Zudem kann das restliche Guthaben nur noch als Rente bezogen werden.

In den Kantonen Zürich und Bern muss das Arbeitspensum um jeweils mindestens 30 Prozent reduziert werden. Beim dritten Teilpensionierungsschritt ist das Restguthaben aus der Pensionskasse als Rente zu beziehen. In der Schweiz bieten immer mehr Unternehmen ihren Angestellten Modelle für eine Pensionierung in Raten an. Der schrittweise Rückzug aus dem Arbeitsleben hat für alle Beteiligten Vorteile: Während sich die Angestellten nach und nach aus dem Erwerbsleben zurückziehen können, bleiben die Erfahrung und das Know-how dieser Mitarbeitenden den Unternehmen noch mehrere Jahre lang erhalten.

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