Freizügigkeitsguthaben bei Stellenwechsel

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.10.2019

Von Sven Pfammatter, Bereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Ein Stellenwechsel ist aufregend: die berufliche Herausforderung, unbekannte Arbeitskollegen und ein neues Umfeld. Dabei geht oft vergessen, dass das bisherige Pensionskassenguthaben an die neue Vorsorgeeinrichtung überwiesen werden muss – obschon die Versicherten gesetzlich dazu verpflichtet sind.

Sobald das Arbeitsverhältnis aufgelöst ist, verlangt die bisherige Pensionskasse die Angaben der neuen Vorsorgeeinrichtung. Dies erfolgt in der Regel schriftlich.

Nicht selten geht der Brief aber vergessen oder verloren. Das Guthaben bleibt liegen, und spätestens nach zwei Jahren muss die Vorsorgeeinrichtung das Guthaben an die Auffangeinrichtung BVG überweisen. Ohne Nachforschungen bleibt das Geld dort liegen, und der Versicherte muss schliesslich eine tiefere Rente in Kauf nehmen.

Nach vergessenen Geldern suchen

In der Schweiz gibt es private Unternehmen, die gegen ein Entgelt nach "kontaktlosen" und oder vergessenen Geldern suchen. Man kann aber auch selber Nachforschungen anstellen und dies sogar gratis. Zuständig dafür ist die Zentralstelle für die zweite Säule. Ihr gegenüber sind die hiesigen Vorsorge- und Freizügigkeitseinrichtungen verpflichtet, regelmässig Guthaben zu melden, bei denen der Kontakt zu den Versicherten nicht mehr hergestellt werden kann.

Via schriftliches Formular kann jedermann die Behörde mit einer Suche beauftragen. Notwendig sind Angaben zur Wohnadresse und die AHV-Nummer. Die Suche kann zusätzlich erleichtert werden, indem weitere Unterlagen zu den jeweiligen Arbeitsverhältnissen wie AHV-Ausweis, Versichertenausweis der zweiten Säule, Arbeitsvertrag etc. eingereicht werden. Sobald die Zentralstelle die Anfrage erhalten hat, vergleicht sie die persönlichen Daten mit den eingegangenen Meldungen der Einrichtungen.

85'000 zugeordnete Guthaben

Die Zentralstelle wurde 1999 vom Bund gegründet. Gemäss Geschäftsbericht des Sicherheitsfonds BVG gingen im Jahr 2018 60'000 Anfragen zu kontaktlosen Vorsorgeguthaben ein. Dabei konnten ihnen in rund 75 Prozent der Fälle mindestens ein Guthaben zugeordnet werden. Insgesamt gab es 85'000 Übereinstimmungen.

Bei einer Übereinstimmung wird die betroffene Person informiert. Der Geldtransfer von der kontoführenden Einrichtung an die aktuelle Vorsorgeeinrichtung ist anschliessend durch die berechtigte Person zu organisieren. In der Regel verzinsen Freizügigkeitsstiftungen von Banken oder Versicherungen die Guthaben höher als die Auffangeinrichtung BVG.

Übrigens: Auch nach der Pensionierung sind liegen gelassene Gelder nicht verloren. Sobald eine Vorsorgeeinrichtung ein vergessenes Guthaben meldet, untersucht die Zentralstelle, an welche Adresse die Rentenzahlungen der ersten Säule erfolgen. Im Anschluss werden auch hier die kontoführende Einrichtung und die berechtigte Person informiert.

PK-Guthaben bei längerer Arbeitslosigkeit

Wer nach einer Kündigung nicht sofort eine neue Stelle findet, dem wird das Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto, Freizügigkeitsdepot oder eine Freizügigkeitspolice überwiesen. Wichtig ist: Findet der Versicherte trotz Bemühungen keine neue Anstellung, kann er sein Pensionskassenguthaben bei Erreichen des Pensionsalters nicht mehr als Rente beziehen (Ausnahme ist die Auffangeinrichtung BVG). Das Guthaben bei der Freizügigkeitsstiftung muss jeweils in Kapitalform bezogen werden.

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