Frauen in der Teilzeitfalle

gourmet, 9.5.2019

Von Romina Mutter, Vorsorgespezialistin beim VZ VermögensZentrum

In der Schweiz arbeiten sechs von zehn Frauen Teilzeit - bei den Männern sind es weniger als zwei. Tiefe Einkommen reissen Löcher in die Vorsorge vieler Frauen.

Viele Frauen, deren Beschäftigungsgrad lange unter 50 Prozent liegt, sind im Alter vom Partner abhängig oder leben mit dem Existenzminimum. Dieses Fazit zieht eine Studie der Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten und der Universität Lausanne.

Oft bleibt nur die Säule 3a, um Lücken zu schliessen

Wer weniger verdient, muss mit grossen Lücken in der Pensionskasse rechnen. Dazu ein Beispiel: Eine 35-Jährige reduziert ihr Pensum von 100 auf 40 Prozent, weil sie Mutter wird. Bis zur Pensionierung stockt sie das Pensum schrittweise wieder auf.

Die Folge ist: Hätte die Frau bis 64 immer Vollzeit gearbeitet, hätte sie 441 707 Franken angespart. Mit dem reduzierten Pensum sind es aber 258 107 Franken. Das sind 42 Prozent oder 183 600 Franken weniger. Wer Teilzeit arbeitet, sollte darum sorgfältig prüfen, was das für die finanzielle Absicherung bedeutet.

AHV: Die Maximalrente von 2370 Franken im Monat bekommt, wer im Schnitt ein Jahreseinkommen von mindestens 85 320 Franken erzielt hat. Teilzeitarbeitende schaffen das kaum. Oft erhalten sie das Minimum von 1185 Franken.

Tipp: In die AHV muss man mindestens 482 Franken im Jahr einzahlen. Prüfen Sie, ob Sie fehlende Beitragsjahre haben - das führt zu Leistungskürzungen. Für Verheiratete entfällt die Beitragspflicht meistens.

Pensionskasse: Teilzeitarbeitende müssen mindestens 21 330 Franken im Jahr verdienen, damit der Arbeitgeber sie in die Pensionskasse aufnimmt und Beiträge zahlt. Für die Höhe der Beiträge ist der Koordinationsabzug Nach diesem Lohn richten sich die Beiträge sowie die Alters-, Kinder-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten.

Der Koordinationsabzug gilt meistens bei Vollzeit und Teilzeit. Das ist ein Grund, warum die berufliche Vorsorge vieler Frauen ungenügend ist. Ein grosser Vorteil ist es darum, wenn die Pensionskasse des Arbeitgebers auch tiefere Löhne versichert oder Rücksicht nimmt, indem sie den Koordinationsabzug dem Beschäftigungsgrad anpasst. Wer dann mit einem Pensum von 60 Prozent 40 000 Franken verdient, kommt auf einen versicherten Lohn von 25 069 Franken - statt wie im Beispiel oben auf 15 115 Franken.

Tipp: Wenn Sie eine neue Teilzeitstelle suchen, prüfen Sie auch das Vorsorgereglement des Arbeitgebers. Nutzen Sie zudem alle Möglichkeiten, um freiwillig in die Pensionskasse einzuzahlen.

Säule 3a: In die Säule 3a kann nur einzahlen, wer ein AHV-pflichtiges Einkommen erzielt. Teilzeitarbeitende mit Pensionskassenanschluss können höchstens 6826 Franken einzahlen. Ohne Pensionskasse sind es 20 Prozent des Einkommens, höchstens aber 34 128 Franken.

Tipp: Oft bleibt nur die Säule 3a, um Vorsorgelücken zu schliessen. Zahlen Sie darum wenn möglich mindestens einen Teil des Maximalbetrags ein. Verpasste Jahre können Sie nicht nachholen. Hier wäre eine Flexibilisierung erwünscht: Einzahlungen sollte man später nachholen dürfen. Gerade Frauen, die einen Erwerbsunterbruch haben, würden davon profitieren.

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