Erbrechtsrevision ist vorteilhaft für LGBT

Display, 4.1.2019

Von Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Das eidgenössische Parlament wird sich im laufenden Jahr mit der Reform des Erbrechts befassen. Display hat Jonas Schneider vom VZ VermögensZentrum gefragt, was das für die Community bedeutet.

Jonas Schneider, was bringt uns die Erbrechtsrevision?

Sie bringt Vorteile. Denn man erhält bei der Verteilung seines Erbes mehr Freiheiten.

Was heisst das konkret?

Die Pflichtteile werden kleiner. Die frei verfügbare Quote wird somit höher. Ein Beispiel: Hat ein Partner ein Kind, beträgt der Pflichtteil des Kindes heute drei Viertel seines gesetzlichen Anspruchs. Er ist somit relativ stark eingeschränkt, wieviel er seinem Lebenspartner zuweisen kann. Neu soll der Pflichtteil der Kinder auf die Hälfte reduziert werden. Der Partner kann somit stärker begünstigt werden.

Was ändert sich weiter?

Der Pflichtteil der Eltern soll ganz wegfallen. In meinen Beratungen fällt mir immer wieder auf, dass die meisten Kunden gar nicht wissen, dass die Eltern einen Pflichtteil haben. Der Wegfall des Pflichtteils macht auch Sinn, denn oft steht einem der Partner viel näher als die eigenen Eltern. Und überhaupt: Unser Erbrecht ist hundert Jahre alt. Die Lebensrealität hat sich in der Zwischenzeit stark verändert. Aber aufgepasst: Nach wie vor ist vieles auf die traditionelle Familie zugeschnitten.

Wie ist das zu verstehen?

Da Schwule und Lesben nie in der traditionellen Familie leben, wird auch mit dem neuen Erbrecht zwingend ein Testament oder Erbvertrag benötigt.

Wann tritt das neue Erbrecht in Kraft?

Vor dem Jahr 2020 ist wohl kaum damit zu rechnen.

Soll man also besser bis zu diesem Zeitpunkt warten, um den Nachlass zu regeln?

Nein, auf keinen Fall. Dieses Thema sollte so früh wie möglich geregelt werden, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt.

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