Eigenheimfinanzierung mit Vorsorgegeldern

Zürcher Oberländer, 11.09.2019

Von Adrian Wenger, Hypothekarexperte beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Ein Eigenheim zu finanzieren, ist für die meisten Menschen die grösste Investition ihres Lebens. Angesichts der stark gestiegenen Häuserpreise ist dies häufig nur mit einem Vorbezug oder einer Verpfändung der Vorsorgegelder möglich.

Sind die eigenen vier Wände abbezahlt, braucht man nicht Monat für Monat Miete zahlen und kann so im Alter mit weniger Geld auskommen. Dies ist einer der Gründe, weshalb der Staat den Erwerb von Wohneigentum fördert, indem Guthaben aus der Pensionskasse und  aus der Säule 3a für die Finanzierung eines Eigenheims bezogen oder verpfändet werden können.

Vorbezug von mindestens 20'000 Franken

Bei Pensionskassen sind Vorbezüge in der Regel bis drei Jahre vor der Pensionierung möglich. Bis 50 darf man das gesamte Pensionskassenguthaben vorbeziehen. Ältere erhalten den Betrag, den sie mit 50 hätten vorbeziehen können, oder die Hälfte des aktuellen Guthabens – je nachdem, welche Summe grösser ist. Ein Vorbezug muss mindestens 20'000 Franken betragen, und zwischen zwei Bezügen müssen mindestens fünf Jahre liegen.

Gesetzlich keine Mindesttranchen

Bezüge von 3a-Guthaben sind wie die Pensionskassengelder ebenfalls nur im Abstand von fünf Jahren möglich. Allerdings gilt diese Einschränkung nur pro Vorsorgestiftung. Wer sein 3a-Guthaben beispielsweise auf fünf Stiftungen verteilt hat, kann also fünf Jahre in Folge Gelder beziehen. Das Gesetz schreibt keine Mindesttranchen.

Als Einkommen versteuert

Der Bezug von Vorsorgegeldern muss als Einkommen versteuert werden, allerdings separat vom übrigen Einkommen und zu einem reduzierten Steuersatz. Bei einem Pensionskassenbezug von beispielsweise 250'000 Franken betragen die Steuern für Verheiratete je nach Kanton zwischen rund 10'500 und 23'100 Franken, bei einem Bezug von 500'000 zwischen 24'400 und 57'200 Franken.

Keine Steuern bei Verpfändung

Statt das Vorsorgeguthaben auszahlen zu lassen, kann man es der Bank verpfänden. Dabei bleibt das Geld bei dem jeweiligen Vorsorgeträger. Das hat den Vorteil, dass man nach wie vor Anspruch auf die vollen Leistungen hat und weiterhin freiwillig in die Pensionskasse und die Säule 3a einzahlen kann. Ein weiterer Vorteil: Da es bei einer Verpfändung nicht zur Auszahlung der Vorsorgegelder kommt, fallen keine Steuern an.

Solide Sicherheit für Banken

Diese verpfändeten Gelder sind für die Banken eine solide Sicherheit. Sie können darauf zugreifen, falls der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und zum Beispiel die Hypothekarzinsen nicht bezahlt. Darum gewähren sie in der Regel eine Hypothek von bis zu 90 Prozent des Liegenschaftswerts statt den üblichen 80 Prozent. Aber auch hier gibt es Risiken: Bei einem Todesfall wird die Pensionskasse verrentet und dient nicht mehr, als Sicherheit. Im schlimmsten Fall hinterlässt man seinen Nachkommen somit eine überschuldete Immobilie und eine Hinterbliebenenrente. Darum sollten Verpfändungen mit Todesfallrisikopolicen gesichert werden.

Der Kostenvergleich

Auf den ersten Blick kostet eine Verpfändung mehr als der Vorbezug. Denn die höhere Hypothek hat höhere Zinskosten zur Folge. Wenn man die Auswirkungen auf Steuern und Vorsorge berücksichtigt, gibt es zwischen einer Verpfändung und einem Vorbezug oft allerdings kaum grosse Unterschiede. Wer das Pensionskassenguthaben nur verpfändet, kann mehr Schuldzinsen steuerlich geltend machen, und an den versicherten Leistungen ändert sich nichts. Wenn man sich hingegen für einen Vorbezug entscheidet, sollte man unbedingt die Leistungseinbussen kompensieren.

Diese Seite teilen