Weshalb es einen Vorsorgeauftrag braucht

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 01.12.2018

Von Gabrielle Sigg, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Wer sich nicht rechtzeitig vorbereitet, überlässt es der Erwachsenenschutzbehörde, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Niemand denkt gerne darüber nach. Und trotzdem taucht die Frage irgendwann einmal auf: Wer sorgt und trifft Entscheidungen für einen, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist? Wer sicherstellen will, dass bei einer möglichen Urteilsunfähigkeit der eigene Wille respektiert wird, sollte einen Vorsorgeauftrag verfassen.

Was ist ein Vorsorgeauftrag?

Mit einem Vorsorgeauftrag entscheidet man, wer einen vertreten soll, falls man durch einen Unfall oder als Folge einer Krankheit urteilsunfähig wird. Der Vorsorgeauftrag umfasst drei Vertretungsrechte: Die Personensorge, die Vermögenssorge und die Vertretung im Rechtsverkehr.

Was regelt der Vorsorgeauftrag?

Bei der Personensorge legt man fest, wer sich im Ernstfall um die eigene Betreuung kümmern soll. Mit der Vermögenssorge wird geregelt, welche Person sich um das Vermögen kümmern darf. Und mit dein Vertretungsrecht bestimmt man, durch wen man in rechtlichen Situationen wertreten wird, wenn man seine eigenen Wünsche nicht mehr äussern kann. Es steht jedem offen zu entscheiden, ob eine Person mit allen drei Bereichen oder für jeden Bereich eine andere Vertretungsperson beauftragt werden soll.

Bei fehlendem Vorsorgeauftrag?

Bei alleinstehenden Personen ist die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) für die Wahl des Beistands zuständig. Ist man hingegen verheiratet oder lebt in einer eingetragenen Partnerschaft, hat der Partner auch ohne Vorsorgeauftrag ein Vertretungsrecht. Dieses beschränkt sich aber nur auf alltägliche Handlungen, wie zum Beispiel das Öffnen und Erledigen der Post oder die ordentliche Einkommens- und Vermögensverwaltung. Bei komplexeren Rechtshandlungen, wie zum Beispiel dem Verkauf der Liegenschaften, muss der Partner jedoch sein Vertretungsrecht durch die KESB bewilligen lassen.

Müssen auch Unternehmer einen Vorsorgeauftrag erstellen?

Für Selbstständige mit einer Einzelfirma ist ein Vorsorgeauftrag unverzichtbar. Damit können sie ein Stück weit regeln, wer die Firma weiterführt, falls sie plötzlich ausfallen. Sie können eine Vertrauensperson ihrer Wahl beauftragen, in so einer Situation die Verantwortung im Betrieb zu übernehmen. Aber auch Aktionäre und Gesellschafter, denen die Mehrheit eines Familienbetriebs (AG oder GmbH) gehört, sollten einen Vorsorgeauftrag aufsetzen. Darir können sie unter anderem festlegen, wer sie an der Generalversammlung oder in anderen Gremien vertreten soll, und wie ihre Stimmrechte ausgeübt werden sollen.

Wie muss ein Vorsorgeauftrag verfasst werden?

Der Vorsorgeauftrag muss vollständig von Hand verfasst und mit Datum und Unterschrift versehen werden. Wem dieser Aufwand zu gross ist, der kann seinen Vorsorgeauftrag gemeinsam mit einem Notar erstellen und von ihm beurkunden lassen.

Vorsorgeauftrag aufbewahren

Am besten wählt man einen Ort, an dem auch andere wichtige Dokumente aufbewahrt werden. Damit erleichtert man es seinen Angehörigen, im Ernstfall den Vorsorgeauftrag ohne zusätzliche Informationen zu finden. In den meisten Kantonen bietet die KESB die Aufbewahrung gegen Gebühr an.

Braucht es weitere Dokumente?

Die Verfassung eines Vorsorgeauftrages ist oft eine gute Gelegenheit, auch eine Patientenverfügung in erstellen oder bestimmte Anordnungen für den Todesfall festzulegen. In einer Patientenverfügung definiert man einen verbindlichen Rahmen für medizinische und pflegerische
Entscheide, falls man selbst nicht mehr in der Lage dazu ist. In den Anordnungen über den Todesfall hält man fest, an was sich die Hinterbliebenen halten sollen.

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