Wer mit über 50 seine Stelle verliert, muss rasch handeln

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.01.2018

Von Marc Hutmacher, Niederlassungsleiter beim VZ VermögensZentrum in Liestal

In der aktuellen Wirtschaftslage müssen viele Unternehmen Kosten sparen. Dabei entlassen sie häufig ältere Mitarbeiter. Das Problem: Kündigungen vor der Pensionierung gefährden die Altersleistung.

Bei den meisten Pensionskassen kann man sich zwischen 58 und 60 frühpensionieren lassen. Bei der AHV. ist der Bezug der Altersleistung ein bis zwei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung möglich. Mit der vorzeitigen Pensionierung ist das Alterskapital allerdings kleiner als bei einer ordentlichen Pensionierung, weil Beitragsjahre und Zinsgutschriften wegfallen. Deshalb werden sowohl die AHV- als auch die Pensionskassenrente lebenslang gekürzt.

Wer die AHV-Rente zum Beispiel ein Jahr vor der ordentlichen Pensionierung bezieht, erhält lebenslang 6,8 Prozent weniger Rente. Bei einem Vorbezug von zwei Jahren fällt die lebenslängliche Rente gar um 13,6 Prozent tiefer aus. Erheblich sind die Kürzungen auch bei den Pensionskassenleistungen. So kürzen die meisten Pensionskassen die Renten von Frühpensionären um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr. Das heisst: Ein Versicherter, der sich mit 60 statt 65 pensionieren lässt, erhält unter Umständen über einen Drittel weniger Rente.

Schriftliche Mitteilung an PK

Wer angesichts der Leistungskürzungen weiterhin erwerbstätig bleiben will und deshalb eine neue Stelle sucht, hat Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Auch darf diese Person dann weiterhin in die Säule 3a einzahlen. Dass man weiter erwerbstätig bleiben möchte, muss man der bisherigen Pensionskasse schriftlich mitteilen oder eine Anmeldebestätigung der Arbeitslosenkasse vorlegen.

Zudem muss das Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto, ein Freizügigkeitsdepot oder eine Freizügigkeitspolice überwiesen werden, sofern man beim Pensionskassenaustritt noch keine neue Stelle hat. Wichtig ist: Findet der Versicherte trotz Bemühungen schliesslich keine neue Anstellung, kann er sein Pensionskassenguthaben nicht mehr als Rente beziehen (Ausnahme ist die Auffangeinrichtung BVG, siehe weiter unten).

So müssen Guthaben bei Freizügigkeitsstiftungen jeweils in Kapitalform bezogen werden. Dafür können Männer den Bezug des Guthabens bis zum Alter von 70 und Frauen 69 Jahren aufschieben, womit sich erheblich Steuern sparen lässt. Zudem müssen Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten nicht als Einkommen und das Guthaben nicht als Vermögen versteuert werden. Oft lassen sich noch mehr Steuern sparen, wenn man das Pensionskassenguthaben auf zwei verschiedene Freizügigkeitskonten überweisen lässt und gestaffelt bezieht.

Rentenbezug offenhalten

Wer sich die Option des Rentenbezugs offen halten will, kann sein Guthaben an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG überweisen. Es kann sich lohnen, nur das Guthaben im Obligatorium zu überweisen und das Güthaben im Überobligatorium auf eine Freizügigkeitsstiftung zu transferieren.

Die Anmeldung bei der Auffangeinrichtung muss innert 90 Tagen nach der Erwerbsaufgabe erfolgen. Die Auffangeinrichtung richtet allerdings nur Renten für das obligatorische Guthaben aus - also für Lohnbestandteile bis 84'600 Franken. Überobligatorische Guthaben zahlt sie als Kapital aus.

Vorsicht vor hohen Steuern

Manche Arbeitgeber federn die finanziellen Auswirkungen einer unfreiwilligen Frühpensionierung mit einer Abgangsentschädigung ab. Entschädigungen mit Vorsorgecharakter werden zum reduzierten Satz für Kapitalauszahlungen der zweiten Säule und der Säule 3a besteuert; Abfindlingen ohne Vorsorgecharakter wie gewöhnliches Einkommen.

Der Vorsorgecharakter einer Abfindung ist gegeben, wenn der Frühpensionierte mindestens 55 Jahre alt ist, seine Haupterwerbstätigkeit definitiv aufgibt, und wenn wegen der Frühpensionierung eine Vorsorgelücke entsteht.

Wenn man eine Kapitalabfindung hingegen normal als Einkommen versteuern muss, kann es sinnvoll sein, den Betrag nach Möglichkeit in die Pensionskasse einzuzahlen. Dadurch wird die Abfindung steuerlich neutralisiert.

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