Wann und wie gehen Sie in Pension?

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 20.07.2018

Von Martin Fuchs, Vorsorge-Spezialist beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Egal, ob Zeitpunkt oder Modell: Bei der Pensionierung gibt es mehr Spielraum, als viele glauben. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten Sie haben - und worauf Sie besonders achten müssen.

Frühpensionierung

Viele Erwerbstätige möchten sich frühzeitig pensionieren lassen. Doch das ist teuer: Wer 90'000 Franken im Jahr verdient und mit 62 statt mit 65 Jahren in Pension geht, muss mit Kosten von über 290'000 Franken rechnen. Die Kosten umfassen dabei fehlende Lohnzahlungen sowie Einzahlungen in die Vorsorge. Am besten lassen sich solche Lücken mit Ersparnissen, wie zum Beispiel Guthaben der Säule 3a oder Wertschriftendepots, schliessen. Das Säule-3a-Guthaben kann in der Regel schon fünf Jahre vor dem AHV-Alter bezogen werden. Infrage kommen auch vorzeitige Bezüge von AHV-und Pensionskassenleistungen. Allerdings fallen die Renten dann viel tiefer aus – und zwar ein Leben lang.

Tipp: Informieren Sie sich, ob Ihr Arbeitgeber finanzielle Unterstützung bietet und Ihnen zum Beispiel eine Überbrückungsrente gewährt.

Schrittweise Pensionierung

Ist eine Frühpensionierung zu teuer, kommt vielleicht eine schrittweise Redulgion des Arbeitspensums infrage. Ein Beispiel: Ein 60-jähriger Mann, der sein Pensum von 100 auf 70 Prozent reduziert, darf 30 Prozent seines Pensionskassen-Guthabens beziehen. Mit diesem Geld kann er die Einkommenseinbusse zumindest teilweise ausgleichen. Eine gleitende Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen, nämlich dann, wenn man sein Altersguthaben als Kapital bezieht: Wegen der Progression fallen insgesamt weniger Steuern an, wenn man das gesamte Guthaben auf mehrere Teilbezüge aufteilt.

Tipp: Die kantonalen Steuerbehörden behandeln Kapitalleistungen unterschiedlich. Wenn Sie mehrere Teilbezüge planen, lassen Sie sich von Ihrer Steuerbehörde am besten vorab bestätigen, dass sie dieses Vorgehen nicht als Steuerumgehung auslegt.

Ordentliche Pensionierung

Auch wer sich ordentlich pensionieren lässt (Männer mit 65, Frauen mit 64 Jahren), muss Entscheidungen von grosser Tragweite treffen. Allen voran: Beziehe ich mein Pensionskassen- Guthaben als Rente oder Kapital, oder ist eine Kombination optimal? Die Rente dient zur Absicherung der Existenz bis ins hohe Alter. Allerdings hängt ihre Höhe vom Umwandlungssatz ab, der für versicherte Lohnbestandteile über 84'600 Franken massiv gesunken ist.

Zudem sind Renten zu 100 Prozent steuerbar. Viele angehende Rentner entscheiden sich deshalb für einen Kapitalbezug, weil er auf Dauer steuerlich attraktiver ist. Zudem kann man sich mit dem ausbezahlten Geld besondere Wünsche erfüllen. Immer beliebter ist auch eine Kombination davon: Einen Teil bezieht man als Rente, den Rest als Kapital.

Tipp: Nehmen Sie die Budgetierung ernst. Erst wenn Sie genau wissen, wie viel Einkommen Sie im Alter brauchen, können Sie die richtigen Entscheidungen fällen.

Länger arbeiten

Viele sind noch nicht arbeitsmüde, wenn sie 64 oder 65 Jahre alt werden. Für sie kann eine Teilzeitbeschäftigung ideal sein, um langsam aufzuhören. Kommen aber Renten und Erwerbseinkommen zusammen, steigen die Einkommenssteuern. Wer nicht auf die AHV-Rente angewiesen ist, sollte deshalb einen Aufschub prüfen. Auch bei vielen Pensionskassen kann man seine Leistungen aufschieben. Wer zum Beispiel sein Pensum im Alter von 65 Jahren auf 50 Prozent reduziert, kann die Hälfte seines Guthabens bereits dann beziehen und den Bezug des restlichen Guthabens auf später verschieben (siehe schrittweise Pensionierung).

Tipp: Wenn Sie länger erwerbstätig bleiben, müssen Sie weiterhin AHV-Beiträge zahlen, auch wenn sie nicht rentenbildend sind. Dabei gilt ein Freibetrag von 16'800 Franken pro Jahr. Beiträge werden nur auf dem Einkommen erhoben, das diesen Freibetrag übersteigt. Wenn Sie verschiedene Tätigkeiten ausüben und separat entlohnt werden, dürfen Sie den Freibetrag für jede dieser Tätigkeiten geltend machen.

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