Wann gehen Sie in Pension? Treffen Sie die richtige Entscheidung!

gourmet, 13.04.2018

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Nordwestschweiz beim VZ VermögensZentrum Basel

Viele Berufstätige bereiten sich nicht auf ihre Pensionierung vor, oder sie fangen zu spät damit an. Wenn Sie Ihr Einkommen im Alter sichern wollen, müssen Sie alle Optionen kennen und die Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abwägen.

Frühpensionierung

Viele Erwerbstätige möchten früher aufhören. Doch das ist teuer: Wer 90'000 Franken verdient und mit 62 statt mit 65 in Pension geht, muss mit Kosten von über 290'000 Franken rechnen – das sind mehr als drei Jahreslöhne. Wie finanziert man diese Lücke? Private Ersparnisse eignen sich oft am besten, also Sparguthaben, die Säule 3a und Wertschriftendepots. Das 3a-Guthaben kann man schon fünf Jahre vor dem AHV-Alter beziehen. In Frage kommen auch vorzeitige Bezüge von AHV- und Pensionskassenleistungen. Die AHV-Rente kann man schon  ein oder zwei Jahre vor dem regulären Rentenalter beziehen.

Auch die meisten Pensionskassen lassen einen Bezug der Altersleistungen schon ab 58 oder 60 Jahren zu. Allerdings fallen die Renten dann viel tiefer aus – und zwar ein Leben lang. Wer sich mit 63 statt 65 zur Ruhe setzt, verzichtet jedes Jahr auf bis zu 14 Prozent der Pensionskassen-Rente. Tipp: Informieren Sie sich, ob Ihr Arbeitgeber finanzielle Unterstützung bietet und Ihnen zum Beispiel eine Überbrückungsrente gewährt.

Schrittweise Pensionierung

Ist eine Frühpensionierung zu teuer, kommt vielleicht eine schrittweise Reduktion des Arbeitspensums in Frage. Ein Beispiel: Ein 60-Jähriger, der sein Pensum von 100 auf 70 Prozent reduziert, darf 30 Prozent seines PK-Geldes beziehen. Mit diesem Geld kann er die Einkommenseinbusse zumindest teilweise ausgleichen. Die Altersspanne für eine gleitende Pensionierung liegt zwischen 58 und 65 oder 70 Jahren. Die meisten Pensionskassen machen aber nur mit, wenn das Pensum um mindestens 20 bis 33 Prozent pro Schritt reduziert wird. 

Pensionskasse: Rente und Kapital kombinieren? 

Eine gleitende Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen, nämlich dann, wenn man sein Altersguthaben als Kapital bezieht: Wegen der Progression fallen insgesamt weniger Steuern an, wenn man das gesamte Guthaben auf mehrere Teilbezüge aufteilt. Tipp: Die kantonalen Steuerbehörden behandeln Kapitalleistungen unterschiedlich. Wenn Sie mehrere Teilbezüge planen, lassen Sie sich von Ihrer Steuerbehörde am besten vorab bestätigen, dass sie dieses Vorgehen nicht als Steuerumgehung auslegt.

Ordentliche Pensionierung mit 65 oder 64

Auch wer sich ordentlich pensionieren lässt, muss Entscheidungen von grosser Tragweite treffen. Allen voran: Beziehe ich mein Pensionskassen-Guthaben als Rente oder Kapital, oder ist eine Kombination optimal? Die Rente dient zur Absicherung der Existenz bis ins hohe Alter. Ihre Höhe hängt vom Umwandlungssatz ab, der für versicherte Lohnbestandteile über 84'600 Franken massiv gesunken ist. Renten sind zu 100 Prozent steuerbar. Viele entscheiden sich für einen Kapitalbezug, weil er auf Dauer steuerlich attraktiver ist.

Zudem kann man sich mit dem ausbezahlten Geld besondere Wünsche erfüllen. Immer beliebter ist auch eine Kombination: Einen Teil bezieht man als Rente, den Rest als Kapital. Ein Beispiel: Ein Ehepaar hat vom VZ berechnen lassen, welche Kombination aus Rente und Kapital optimal ist. Allein dadurch spart es 47'000 Franken Steuern. Zusammen mit weiteren Massnahmen zahlt die-ses Ehepaar sogar 103'100 Franken weniger Steuern. Mit diesem Geld können die Eheleute ihren Lebensstandard verbessern. Tipp: Nehmen Sie die Budgetierung ernst! Erst wenn Sie genau wissen, wie viel Einkommen Sie im Alter brauchen, können Sie die richtigen Entscheidungen fällen. 

Länger arbeiten

Viele sind noch nicht arbeitsmüde, wenn sie 65 werden. Für sie kann eine Teilzeitbeschäftigung ideal sein, um langsam aufzuhören. Kommen aber Renten und Erwerbseinkommen zusammen, steigen die Einkommenssteuern. Wer nicht auf die AHVRente angewiesen ist, sollte deshalb einen Aufschub prüfen. Auch bei vielen Pensionskassen kann man seine Leistungen aufschieben. Wer zum Beispiel sein Pensum mit 65 auf 50 Prozent reduziert, kann die Hälfte seines Guthabens bereits dann beziehen und den Bezug des restlichen Guthabens auf später verschieben.

Ein weiterer Vorteil: Wenn man das Guthaben als Kapital bezieht, fallen bei mehreren Teilbezügen wegen der Progression insgesamt weniger Steuern an. Tipp: Wenn Sie länger erwerbstätig bleiben, müssen Sie weiterhin AHV-Beiträge zahlen, auch wenn sie nicht rentenbildend sind. Dabei gilt ein Freibetrag von 16'800 Franken pro Jahr. Beiträge werden nur auf dem Einkommen erhoben, das diesen Freibetrag übersteigt. Wenn Sie verschiedene Tätigkeiten ausüben und separat entlohnt werden, dürfen Sie den Freibetrag für jede dieser Tätigkeiten geltend machen.

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