Vorsorgefalle im Konkubinat

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 01.06.2018

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nord- und Westschweiz
beim VZ VermögensZentrum

Immer mehr Paare entscheiden sich heute bewusst gegen eine Heirat. Was viele nicht wissen: Rechtlich sind Konkubinatspaare im Alter oder im Todesfall deutlich schlechter abgesichert als Ehepaare. Dies ist sogar auch dann der Fall, wenn unverheiratete Paare sehr lange zusammenleben oder gemeinsame Kinder haben.

Im Todesfall haben Konkubinatspartner keinen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen der AHV. Diese sichert nur Verheiratete und Kinder ab. Anders sieht es bei der 2. Säule aus. Je nach Reglement kann es sein, dass die Pensionskasse des verstorbenen Partners freiwillig eine Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung auszahlt. Dazu müssen Konkubinatspaare allerdings eine oder mehrere Bedingungen erfüllen:

  • Die Lebenspartnerschaft dauerte zum Zeitpunkt des Todes mindestens fünf Jahre;
  • Der hinterbliebene Partner wurde vom Verstorbenen finanziell erheblich unterstützt;
  • Der hinterbliebene Partner sorgt für ein gemeinsames Kind.

Darüber hinaus verlangen die meisten Pensionskassen, dass die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zugunsten ihres Lebenspartners eingereicht hat. Eine solche Begünstigungserklärung können Konkubinatspaare bereits dann abgeben, wenn noch keine der Bedingungen für eine Partnerrente erfüllt sind. Die Pensionskasse prüft nach dem Tod des
Versicherten, ob der Lebenspartner Anspruch auf Hinterbliebenenleistungen hat.

Auch bei der privaten Vorsorge, zum Beispiel dem Säule-3a-Guthaben, gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei vielen Pensionskassen. Der überlebende Partner kann nur begünstigt werden, wenn er zu Lebzeiten von der verstorbenen Person erheblich unterstützt wurde, er für den Unterhalt eines gemeinsamen Kindes aufkommt oder die Lebensgemeinschaft seit mindestens fünf Jahren bestanden hat.

Testament aufsetzen

Gerade wenn Konkubinatspaare zusammen ein Eigenheim besitzen, ist die finanzielle Absicherung des hinterbliebenen Partners besonders wichtig. Ohne Vorkehrungen ist dieser möglicherweise gezwungen, das  Eigenheim zu verkaufen, weil er die gesetzlichen Erben des Verstorbenen nicht auszahlen kann. Denn im Gegensatz zu Ehepartnern werden Konkubinatspartner bei der gesetzlichen Erbfolge nicht automatisch berücksichtig. Das heisst: Um dem Partner einen Teil ihres Vermögens vermachen zu können, müssen Konkubinatspaare ein Testament aufsetzen. Damit kann sichergestellt werden, dass zumindest ein Teil des Vermögens dem Partner zugutekommt.

Allerdings gibt das Erbrecht enge Schranken vor. Hinterlässt ein Konkubinatspartner zum Beispiel Kinder, kann er seinem Partner nur einen Viertel seines Vermögens im Testament zuweisen, weil der Pflichtteil der Nachkommen drei Viertel beträgt. Sind keine Nachkommen vorhanden, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil.

Steuerliche Konsequenzen

Benachteiligt sind Konkubinatspartner auch bei den Erbschaftssteuern. Konkubinatspartner zahlen zum Beispiel im Kanton Basel-Stadt für ein Erbe von 250'000 Franken 26'040 Franken Steuern. Im Kanton Aargau sind es 13'350 Franken und in Zürich 42'000 Franken. Bestand das Konkubinat seit weniger als fünf Jahren, fallen in Basel-Stadt sogar 78'120 Franken, im Kanton Aargau 42'000 Franken und in Zürich 570'00 Franken Steuern an, weil dann die Steuerbehörde den Tarif für Nichtverwandte anwendet. Ehepartner hingegen sind von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit.

Höhere AHV-Altersrente

Besser gestellt sind unverheiratete Paare einzig bei der Altersvorsorge, namentlich bei der AHV: Ehepaare erhalten zusammen höchstens 3'525 Franken AHV-Altersrente. Paare im Konkubinat können hingegen bis zu 4'700 Franken bekommen, wenn beide Partner Anspruch auf die maximale Einzelrente haben. Das kann vor allem für solche Paare von Bedeutung sein, die im fortgeschrittenen Alter eine Heirat erwägen.

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